Mega-Kraftwerk am Amazonas

Jetzt ist es amtlich, Präsident Lula da Silva will am Fluss Xingu, einem Zufluss des Amazonas, das nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem Itaipu-Werk an der brasilianischen Grenze zu Paraguay weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk errichten. Mit Unterzeichnung des Konzessionsvertrags hat nun das Konsortium Norte Energia SA für 35 Jahre das Nutzungsrecht am Belo Monte Kraftwerk. Ein Konsortium, dem 18 staatliche Firmen und einige brasilianische Investoren angehören, die auch für den Bau des Kraft Giganten verantwortlich sind.

Zahlreiche Proteste und etliche Klagen von Umweltschützern und Ureinwohnern des Amazonas konnten den Staatsmann nicht von seiner Entscheidung abhalten. Die Konzessionen für den Anlagenbau und den Stromverkauf wurden bereits Ende April vergeben. Mit dem Bau des Belo Monte Kraftwerks, mit einer Spitzenleistung von 11.300 Megawatt, soll noch in diesem Jahr begonnen werden, 2015 soll es in der ersten Stufe Strom für rund 20 Millionen brasilianische Haushalte bringen.

Rund 516 Quadratkilometer Regenwald müssen für den Bau des Staudamms überflutet, 20.000 Menschen umgesiedelt werden. Ein Projekt, welches die Investoren rund 8,5 Milliarden Euro kosten wird, den am Fluss lebenden Indios und der reichen Flora und Fauna des Rio Xingu hingegen einen kaum abschätzbar Schaden zufügt. Auch aus Europa beteiligen sich Firmen an dem Mega-Projekt und werden von Umweltorganisationen aus dem eigenen Land scharf kritisiert. Ähnlich wie beim umstrittenen Staudammprojekt Ilisu in der Türkei würden auch beim Belo Monte-Staudamm seriöse Umweltprüfungen fehlen. Der Baubeginn solle auch ohne von der Weltbank vorgeschriebene Umsiedelungspläne für die betroffene brasilianische Bevölkerung vollzogen werden, eine ungewisse Zukunft für die Indios in Amazonien.

Diesen wurde für ihre Opferbereitschaft eine Entschädigung in Höhe von rund 570 Millionen Euro versprochen, ein Versprechen, das der Bevölkerung schon aus vergangenen Projekten bekannt ist, welches aber nie eingehalten wurde. Ihre Proteste mehren sich also und schon jetzt kündigen die Indios an, ihre Heimat notfalls mit Waffengewalt gegen den geplanten Bau des Kraftwerks zu verteidigen. Unterstützung in Form von Protestbriefen und Unterschriftenaktionen erhalten sie dabei nicht nur von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, sondern auch von Prominenten aus aller Welt. So sprachen sich unter anderem Regisseur James Cameron, Schauspielerin Sigourney Weaver und Rocksänger Sting gegen den Bau des Kraftwerks aus.

Ein Kraftwerk, welches von Umweltschützern eher als gigantischer „Marketinggag“ gesehen wird, denn nicht etwa den angekündigten 23 Millionen brasilianischen Haushalten solle der saubere und effiziente Strom zugute kommen, sondern die Einnahmen in den Ausbau immer größerer Aluminiumwerke in Brasilien gesteckt werden. Schließlich decke Brasilien schon jetzt rund 75 Prozent seines Strombedarfs aus der Wasserkraft und der Belo Monte Staudamm wäre aufgrund des riesigen Energieeinsparungspotenzials gar nicht notwendig.

Judith Schomaker

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