Costa Rica: Windpark auf 1.800 Metern Höhe

Windenergiepark Guanacaste

Wer gelegentlich den Eindruck bekommt, Europa kämpfe allein auf weiter Flur gegen den Klimawandel, der täuscht sich, wie ein Blick auf das mittelamerikanische Costa Rica zeigt. Hier ist die Energiewende schon lange kein Novum mehr. Das Land deckt seinen Energiebedarf bereits zu 99 Prozent aus erneuerbaren Energie – 80 Prozent kommen aus Wasserkraft und 17 Prozent aus Geothermie. Der Rest wird durch Windenergie gedeckt. In der Nähe der costa-ricanischen Hauptstadt San José wurde kürzlich ein neuer Windenergiepark realisiert.

Die Anlage liegt in den Bergen des Valle Central auf 1.800 Metern Höhe. 17 Windräder vom Typ Enercon E-44 mit einer Leistung von jeweils 900 Kilowatt ragen dort empor. Dank der hervorragenden Windverhältnisse lassen sich pro Jahr insgesamt 37 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Gut 15.000 Haushalte soll das Leuchtturmprojekt mit Strom versorgen. Verantwortlich hierfür ist juwi, einer der erfolgreichsten internationalen Projektentwickler, zusammen mit zwei lokalen Partnern.

Die Anlage wurde am 13. Dezember offiziell von Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla eingeweiht. Alejandro Lobo-Guerrero, Geschäftsführer von juwi Energias Renovables in Costa Rica, sagte im Rahmen der Eröffnung: „Der Bau des Windparks war nicht leicht. Ein Großteil der Bauteile wurde während der Regenzeit geliefert. Da der Windpark auf dem Gebirge liegt, waren die Anfahrtswege steil und schwer zugänglich. Deshalb sind wir besonders stolz auf dieses Projekt.“

Costa Rica beweist mit dem Projekt einmal mehr seinen Willen, die gesamte Energieversorgung bis 2021 auf Erneuerbare umzustellen. Der neue Windpark spart jährlich rund 43.000 Tonnen Kohlendioxid ein. Im Jahr 2009 ging bereits die Anlage „Planta Eólico Guanacaste“ in Betrieb. 55 Windräder mit einer Gesamtleistung von 49,5 Megawatt liefern im Jahr gut 240 Millionen Kilowattstunden Energie und damit Strom für 70.000 Haushalte.

Die Energieversorgung liegt in Costa Rica in den Händen des staatlichen Elektrizitätsinstituts ICE. Das setzt bereits seit den 70er Jahren auf regenerative Energien und prüfte schon zu Beginn der 80er Jahre das Potenzial zur Nutzung der Windenergie im Land. Anfang der 90er Jahre wurden die ersten Windkraftanlagen installiert. Die Bedingungen sind ideal. Winde erreichen in der Region durchschnittliche Geschwindigkeiten von 11,7 Metern pro Sekunde. Das sind Werte, von denen man hierzulande nur träumen kann. Costa Rica ist in Lateinamerika führend bei der Nutzung von Windenergie und geht mit gutem Beispiel für seine Nachbarn voran. Überdacht werden sollte lediglich die Vormachtstellung des ICE.

Josephin Lehnert

1 Kommentar

  • Es gibt zwar auch immer negative Stimmen über den Energieversorger ICE in Costa Rica, vor allem was Stausee Projekte betrifft und natürlich auch von machen die die Windenergieanlagen in der Landschaft stören aber irgend wo her muss ja der Strom kommen.
    Da könnte sich so manche Regierung in Europa, die gute Ressourcen zum Thema alternative Energiequellen habe ein Scheibe abschneiden.
    Ich wohne auf einer bekannten Touristeninsel in Spanien mit viel Potential an alternativer Energie (Photovoltaik, Windenergie, Geothermie) aber hier passiert kaum was. Das war ja schon zu erwarten nachdem der neue Energieminister alle Hilfen und Subventionen für alternative Energiequellen gestrichen hat.
    Ein Insel, El Hierro, macht da eine Ausnahme