Gewagtes Neuland

Rund 50 bis 100 Kilometer von den deutschen Küsten entfernt entstehen gigantische Windparks auf dem Meer. An diesen Stellen ist die See 30 bis 60 Meter tief, absolutes Neuland für die Windkraftindustrie und schon jetzt mit zahlreichen Negativ-Schlagzeilen behaftet.

Jüngstes Szenario, was den Gegnern der Offshore Windparks neuen Aufwind brachte, war der tragische Unfall eines Tauchers auf der Baustelle „Bard Offshore 1“. Eigentlich sollte er bei seinem Tauchgang nur die Fundamentrohre am 30 Meter tiefen Meeresboden untersuchen, doch beim Aufstieg verfing sich der Versorgungsschlauch, der den Taucher mit dem lebenswichtigen Sauerstoff versorgen sollte. Die genauen Umstände und warum der Mann nicht zu seiner Notfallsauerstoffflasche griff, werden derzeit geklärt.

 

Ein tragisches Unglück, was die Diskussionen um die Sicherheit der bis zu 152 Meter aus dem Wasser ragenden Windräder auf offenem Meer erneut entfacht. Da kommen Fragen auf, die sich mit der Lärmbelästigung durch das Einrammen der Fundamente in den Meeresboden befassen. Auch die Flügelfertigung stand bereits einmal in der Kritik. Seinerzeit soll die IG Metall dem Windparkbetreiber Bard die Verantwortung übertragen haben, dass Mitarbeiter in der Emdener Fertigung aufgrund von Spezialklebern und Harzen an Hautausschlägen und Allergien erkrankten. Auch Horrorszenarien von havarierten Containerschiffen rufen ein mulmiges Gefühl in der Magengrube der Versicherer des Unterfangens auf den Plan. Wäre die auf den Plattformen und für die Überwachung der Anlage zuständige Mannschaft auch bei Sturm noch sicher?

Die wohl größte Frage wirft jedoch eine mögliche Havarie auf. Was wäre, wenn ein Schiff wirklich bei schlechter Witterung von der Route abkommen und in die Transformator-Plattform einer Windanlage krachen würde? Die 22 Meter langen Rotoren lassen sich schließlich nur dann aus dem Wind drehen, wenn die eigene Stromversorgung gesichert ist. Bei einem havarierten Schiff in der Plattform und noch dazu Starkwind also keine Chance mehr, die Giganten zu stoppen. Das Ende liest sich wie ein Horror-Roman: ein wahres Trümmerfeld aus Stahl, Plastik und Beton würde dann auf dem schönen Meer schwimmen.

Demgegenüber steht allerdings der wirkliche Horror, nachzulesen auf diversen Medienplattformen – die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, deren Auswirkungen noch alles andere als klar sind.

Judith Schomaker

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