Alpha Ventus: Wenn der Wind nicht dreht

Erst Ende April war das große Prestige-Projekt der Bundesregierung und der großen Energiekonzerne in Sachen Windkraft, der erste deutsche Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ in der Nordsee, unter großem Interesse der medialen Öffentlichkeit ans Netz gegangen. Doch nur zwei Monate später häufen sich die Pannen.

Bereits mindestens zwei der insgesamt zwölf Windräder haben aufgehört sich zu drehen, auch wenn der Wind aus optimaler Richtung weht. Der Grund: Materialschäden im Gleitlager, das sich zu stark erhitzte. Die gute Nachricht: Dadurch ist nicht das eigentliche Getriebe der Anlage betroffen. Ein Konstruktionsfehler dort hätte gleich das gesamte Innenleben der Multibrid-Maschine in Frage gestellt. So muss wahrscheinlich „nur“ das Maschinenhaus ausgetauscht werden.

Die Hälfte der Fünf-Megawatt-Anlagen hatte der Hersteller Repower geliefert, die bis dato auch ohne Probleme ihren Dienst tun. Die anderen sechs Anlagen jedoch, die die Firma Areva Multibrid hergestellt hat, sind bisher eher durch eingeschränkte oder sogar gar keine Aktivität aufgefallen. Dies berichtet jedenfalls die Fachzeitschrift „Energie & Management“ in ihrer Ausgabe vom 1. Juni dieses Jahres.

Die Getriebe, in denen der Materialschaden nun aufgetreten ist, hatte der Getriebehersteller Renk AG, ein Tochterunternehmen des MAN-Konzerns, produziert. Und ebenso das Getriebe des ersten Prototyps des Windturbinenherstellers Multibrid, der seit Dezember 2004 am nördlichen Stadtrand von Bremerhaven läuft, bis heute fehlerfrei.

Multibrid fordert nun von der Renk AG, für die Alpha-Ventus-Anlagen die gleiche Getriebequalität wie die in Bremerhaven nachzuliefern. Parallel dazu schaut sich das Unternehmen bereits nach weiteren Getriebelieferanten um, was durchaus üblich in der Branche ist. Weitere Kunden wurden außerdem umgehend von der fehlerhaften Entwicklung informiert.

Dies hat immerhin auch schon die Trianel-Allianz, die bereits 40 Anlagen des Typs M5000 bei Multibrid für das Projekt Borkum-West II bestellt hatte, davon abgehalten, den Lieferanten zu wechseln.

Doch für Häme aus dem Lager der Windrad-Gegner ist es noch zu früh. Schließlich laufen die sechs Repower-Anlagen bisher einwandfrei. Außerdem handelt es sich schlussendlich ja auch um ein Testfeld. Und wo sonst dürften solche Pleiten und Pannen passieren als hier?

Daniel Seemann

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