Neue Protestwelle gegen Speicherkraftwerke

Immer wieder müssen für den Ausbau erneuerbarer Energien gewisse Opfer erbracht werden. Was den einen freut, bringt den anderen dabei mächtig auf die Palme, denn der Ausbau erneuerbarer Energien zum Schutz unserer Umwelt fordert auf der anderen Seite auch seinen Tribut.

Im Hotzenwald im Südschwarzwald sollen 100 Hektar Wald weichen, um die Neubaupläne für ein Pumpspeicherkraftwerk zu realisieren. Zwei große künstliche Seen sollen hier entstehen, um den aus erneuerbaren Quellen produzierten Strom zwischenzulagern und somit wetterbedingte Stromschwankungen zu minimieren. Das ökologisch wertvolle Projekt nimmt durch die Rodung jedoch zahlreichen Tierarten den Lebensraum, was zu massiven Protesten aus der Bevölkerung führt.

Beim Umstieg auf regenerative Energien spielen solche Speicherwerke jedoch eine wichtige Rolle. Der aus Solaranlagen und Windparks gewonnene Strom unterliegt den wetterbedingten Gegebenheiten aus denen starke Stromschwankungen resultieren – das wohl größte Manko von Wind- und Solaranlagen. Mit riesigen Pumpspeicherkraftwerken lassen sich diese Schwankungen allerdings abpuffern. Dennoch ist die angedachte Lösung nicht das non plus ultra, denn auch bei den Speichern gibt es einen Haken: Der Platzbedarf ist enorm und in Deutschland gibt es kaum noch Standorte, welche die Voraussetzungen für solche Kraftwerke erfüllen. Immerhin sind Höhenunterschiede von 400 bis 800 Metern erforderlich, um das Wasser in den vom Stromüberschuss angetriebenen Pumpen fördern zu können. Nicht zuletzt sind zusätzlich Eingriffe in die Natur nötig, eine Rechnung, die nicht immer aufgeht.

Wissenschaftler des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen (EFZN) arbeiten, zusammen mit Kollegen von der Technischen Universität in Clausthal, derzeit an einer neuen Idee, um die Stromüberschüsse speicherbar und zu Zeiten, in denen die Leistungen von Windparks und Solaranlagen nicht zur stabilen Stromversorgung ausreichend sind, wieder nutzbar zu machen. Sie verlegen die mächtigen Pumpspeicherkraftwerke einfach unter die Erde. Stillgelegte Bergwerke sind dafür ideal geeignet und kämen ohne größere Eingriffe in die Natur aus. Vom Prinzip her wären sie ihren oberirdischen Pendants ebenbürtig, denn die Höhenunterschiede, die für das Fördern der enormen Wassermassen nötig sind, finden sich auch in den alten Bergwerken.

Ganze 100 Bergwerke in Deutschland sind nach intensiven Recherchen der Wissenschaftler für diese Vorhaben geeignet, die meisten davon in Gebirgsregionen wie Harz, Erzgebirge, Siegerland und im Lahn-Dillen-Gebiet. Das Bundesumweltministerium fördert das ehrgeizige Projekt und auch das Frauenhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik ist von dieser Idee angetan. Sie sehen darin eine durchführbare Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Quellen preiswert zu speichern und das Stromnetz stabil zu halten, damit regenerative Energien künftig konkurrenzfähiger sind. Zudem muss bei der Umsetzung der unterirdischen Speicher nicht mit neuen Protestwellen gerechnet werden, denn die bereits vorhandenen Stollen wären so sinnvoll genutzt, neue Eingriffe in die Natur nicht nötig.

Judith Schomaker

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