Beleuchtung aus dem Wasserhahn

ES Pipe: Waterwheel

Während viele Menschen hierzulande schon gefährlich nahe an einen Nervenzusammenbruch geraten, wenn der iPhone-Akku für ein paar Minuten leer ist, müssen weltweit rund 1,5 Milliarden jeden Tag 24 Stunden gänzlich ohne Strom auskommen.

Im Klartext bedeutet das unter anderem, dass die Möglichkeit von nächtlicher Beleuchtung entweder komplett fehlt oder – wie beispielsweise bei Kerosinlampen – sehr teuer und gesundheitsschädigend ist. Während sich bisherige Hilfsprojekte meist auf solarstrombetriebene Leuchtmittel konzentrieren, geht der Produktdesigner Ryan Jongwoo Choi mit seinem Konzept für das „ES Pipe: Waterwheel“ einen gänzlich anderen Weg: Hier soll der Strom für das Nachtlicht direkt aus dem Wasserhahn kommen!

Die Idee dahinter ist, dass durch die Fließkraft des Wassers nach dem Turbinenprinzip Energie erzeugt wird und mit Hilfe einer kleinen Lampe für Licht sorgt. Das „ES Pipe: Waterwheel“ wird zu diesem Zweck zwischen die Wasserleitung und den -hahn geschraubt. Jedes Mal, wenn nun Wasser aus dem Hahn fließt, drehen sich kleine integrierte Wasserräder in dem Minikraftwerk in Röhrenform und erzeugen dadurch elektrische Energie.

Die auf dem Rohrstück montierten Lampen sind mit einem Akku ausgestattet und können die emissionsfrei erzeugte Energie speichern. Nach Bedarf können die Lichter dann abgeschraubt werden und an einem beliebigen anderen Ort als Beleuchtungsquelle dienen. Besonders clever an der Idee ist, dass die ohnehin schon vorhandene Fließkraft des Wassers einfach zusätzlich auch noch zur Stromerzeugung herangezogen wird..

Ein klarer Nachteil des „ES Pipe: Waterwheel“ ist allerdings, dass es logischerweise nur dort benutzt werden kann, wo ein funktionierendes Fließwassersystem existiert. Ob sich der beleuchtungsbringende Wasserhahn also tatsächlich eignet, um Licht in das Dunkel von Entwicklungsländern zu bringen, bleibt abzuwarten. Immerhin war das Konzept einer der Finalisten des International Design Excellence Award 2012 und laut Webseite von Choi laufen bereits die Vorbereitungen für eine industrielle Produktion durch ein Unternehmen.

Das „ES Pipe: Waterwheel“ ist nicht das erste Projekt, mit dem sich Ryan Jongwoo Choi den Themen Energie und Nachhaltigkeit widmet. Sein „Energy Saver“ wurde mit dem Universal Design Award ausgezeichnet und visualisiert auf formschöne Art den Stromverbrauch von Elektrogeräten. Zusätzlich regt ein integrierter Ausschalter zum Energiesparen an. Bei diesem Vorhaben kann auch das „Jellyfish Lighting“ des Produktdesigners helfen, denn die optisch an eine Qualle erinnernde Lampe bezieht ihre Energie komplett aus der Kraft des Sonnenlichtes.

Matthias Schaffer

3 Bemerkungen

  • Entschuldigung, aber das klingt schon sehr nach Strom aus der Steckdose. Energie am Ende der Leitung kann nur entnommen werden, wenn auch auf der Anderen Seite mittels Druckerhöhung oder in seltenen Fällen mit großen natürlichen Höhenunterschied (pumpenbetriebener Wasserturm gilt nicht) entsprechend Förderhöhe hergestellt wird. Die Druckverluste in einer Wasserleitung sind im Regelfall deutlich höher als die einer Stromleitung.
    Mit clean energy hat das ganze also nur in soweit etwas zu tun, wenn die Pumpe auch mit „sauberen“ Strom gespeist wird, der auch noch kontinuierlich zur Verfügung steht.

  • bedenklich wäre es obendrein, wenn man das Wasser laufen lässt, um damit Strom z.B. für die Beleuchtung zu erzeugen – beispielsweise wenn man fürs Wasser nur pauschal zahlt und Strom nach Verbrauch über den Stromzähler abgerechnet wird…

  • Es stimmt zwar, dass der Strom für das Erreichen der Förderhöhe erst beim Pumpen investiert wird, es spricht aber doch nichts gegen die Rückgewinnung. Effektiver wäre die aber wohl in den Hauptwasserleitungen zu erreichen.