Wellen- und Gezeitenkraft im Wettbewerb

Orkney

Mögen die meisten Urlauber es als angenehm empfinden, dass es an der deutschen Nord- und Ostsee weniger stürmt als an der schottischen Küste – für die Nutzung der Wasserkraft auf dem Meer sind die Bedingungen hierzulande eher hinderlich. So musste letztes Jahr ein Projekt für ein Wellenkraftwerk in der Nordsee aufgegeben werden, da die Wellenhöhen für den optimalen Betrieb der Luftdruckturbine nicht ausreichten.

Auch die Nutzung der Gezeitenkraft hat mit einem Tidenhub von maximal zwei bis 3,5 Metern in Deutschland wenig Aussicht auf Erfolg. Der einzig sinnvolle Standort für ein Strömungskraftwerk liegt in einem Nationalpark und kommt für Deutschland somit auch nicht in Frage. Aus diesem Grund wird die Saltire Prize Grand Challenge unter schottischen Bewerbern ausgetragen werden.

Saltire Prize Grand Challenge in Orkney

Der Saltire Prize Wettbewerb startete Ende August dieses Jahres mit dem Ziel, die Meereskrafttechnologie wirtschaftlich zu etablieren. Jeder Teilnehmer versucht daher mit seiner Anlage kontinuierlich zwei Jahre lang mindestens 100 Gigawattstunden Elektrizität zu produzieren. Dementsprechend lang ist auch die Laufzeit: Bis zum Jahr 2015 ist eine Bewerbung noch möglich.

Vier Teilnehmer mit dem Schwerpunkt auf Gezeiten- beziehungsweise Wellenenergie sind schon dabei, um jeweils den größten Energiebetrag bereitzustellen.

Schottlands erster Meeresenergiepark

In Großbritannien werden zur Zeit 46 verschiedene Gezeiten- und Wellenkraftwerke entwickelt. Damit rangieren die Briten recht unangetastet auf Platz eins im Ausbau der Meeresenergie. Vor allem die Küsten Schottlands bergen ein großes Potential. So ist nicht nur der Name des Wettbewerbes auf das nördliche Land zurückführen. Auch Initiatoren, Teilnehmer und Austragungsort verdeutlichen die Dominanz Schottlands in der Meeresenergie-Branche.

Im Auftrag der schottischen Regierung wurde der Wettbewerb im nördlichen Orkney ausgerufen, dem Sitz des European Marine Energy Centres. Das weltweit einzige Zentrum für ans Netz angeschlossene Prototypen aus Wellen- und Gezeitenkraft nutzt die opitimalen Bedingungen des Standortes: Hohe Windgeschwindigkeiten, Wellen und eine der weltweit stärksten Gezeiten ermöglichten auch die Gründung eines Meeresenergie Parks. Hier sollen auf lange Sicht 1.000 Megawatt durch die Gezeitenkraft und 600 Megawatt Leistung von der Wellenenergie bereit gestellt werden.

Pilotprojekte für Wellen- und Gezeitenkraft

Doch liefen die Versuchskraftwerke bisher nur für ein paar Tage hintereinander und nicht kontinuierlich. Und die Testanlagen sind teuer. Denn Meeresenergie wird erst preiswerter, wenn die Anlagen in Serie produziert werden. Im Jahr 2017 wird die Wellen- und Gezeitenkraft vielleicht soviel kosten wie heute die Offshore Windenergie.

Fernab der Monsterprojekte Schottlands existieren hierzulande kleinere Projekte. Beispielsweise wird versucht, Wellenkraftwerke in Offshore Windenergieanlagen zu integrieren. Für den Saltire Prize Wettbewerb ist die Anlage aber zu klein.

Wenn jemand die Challenge bis zum Jahr 2017 packen sollte, winken ihm 12,6 Millionen Euro Preisgeld. Diese Summe ist zwar geringer als die Kosten, die auf die Berwerber zukommen. Doch die Kraftwerke werden ja auch ohne den Wettbewerb gebaut und ausprobiert. Deshalb gilt die Challenge als eine Art zusätzliche Motivation: Welches der schottischen Unternehmen besitzt die beste Technologie?

Jenny Lohse

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