Kleinwasserkraftwerke am Hindukusch

Dorf in Afghanistan

Würde Afghanistan nicht seit Jahrzehnten von Unterdrückung und Kämpfen heimgesucht werden, es wäre ein reiches Land: Mineralvorkommen wie Lithium, Kupfer und Eisen sowie Öl- und Gasreserven bieten Chancen für die inländische Wirtschaft. Neben den Bodenschätzen ist auch das Potential für regenerative Energien wie Wasserkraft, Solar- und Windenergie groß.

Doch Afghanistan gehört laut des Human Development Index zu den ärmsten Ländern der Welt, was die Nutzung der Ressourcen hemmt. Zudem wird der Aufbau der Wirtschaft durch Anschläge der Taliban sowie Korruption erschwert.

Energetische Infrastruktur Afghanistans

Gleichwohl siedeln sich mehr und mehr Elektrifizierungsprojekte in der Hauptstadt und im Hindukusch an, die trotz ausländischer Beteiligung keinen bitteren Nachgeschmack bei der afghanischen Bevölkerung hinterlassen. Schließlich sind bisher nur wenige Menschen an ein Stromnetz angeschlossen. Mit der Verbesserung der Infrastruktur könnte zumindest die Entwicklunsgsstrategie Afghanistans aufgehen: Nach ihr sollen bis 2013 65 Prozent der städtischen und 25 Prozent der ländlichen Haushalte mit Strom versorgt werden.

Kleinwasserkraftwerke verbessern regionale Wirtschaft

Im letzten Jahr entstammten 26 Prozent der Elektrizitätsproduktion aus heimischer Wasserkraft. Weil die nötige Restenergie beinahe vollständig aus dem Ausland importiert wird, ist die Wasserkraft die vorherrschende Energiequelle Afghanistans.

Da ein Großteil der Afghanen auf dem Land lebt, erscheint eine netzunabhängige Stromversorgung umso sinnvoller. Mit netzunabhängigen Kleinwasserkraftwerken wird deshalb versucht, die Lebenssituation in den Gebirgsprovinzen zu verbessern. Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit ließ mit Gemeinden und Ingenieuren sechs dieser Anlagen im Nordosten Afghanistans errichten. Insgesamt können die Kraftwerke eine Leistung von 1,3 Megawatt vorweisen und garantieren damit 63.000 Menschen Energie. Auch zahlreiche kleine Unternehmen und Organisationen profitieren von der zuverlässigen Energieversorgung.

Die enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung war maßgeblich für den Erfolg der Projekte und erforderte drei Jahre Untersuchungen vor Ort. Durch die regionale Akzeptanz kann auch das Risiko der Anschläge auf eines der Wasserkraftwerke verringert werden. Das Projekt wird vorwiegend über Spenden finanziert, in Zukunft können die Kraftwerke sich finanziell aber selbst tragen. Im Gegenzug sollen die betreffenden Regionen den Opium Anbau einstellen. Denn acht Prozent der Bevölkerung sind abhängig von der Droge. Diese macht zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, wovon vor allem die Taliban profitiert.

Dieses Jahr konnten die Kleinwasserkraftwerke Afghanistans auch im internationalen Vergleich überzeugen: Für die erfolgreiche Umsetzung von CO2-Reduktion, Umweltschutz, Armutsbekämpfung und der Verbesserung der Lebensverhältnisse erhielt das Projekt den Ashden Award. Dieser wird seit dem Jahr 2001 für die Förderung erneuerbarer Energien vergeben.

Jenny Lohse

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