Der frühe Drachen fängt den Wind

X-Wind Teststrecke in Friedland

Die Diskussion um Windräder ist eine kontroverse. An Land mag der eine sie nicht sehen, da sie das Landschaftsbild „verschandeln“. Der andere stört sich zwar vielleicht nicht an der Optik, aber meint, sie bringen ja doch nicht viel, denn der kräftige Wind weht sowieso nur an der Küste. Die großen Windparks auf hoher See mögen zwar in der Lage sein, mehr Strom zu generieren, doch die Fragen zum Stromtransport bei großem Windaufkommen sind bislang noch immer nicht geklärt und gehören zu den Streitthemen unter den Parteien.

Aber auch innerhalb der Windbranche herrscht Uneinigkeit über Potenziale des einen und des anderen Modells sowie über optimale Größen und Höhen der Windräder, um auf effizienteste Art und Weise aus Wind Energie zu erzeugen. Eine Alternative zu den herkömmlichen horizontalen Windrädern ist die Idee, Kites für die Stromerzeugung mit Windkraft zu nutzen. Wir sprachen mit dem CEO von X-Winds Uwe Ahrens, der uns das ungewöhnliche Konzept einmal vorgestellt hat:

CleanEnergy Project: Herr Ahrens, was steckt hinter dem Konzept von X-Winds?thumb 14-07-14 Uwe Ahrens CEO
Uwe Ahrens: Hinter der X-Wind Technologie steht die Erkenntnis, dass die Energie im Wind mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit steigt. Deshalb ist es besonders sinnvoll, die stärkeren und stetigen Winde in Höhen von 200 bis 500 m zu nutzen,  um so zu einem überragenden Vorteil für die X-Wind Technologie zu kommen.

Windräder gewinnen aber auch immer mehr an Höhe…
Konventionelle Windkraftanlagen kommen bereits an ihre betriebswirtschaftlichen Grenzen, denn auch sie möchten eigentlich in die Höhe der stetigeren und stärkeren Winde vordringen. Das geht zum Beispiel dadurch, dass man auf das offene Meer geht. Oder dadurch, dass man immer höhere Türme mit immer größeren Rotorblattdurchmessern baut. Beide Wege führen aber zu deutlich höheren Stromgestehungskosten. Auch die Rückbaubarkeit von konventionellen Windkraftanlagen ist deutlich aufwändiger als der Rückbau von Schienen und Schwellen unserer Technik.

Was ist der Hauptunterschied Ihrer Technologie im Vergleich zu anderen Windenergieanlagen?
Das Besondere an der X-Wind Technologie ist die Verwendung von Energiedrachen (Kites) in Kombination mit bewährten Standardkomponenten zur wirtschaftlichen Erzeugung von elektrischem Strom.

Und wie genau funktioniert das?
Im Prinzip tun wir nichts anderes als auch ein Kitesurfer. Wir nutzen die extreme Energie, die in den höheren Windschichten existiert. Diese Bewegungsenergie setzen wir ein, um eine elektrische Lok zu ziehen, die dabei Strom erzeugt und ins Netz speist.

Wie hoch ist der Energieertrag?
Der Energieertrag dieser Anlagentechnik ist skalierbar. Eine 24 MW-Höhenwind-Energieanlage leistet circa 120 GWh/a – d.h. rund 35.000 Haushalte können versorgt werden. Die Effektivität ist damit zwei bis dreimal höher als die einer konventionellen Windkraftanlage (Windpark).

Gibt es auch Gefahren durch den Einsatz der Energiedrachen, beispielsweise im Luftverkehr?
Eigentlich nicht. Höhenwindkraftanlagen sind Luftfahrthindernisse wie moderne konventionelle Windkraftanlagen auch.

Haben Sie bereits erste Anlagen im Einsatz?
Zurzeit gibt es nur eine Testanlage in Friedland, Mecklenburg-Vorpommern.

Wie hat sich diese bisher bewährt?
Mit der Testanlage haben wir den Nachweis erbringen können, dass Energiedrachen vollautomatisch steuerbar sind und Energie erzeugen können.

Noch befinden Sie sich mit Ihrem Projekt im Aufbau. Wie wird X-Wind finanziert?
Bisher im Wesentlichen mit Fördergeldern sowie privaten Mitteln. Aktuell haben wir mit unserem Partner Deutsche Mikroinvest ein Crowdfunding-Angebot über EUR 3,5 Mio. am Markt platziert. Wir möchten die Crowd, also jeden einzelnen von uns, motivieren, uns zu unterstützen und so ein Teil unserer Vision zu werden. Im Rahmen dieses Crowdfundings sind wir derzeit auch auf Roadshow in fünf deutschen Städten unterwegs. Ziel ist es, uns und unsere Innovation nochmals live vorzustellen und mit den Interessenten in den Dialog zu treten. Natürlich verlassen wir uns nicht nur auf die dreieinhalb Millionen aus dem Crowdfunding, sondern reden auch noch mit allen anderen Finanzierungskanälen. So hat sich zum Beispiel eine deutsche Energiegenossenschaft gegründet, die demnächst eine NTS-Anlage beauftragen möchte.

Welche Risiken gibt es für die Anleger, wenn sie in Ihr Projekt investieren?
Nicht mehr oder weniger als bei jeder anderen Geldanlage. Selbst ein Sparbuch ist ja heutzutage nicht mehr risikofrei. Wir können nur sagen, unsere Technologie ist einzigartig, Umwelt schützend und profitabel. Ich persönlich kann keine außerordentlichen Risiken entdecken, außer denen die überall drohen.

Nun kann man sich ja vorstellen, was mit einem Kitesurfer passiert, wenn der Wind plötzlich still steht. Ereilt Ihre Kites dasselbe Schicksal, fallen sie herunter?
Nein, die Kites können weiterhin bei Windstille in der Höhe gehalten werden. Aus Windstudien ist bekannt, dass die Einschaltgeschwindigkeit der NTS-Anlagen von 2-3 m/Sek. an vielen Messstationen zu ca. 90 Prozent der Zeit vorhanden ist. Dies bedeutet aber im Umkehrschluss, dass bis zu 10 Prozent der Zeit die Windgeschwindigkeit geringer ist. Sofern diese windstillen Zeiten nur vorübergehend Bestand haben, wird das gesamte System von Energieerzeugung auf Energieverbrauch gestellt. Die Generatoren arbeiten in diesem Fall als Motoren und ziehen die Kites dann in Leerlaufstellung, um sie in der Luft zu halten. Der Energieaufwand dafür ist für die wenigen Minuten bis zu maximal einigen Stunden, an denen so schwache Windverhältnisse vorherrschen, eher gering. Die Bodenfahrzeuge werden dann mit mindestens 2-3 m/Sek. (ca. 7-11 Km/h) bewegt und halten die Kites dadurch am Himmel. Ist ausnahmsweise eine längere Windstille zu erwarten, wird das gesamte System herunter gefahren und es werden alle Fahrzeuge in das Lager verbracht. In diesen Zeiten können dann idealerweise Service- und Wartungsarbeiten geleistet werden.

 

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