Der elektrostatische Windenergie-Umwandler

EWICON auf Campus der TU Delft

Auf dem Campus in Delft in den Niederlanden springt ein Objekt zwischen den gläsernen Wolkenkratzern besonders ins Auge: Vor der Fakultät für Elektrotechnik steht ein stählernes Gerüst in Form eines riesigen Handspiegels. Die futuristische Szenerie hat nicht nur einen ästhetischen Hintergrund. Vielmehr wurde die vermeintliche Skulptur aufgestellt, um Windenergie in elektrische Energie umzuwandeln. Zur Stromerzeugung benötigt diese Windkraftanlage dabei weder Rotoren noch eine Turbine. Ende März dieses Jahres wurde das Modell eingeweiht. Den sogenannten Electrostatic Windenergy Converter, kurz Ewicon, entwickelten Forscher der technischen Universität Delft zusammen mit der Universität Wageningen sowie dem Architektenbüro Mecanoo.

Neuartiges Konzept der Stromerzeugung

Ein Stahlrahmen umhüllt horizontal platzierte Röhren, die mit Elektroden ausgestattet sind. Auf diese Weise kann ein elektrisches Feld entstehen. Um den Mechanismus in Gang zu setzen, erfolgt die Zuführung von Wasser in das System. Die eingeleiteten Wassertropfen werden mit Hilfe von Düsen zerstäubt und im elektrischen Feld aufgeladen. Jetzt kommt endlich der Wind ins Spiel: Er weht die positiv geladenen Teilchen davon. Dieser eigentlich sehr banale Vorgang sorgt für das entscheidende Spannungsgefälle, damit Strom fließen kann.

 

Momentan speist die Pilotanlage auf dem Campus aber noch keine elektrische Energie ins Netz. Sie dient mit einem Wirkungsgrad von fünf Prozent nur der Beleuchtung eines großen Neonlichtes. Denn tatsächlich wandelt Ewicon nur ein bis zwei Prozent von der Windenergie in elektrische Energie um. Langfristig soll der Wert aber auf 20 Prozent steigen, damit die Anlage im Wettbewerb mitmischen kann. Schon allein der Umfang der Anlage muss zunehmen, um die Energieausbeute zu erhöhen. Wenn weiterhin in das Projekt investiert wird, stehen die Chancen gut für eine Weiterentwicklung der Technologie.

Vorteile der Ewicon Windkraftanlage

Auch wenn die Ewicon-Forscher noch vor vielen Herausforderungen stehen: Ist die Technik erst einmal entwickelt, wird sie den konventionellen Windenergieanlagen in zwei Punkten voraus sein: Aufgrund der veränderten Zusammensetzung muss das System weniger oft gewartet werden. Zudem funktioniert es leise und macht den Einsatz in Städten und auf Gebäuden sinnvoll.

Bis es soweit ist, dient die Anlage der Stadt Delft immerhin schon einmal als Kunstobjekt.

Jenny Lohse

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