Wasserkraft als Energiequelle wird ausgebaut

Wasserfall in Norwegen; Foto: shutterstock

Wenn es um die Nutzung von erneuerbaren Energien geht, liegt Norwegen weltweit auf den vorderen Plätzen. Abhängig vom Wasserstand produziert das skandinavische Küstenland nahezu seinen gesamten Strombedarf per Wasserkraft. Darüber hinaus bieten sich norwegische Wasserkraftwerke als Speicher für in Nordeuropa erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien an, der beispielsweise in Deutschland aufgrund fehlender Speicherkapazitäten nicht ausreichend zurückgestellt werden kann.

Norwegen ist Europas größter und der weltweit siebtgrößte Wasserkraftproduzent. Die Speicherkapazität seiner Wasserkraftwerke entspricht rund 50 Prozent der gesamten europäischen Speicherkapazität. Derzeit werden jedoch nur zirka 60 Prozent des in Norwegen vorhandenen Wasserkraftpotenzials genutzt. Daher wurde der Ausbau der Wasserkraft jetzt zur Chefsache erklärt.

Bau vieler kleinerer Wasserkraftwerke geplant
Allein der größte Wasserkraftbetreiber des Landes, Hydro, hat angekündigt, in den nächsten Jahren knapp rund 384 Millionen Euro in neue Wasserkraftwerke zu investieren. Der zum Teil in staatlichem Besitz stehende Konzern will den Strombedarf für seine Industrieanlagen stärker mit Wasserkraft decken. Für die Erweiterung der Wasserkraft ist laut dem Norwegian Water Resources and Energy Directorate vor allem der Bau kleinerer Wasserkraftwerke geplant. Streitpunkt sind die entstehenden Kosten für die meist entlegenen und kleinen Anlagen. Der staatliche Netzbetreiber Statnett möchte diese den Anlagenbetreibern auferlegen, während letztere die Verbraucher stärker in die Pflicht nehmen wollen.

Norwegens Wasserkraft gewinnt aktuell aber noch aus einem anderen Grund an Bedeutung: Die weltweite Energiewirtschaft sucht nach Möglichkeiten, erneuerbaren Strom zu speichern und diesen bedarfsweise kurzfristig verfügbar zu haben. Nach einer Studie der Boston Consulting Group müssen sich aufgrund des Anstiegs der Stromerzeugung aus Sonne und Wind die Speicherkapazitäten in Europa in den nächsten 15 Jahren vervierfachen. Norwegens Wasserkraft als Energiespeicher gerät in dieser Hinsicht in den Fokus.

Neue Netzkapazitäten im großen Umfang erforderlich
Gerade für Deutschlands Windkraft und für die geplante Offshore-Windkraft von Nord- und Ostsee könnte Norwegens Wasserkraft als Energiespeicher künftig an Bedeutung zunehmen. Mit überschüssigem deutschen beziehungsweise Offshore-Windkraftstrom würde Wasser in die Wasserspeicher gepumpt werden und bei Bedarf Wasserkraftstrom erzeugen.

Allerdings sind für diese Szenarien neue Netzkapazitäten im großen Umfang erforderlich. Als erstes müssen nicht die Speicher, sondern das Netz ausgebaut werden, besonders zwischen Norwegen und dem europäischen Kontinent. Für die Zukunft existieren Pläne für den Bau von sechs großen Verbindungstrassen, darunter fünf Seekabel, von denen auch zwei nach Deutschland führen und bis spätestens 2017 ans Netz gehen sollen.

Daniel Seemann

1 Kommentar

  • Ich interessiere mich seit 3 Monaten sehr für das Thema Wasserkraft und da hauptsächlich für kleine Wasserkraftwerke. Dafür muss für den Bau und Nutzung des persönlichen Kraftwerkes nach einem Gesetz eine Genehmigung eingeholt werden. Kennt sich jemand damit aus bzw. weiß, wo ich diese beantragen kann? Danke schonmal.