Anaconda: Energie aus Meereswellen

Dass sich der menschliche Entwicklungsgeist bei wissenschaftlichen Erfindungen immer wieder gerne von den natürlichen Errungenschaften der Evolution inspirieren lässt, ist kein Geheimnis. Eine solche bionische Innovation mit großem Potential ist auch die Anaconda, die zukünftig emissionsfreie Energie aus den Wellen unserer Weltmeere produzieren könnte.

Von der Natur abgekupfert ist dabei in erster Linie das Aussehen, es erinnert nämlich – wie auch der Name Anaconda schon andeutet – an eine Schlange. Das Funktionsprinzip ist einfach und schnell erklärt: Mit soliden Ketten werden rund 200 Meter lange Gummischläuche am Meeresboden befestigt und bewegen sich dort im Einklang mit den Wellenströmungen. Dabei wird Wasser durch die Schläuche gepresst und treibt am Ende des Schlauches eine Turbine an, die Strom erzeugt.

Das Anaconda-Projekt entstand ursprünglich im Rahmen eines Universitätsprojektes und wurde der Öffentlichkeit erstmals 2009 von dem britischen Unternehmen Checkmate Seaenergy Limited präsentiert. Die Entwicklung der Energieschlange ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber die Labortests mit kleineren Prototypen sollen äußerst vielversprechend sein und in den nächsten fünf Jahren in einer marktreifen Anaconda münden.

Die Vorteile gegenüber anderen Energiequellen, aber auch herkömmlichen Wellenkraftwerken, liegen auf der Hand. Sind die Anacondas erst einmal installiert, fallen nur mehr sehr geringe Instandhaltungs- und Betriebskosten an. Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern steht Wellenkraft – die über den Umweg des Windes letztlich nur eine andere Form von Sonnenenergie ist – unbegrenzt und zum Nulltarif zur Verfügung. Dass das Potential dieser bisher kaum genutzten Energiequelle enorm ist, geht immer wieder aus diversen Studien, beispielsweise des Internationalen Weltenergierats, hervor. Demnach könnte eine effiziente Nutzung bis zu 15 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken.

Matthias Schaffer

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