Gigantisches Staudammprojekt am Kongo

Die demokratische Republik Kongo will zusammen mit Südafrika am Kongo-Fluss das größte Wasserkraftwerk der Welt bauen. Beide Länder einigten sich Ende Mai bei einem Treffen in Paris auf einen Starttermin für das Milliardenprojekt im Oktober 2015. Der Riesenstaudamm soll eine Nennleistung von 40 Gigawatt haben – mehr als das Doppelte des derzeit weltgrößten Wasserwerks, des Drei-Schluchten-Damms in China. Umweltschützer warnen vor den verheerenden Auswirkungen des Vorhabens.

2015 soll im Kongo der Grundstein für „Grand Inga“ gelegt werden, den bis dato größten Staudamm der Welt. Er könnte die Energieversorgung auf dem afrikanischen Kontinent auf einen Schlag um ein Drittel erhöhen. Hauptinitiatoren des Projekts sind die Demokratische Republik Kongo und Südafrika, das auch Hauptabnehmer der Wasserkraftenergie werden soll. Schon nach Abschluss des ersten Bauabschnitts soll das Kraftwerk eine Leistung von 4.800 Megawatt haben, wovon 2.500 Megawatt an Südafrika gehen, das wegen seiner rasant wachsenden Wirtschaft dringend Energie benötigt. Nach seiner endgültigen Fertigstellung soll der Staudamm jährlich rund 320 Terrawattstunden elektrischer Energie erzeugen, das entspricht der Jahresleistung von 30 Atomkraftwerken.

Die Vorüberlegungen für das Inga-Projekt reichen bis in die 70er Jahre zurück. Zwei Staudämme gibt es am Kongo-Fluss im Bereich der Livingstonefälle bereits: Inga I und Inga II, die zu den größten des afrikanischen Kontinents zählen. Wegen zunehmender Verschlammung kommen sie aber nur noch auf eine Leistung von rund 1.700 Megawatt. Der neue Staudamm soll die Energieversorgung in Afrika verbessern. Gegen einen hohen Preis allerdings. Abgesehen von den veranschlagten 80 Milliarden US-Dollar, die bei Bauprojekten dieser Größenordnung üblicherweise noch rund 50 Prozent höher liegen, wird das Vorhaben verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Der Standort des Grand Inga liegt etwa 150 Kilometer vor der Mündung des Kongo. Ein starkes Gefälle bietet hier günstige Bedingungen. Das alte Kraftwerk, das schon seit 1972 existiert, zweigt Wasser aus dem Kongo ab. Für den neuen Giga-Staudamm aber soll der gesamte Fluss komplett in ein anliegendes Tal umgeleitet und dort an einer 200 Meter hohen Staumauer aufgestaut werden.

Wertvolles Ökosystem in Gefahr
Im Einzugsgebiet des Kongo-Flusses befinden sich etwa ein Viertel des weltweit noch vorhandenen tropischen Regenwalds, nach dem Amazonasbecken das zweitgrößte ununterbrochene tropische Urwaldgebiet der Erde, und ein höchst sensibles Ökosystem. Die Umleitung und Aufstauung des Flusses stellt einen massiven Natureingriff dar. Da sich das Wasser im Stausee sammelt, fallen andere, für viele Tierarten wichtige Überschwemmungsflächen trocken. So würden etwa zahlreiche Fischarten bedroht, da sie ihre angestammten Laichplätze nicht mehr aufsuchen können, viele könnten aussterben. Während am Unterlauf weniger Wasser ankommen wird, werden anderswo wertvolle Naturflächen unter Wasser gesetzt. Zahlreiche Menschen werden ihre Heimat verlassen müssen. Der neue Stausee wird ein Brutparadies für Moskitos und andere Schädlinge.

Vor allem aber – und das ist besonders paradox – sammelt sich dort Schlamm und vom Fluss mitgeführtes organisches Material an. Unter den tropischen Bedingungen des Kongo wird es zusammen mit der noch vorhandenen Vegetation von Mikroorganismen zersetzt, die wiederum riesige Mengen Methan freisetzen, ein 25-mal klimaschädlicheres Gas als Kohlendioxid. Es ist anzunehmen, dass der neu geschaffene Stausee um ein vielfaches mehr klimaschädliche Abgase erzeugt, als Kohlekraftwerke vergleichbarer Leistung, wie Erfahrungen aus anderen Stauseeprojekten zeigen.

Mit Klimaschutz hat das nicht viel zu tun. Aber genau unter diesem Deckmantel wird das Projekt vorangetrieben. Denn: Gemäß dem Kyoto-Protokoll können sich Industriestaaten durch Beteiligung an derartigen Projekten Pluspunkte in ihrer eigenen Klimabilanz und auf ihre Kohlendioxidemissionen anrechnen lassen. Die G8-Staaten unterstützen das Bauvorhaben daher tatkräftig als sogenannte erneuerbare Energiequelle. Das könnte fatale Folgen haben, wie vergleichbare Beispiele zeigen.

Josephin Lehnert

3 Bemerkungen

  • Dieses Vorhaben ist auf alle Weisen nur bedenklich, ja regelrecht beängstigend!
    Wieviel Natur muss denn noch zerstört werden, bis die verantwortlichen Politiker udn Investoren endlich gestoppt werden?
    Jeder vernünftig denkende denkende, intelligente Mensch sollte mit Nachdruck sein Veto einlegen!
    Denn hier gibt es doch eigentlich nur Verlierer: die Menschen in ihrer Gesamtheit (nicht nur die dort lebenden!), Flora und Fauna. Gibt es denn nicht schon abschreckende Beispiele genug? (Drei Schluchten-Staudamm in China e.g.)
    Noch erschreckender erscheint mir, dass die führenden Top-Politiker der westlichen Welt dieses Projekt unter dem Deckmäntelchen der „Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen“ gutheißen, ja unterstützen wollen. Ich frage mich, wie viele ökologisch verträgliche kleinere Flußkraftwerke man für die zu erwartenden Kosten von ca. 120 Milliarden US $ für solch ein hirnrissiges Megaprojekt bauen könnte. Wir haben z.B. in meiner Heimatstadt Heidelberg ein Flusskraftwerk, dass komplett unter Wasser liegend die komplette Altstadt mit Strom versorgt. Dieses Projekt läuft seit ca. Mitter der 90er Jahre einwandfrei – ohne die Umwelt optisch, akustisch oder mit Umweltschädlichen Abgasen zu belasten.
    Wiewohl ich kein Kraftwerksspezialist bin, kann ich mir vorstellen, das solche umweltverträglichen kleineren Einheiten den – meist in großer Armut lebenden – Menschen erheblich dienlicher sind, zumal kein Eingriff in Lebenswichtige Ökosysteme erfolgt.
    Ich wünschte mir, dass hier entsprechende Umweltverbände, Wissenschaftler und vernünftige Politsche Kräfte kräftig gegensteuern und diesen Wahnsinn im Vorfeld bereits stoppen!

  • Hallo Frau Lehnert,

    ich stimme Ihnen 100% zu.
    Leider hilft da auch nicht an die Vernunft der beteiligten Parteien zu appelieren.
    Manchmal schon verwunderlich, der Starrsinn der Planer und sog. Experten.
    Wir sind im Bereich Windkraft (KWEA) mit eigenen Lösungen für die dezentrale Energieversorgung tätig.

    Viele Grüße
    Ihr
    Heinz Bader

  • Wasserkraftnutzung ja, aber anders: Auf meiner Webseite unter [b]News[/b] ist ein Säulenkraftwerk beschrieben, das keine Staumauer benötigt und keinen Ökoschaden anrichtet und wesentlich kostengünstiger zu bauen ist. Es wird dem Flußwasser nur ein Teil entnommen und durch Röhren geleitet. Am unteren Ende ist das Kraftwerk. Durch entsprechende Länge kann höhere „Stauhöhe“ erreicht werden und damit die teilweise Wassermenge kompensiert werden.
    Die Idee kann sämtliche neuen Wasserkraftprojekte ersetzen und auch hierzulande noch Potentiale ausnutzen, die mit konventionellen Lösungen (GsD) nicht mehr durchsetzbar sind.

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