Erster Strom-Bojen-Park in Wachau

Die Strom-Boje 3® als umweltschonendes Wasserkraftwerk

In Wachau an der Donau hat der weltweit erste Strom-Bojen-Park die wasserrechtliche Bewilligung erhalten. Damit ist der Weg frei für eine alternative und umweltfreundliche Wasserkraftnutzung. Staudämme, Schleusen und Fischtreppen sind überflüssig und das Gewässerökosystem bleibt in seiner natürlichen Form erhalten.

Das österreichische Unternehmen Aqua Libre will die Wasserkraft revolutionieren. Mit Strombojen will man die Energie des Wassers nutzen, ohne Gewässerökosysteme zu schädigen und die Flusslandschaften zu zerstören. 2006 hat Aqua Libre die Strom-Boje nach einer Idee von Fritz Mondl erfunden. Nach drei Prototypen, zahlreichen Versuchen in der Schifffahrtsversuchsanstalt und 25.000 Betriebsstunden bei mehreren Hochwasserereignissen ist die Strom-Boje jetzt bereit für den Praxiseinsatz. Es handelt sich weltweit um das erste technisch ausgereifte, wirtschaftliche Aggregat seiner Art.

Schon seit Jahrtausenden nutzten die Menschen die Fließkraft der Flüsse, zunächst nur für den Antrieb von Wasserrädern, im 19. und 20. Jahrhundert ging man Strom-Boje 3dazu über, Flüsse aufzustauen und so Wasserkraft effektiv einzusetzen. Für die Umwelt aber endete das oftmals im Desaster. Riesige Staudammprojekte und Talsperren haben das Landschaftsbild verändert. Die Tier- und Pflanzenwelt leidet. Fischpopulationen wurden stark dezimiert, weil keine Schotterbänke mehr vorhanden sind und die Turbinen der Kraftwerke die Fische häckseln. In den Stauseen lagern sich Sedimente ab und es bilden sich giftige Schlämme. Das einstmals nährstoffreiche Umland der Flüsse verödet und der Grundwasserspiegel senkt sich ab.

Die Strom-Bojen sind hingegen vollkommen umweltfreundlich. Es sind dabei keinerlei bauliche Maßnahmen erforderlich. Der dritte Prototyp, die Strom-Boje 3® wurde für größere Flüsse konzipiert. Es handelt sich um eine an Stahlketten hängende Bojen-Konstruktion mit einem 250cm-Rotor, der bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 3,3 Meter je Sekunde eine Nennleistung von 80 kW erreicht. Je nach Standort kann er Strom von bis zu 300 MWh im Jahr liefern.

Die Strom-Boje 3® ist zehn Meter lang, 5,5 Meter breit und wiegt 6,4 Tonnen. Auftrieb, Strömungsdruck, Gewicht, Anhängepunkt und Kettenlänge sorgen dafür, dass sich die Strom-Boje bei normalen Wasserständen immer selbständig in der stärksten Strömung knapp unter der Wasseroberfläche einrichtet. Bei Hochwasser taucht sie ab und schützt sich so gegen Treibgut.

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Die Strom-Boje verfügt über einen getriebelosen PM-Synchron-Generator, der bei jedem Wasserstand Strom im besten Wirkungsgrad erzeugt. Einen ersten Prototyp hat man im Dezember 2006 in der Donau in der Wachau getestet. Seit Herbst 2009 schwamm der zweite, schon fast seriennahe Prototyp in der Donau und lieferte bis Ende 2011 zuverlässig Ökostrom. Die Strom-Boje 3® wurde im November 2011 feierlich getauft und hat seitdem einen Langzeittest absolviert. Nun geht das Projekt in Serie. Die Strom-Bojen lassen sich schon jetzt mit den in Österreich gebotenen Einspeisetarifen sehr wirtschaftlich betreiben. In einem nächsten Schritt sollen dann Strom-Bojen für kleinere Flüsse konstruiert werden.

2 Bemerkungen

  • Vielen Dank für diesen informativen Beitrag!

    Es ist immer wieder erstaunlich welch einfache Ideen zu genialen Methoden führen können um Strom zu erzeugen.
    Umwandlung der Bewegungsenergie in elektrische Energie. Wie das Windrad, die Turbine im Druckstollen usw.. Alles altbekannte Dinge, jetzt lediglich in einem anderen Kleid.

    Schade ist es, dass immer gleich nach die „WIRTSCHAFTLICHKEIT“, das „MONETÄRE“, als Bewertungsmaßstab herangezogen wird.
    Umweltverträglichkeit, weil Gesund, weniger Klimaschädlich etc., ist ein sehr hohes Gut und das bekommen wir mit solchen Ideen und Methoden total billig für lediglich:

    Entwicklungskosten + Aufwendungen bei der Herstellung und Unterhaltung + Personal etc..

    Für mich ist dies das wirtschaftlichste überhaupt! Es liefert uns genau das was wir brauchen!
    nämlich ….“Energie ohne KRANKMACHER und ohne KAPUTTMACHER“

    Es gibt so viele Ideen, wie z.B. auch das Heizen mit Eis u.a.!

    Viele Ideen werden zerredet, sehr oft von Menschen, die keine Ahnung haben, aber ihre Inkompetenz nicht zugeben wollen um nicht dumm da zu stehen.

    Fragt doch mal ein paar Heizungsfirmen was sie von einer Eisheizung halten?
    Einer der immer nur Gas/Öl/Strom-Heizungen installiert, lässt an etwas, das er selber seinem Kunden gar nicht liefern kann, kein gutes Haar. Schließlich will er ja selber einen Auftrag haben und so redet er den alten Schrott wieder schön.

    Der nächste spielt den Kompetenten Energieberater oder Architekten und hat bei dem Begriff „Kristallisationsenergie“ nicht mal eine Vorstellung wovon die Rede ist.

    Danke für jede Idee. Lasst sie euch nicht kleinreden und geht einfach zum Nächsten.
    Mein Gott was würde ich drum geben bei solchen Projekten mitwirken zu dürfen.

    Vielen Dank!

  • Die Stromboje ist sicher eine funktionstüchtige Innovation, die sich als Produkt am Markt nur in ihrer Wirtschaftlichkeit, die bisher über die Subvention über den Verbraucherangestrebt wird, behaupten dürfte.

    Der Hersteller gibt bei einem 2,5 m-Rotor eine Leistung P von 70 kW bei einer Fließgeschwindigkeit v von 3,50 m/s an. Diese lässt sich hydromechanisch nach der Formel P = 1/2 *A*cp*v³*ρ*η = 0,4*4,91*0,59*1,0*0,9 = 55,88 kW nicht nachweisen.

    Der Leistungsbeiwert cp beträgt maximal 0,59 und dürfte schwer zu erreichen sein. Ebenso der Wirkungsgrad η von 0,9, der nur bei einer Zwangsführung des Triebwassers wie z.B. bei der Rohrturbine möglich wird.

    Der Diffusor ergibt nach der Fachliteratur etwa eine Leistungssteigerung von 10 %.
    Eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit dürfte dieser ausschließen, da das Venturi-Prinzip mit Verengung des Fließquerschnitts nur in geschlossenen Systemen wirksam wird.

    Die Verankerungsstelle setzt eine Mindestwassertiefe von > 3,00 m auch bei Niedrigwasser sowie eine Mindestfließgeschwindigkeit von etwa 1,50 m/s für eine Leistung von 5 kW voraus. Die meisten Flüsse dürften an den wenigsten Stellen Strömungen von 3,50 m/s und wenn, dann nur bei Hochwasser aufwei-sen.

    Dazu, da sich in bisherigen Veröffentlichungen keine Wirtschaftlichkeitsaussagen finden, einige Anmerkungen. Bei einer wahrscheinlichen Durchschnittsleistung von 15 kW beträgt bei einem geplanten Absatzpreis von 250.000 € die Investitions-Kennzahl 16.700 €/kW. Bei dieser errechnet sich ein möglicher Umsatz von 0,12*15*8760*0,9 = 14.191 €, dem bei Bewirtschaftungskosten von z.B. 10 % (AfA- und Kapitalkosten ohne Verwaltungs- und Betriebskosten) 25.000 € gegenüberstehen.

    Hele