Gezeitenlagune in Südwales geplant

Swansea Bay Tidal Lagoon

Gregory Barker, britischer Minister für Energie und Klimawandel, will 2014 zum Jahr der Meeresenergie erklären. Mit diesem Anliegen bezieht er sich vor allem auf die Unterstützung der Gezeiten- und Wellenkraftprojekte. Denn die Investitionskosten dieser recht jungen Technologie sind nicht „ganz ohne“ und benötigen eine gewisse Förderung.

So veranschlagt der Bau eines Gezeitenkraftwerks des Unternehmens Tidal Lagoon Power 850 Millionen Pfund (rund 1. Milliarde Euro). Wie der Name der Firma schon verrät, soll die Energie der Gezeiten mit Hilfe einer künstlichen Lagune eingefangen werden. Die u-förmige Mauer mit einer Länge von 9,5 Kilometern und 20 Metern Höhe würde einen Teil der Swansea-Bucht in Südwales einnehmen.

Künstliche Lagune wandelt Gezeitenenergie um

Unter der Meeresoberfläche könnten 16 Turbinen bei Ebbe und Flut zur Stromproduktion beitragen. Dies würde wie folgt geschehen: Bei Hochwasser sind die Schleusen geschlossen. So steigt das Wasser auf der Außenseite der Mauer. Wenn das Wasserniveau in der Lagune viel niedriger ist, öffnet sich das Tor. Folglich kann das Wasser durch die Turbinen strömen. Das gleiche geschieht mit den flexiblen Turbinen auch umgekehrt, wenn das Wasser wieder zurück fließt. An die 14 Stunden sind die Turbinen pro Tag in Betrieb. Die zur Verfügung stehende Leistung ist demnach gut zu kalkulieren.

Tidal Lagoon Power wartet auf Zusage

Das Unternehmen Tidal Lagoon Power bekam im März das Okay für den Bauantrag. Diese Zusage bedeutet vorerst, dass der Antrag nun von der Öffentlichkeit geprüft wird. Daraufhin folgt der Beschluss der Regierung, ob das Projekt genehmigt wird oder nicht.

Alle Untersuchungen dauern wahrscheinlich bis nächstes Jahr an. Bei einer Zusage könnte mit der Konstruktion schon 2015 begonnen und ab 2018 der erste elektrische Strom bereitgestellt werden. Damit würde das Gezeitenkraftwerk noch vor dem im Südwesten Englands geplanten Atomkraftwerk Hinkley Point C in Betrieb gehen. Zudem beträgt die Betriebszeit einer Gezeitenlagune an die 120 Jahre und übertrifft damit auch die Lebensdauer eines Kernkraftwerks.

Mit einer Anlagenleistung von 240 bis 320 Megawatt könnten die Gezeiten an der Südküste von Wales gut ausgenutzt werden. Auch in anderen Buchten plant die Firma den Ausbau ihrer Lagunen, die insgesamt eine Leistung von 7.300 Megawatt bereitstellen sollen. Das entspricht zehn Prozent des Strombedarfs in Großbritannien.

 Vor- und Nachteile der Gezeitenlagune

Mit der Lagune lassen sich Touristen in die Gegend locken. Denn die Architekten planen eine begehbare Mauer mit einem Besucherzentrum und Freizeitaktivitäten. Schließlich ist der Tidenhub in der Swansea Bucht sehr hoch und bietet sich nicht nur für die energetische Nutzung an. Auch Surfer kommen hier auf ihre Kosten.

1254 Arrival and Rock pools

Für das Projekt spricht zudem die Suche nach Maßnahmen gegen weitere Flutschäden in Großbritannien. Denn die Lagune kann auch als Barriere dienen und das Wasser zurückhalten.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Turbinen den elektrischen Strom dort produzieren, wo er benötigt wird. Denn gerade an dieser Küste befinden sich die ganzen Ballungszentren. Auch die Infrastruktur ist vorhanden und das Material kann mit Schiffen an den Einsatzort transportiert werden. Übrigens besteht das Material zum Teil aus Sand vom Meeresboden vor Ort. Er wird in sogenannte ‚Geotubes‘ gepresst und bildet die Mauer der Lagune.

Trotz der vielen Vorzüge wiegt dieser Nachteil am schwersten: Die Regierung muss anfangs an die 156 Pfund (187 Euro) pro Megawattstunde beisteuern. Der Betrag übersteigt auch die Subventionen für Offshore-Windparks.

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Zudem wird die Lagune große ökologische Auswirkungen nach sich ziehen. Dennoch wären die Schäden geringer als beim Bau eines Dammes im Mündungsgebiet des Flusses Severn. Ein solches Projekt wurde von der Regierung zurückgewiesen – vor allem wegen der immensen Kosten. Auch die Organisation Friends of the Earth befürwortet im Vergleich eher die Lagune.

Gregory Barker betonte auf der Wellen- und Gezeitenenergie-Konferenz in Belfast im Februar: “Let’s unlock together the untapped potential and make 2014 a marine year to remember.” Auch am Lagunenprojekt wird sich zeigen, ob die britische Regierung trotz der beträchtlichen Ausgaben an ihrem Ziel für dieses Jahr festhält.

 

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