Was ist eigentlich eine Solarkochkiste?

Solarkocher

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Der Wind pfeift schon kräftig um die Häuserecken. Was gibt es da besseres als eine heiße Suppe? Schnell die Kochplatte angeheizt und schon brodelt es leise vor sich hin. Wer es ganz mondän mag, schiebt sich gar ein Fertiggericht in die Mikrowelle: Eine warme Mahlzeit zubereiten ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit. In vielen Regionen der Welt aber geht Kochen ganz anders. Aus dem weit entfernten Wald muss Feuerholz geholt und zu Kleinholz gemacht werden. Das Essen wird dann am offenen Feuer in beißendem Rauch zubereitet.

Mehr als drei Milliarden Menschen weltweit kochen ihre Mahlzeiten auf diese oder ähnliche Weise. Eine aufwändige und vor allem gesundheitsschädliche Angelegenheit. Denn der Rauch am offenen Feuer enthält giftige Substanzen: Rußpartikel, Karbonmonoxyd, Stickstoffoxide, Benzol. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich weltweit rund 1,5 Millionen Menschen an Innenraumluft-Verschmutzung.

Abhilfe schaffen kann ein Solarkocher, ein Herd, der ohne Brennstoffe auskommt, ein leistungsstarkes Kochgerät, das reine Sonnenenergie nutzt. Der Solarkocher oder die Solarkochkiste, wie sie auch genannt wird, besteht im wesentlichen aus einer isolierten Kiste mit einem Fenster, durch das Sonnenstrahlung eindringen kann. Boden und Wände sind mit Folie, beispielsweise schwarzer Offsetfolie, oder dunklem Blech verkleidet. Ein über dem Deckel angebrachter Parabolspiegel reflektiert die einfallende Sonnenstrahlung ins Kisteninnere. Der lichtdurchlässige Deckel lässt Sonnenstrahlung in die Solarkochkiste hinein, aber keine Wärmestrahlung hinaus. In der Kiste sammelt sich so genügend Wärmeenergie, um eine schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten.

Umweltfreundliche Alternative

Ein Solarkocher erreicht problemlos eine Leistung von über 700 Watt und Temperaturen von über 100 Grad. Ausgereiftere Modelle kommen heutzutage auf bis zu 160 Grad. Das macht die Solarkochkiste zu einer effektiven und zudem kostengünstigen und umweltfreundlichen Alternative zu offenen Herdfeuern, aber auch zu herkömmlichen Gas- und Elektroherden.

Die Idee der Solarkochkiste ist nicht neu. Schon 1767 erfand Horace Bénédict de Saussure dieses ökologisch ausgewiefte Kochgerät. M.K. Gash baute 1945 einen als Gash-Cooker bekannten Solarkocher mit einfachem Reflektor. Ab den 70er Jahren begann eine strärkere Verbreitung der Solarkocher. In den 80er Jahren entstanden verschiedene Modelle, die sich an den jeweiligen Klimabedingungen der Einsatzregionen, aber auch der vorhandenen Baumaterialien und Kochgewohnheiten orientierten.

Heute wird vielerorts der Einsatz von Solarkochern forciert. Der Förderverein für Solarkocher (FSK)  etwa ist in mehreren Projekten engagiert, die die Verbreitung von Solarkochern in infrastrukturell mangelhaft ausgestatteten Regionen vorantreiben. Die afrikanische Sahel-Zone und andere Wüstenregionen, beispielsweise der Norden Malis oder der Tschad, sind durch die stetige Abholzung von Desertifikation, also Verwüstung, bedroht. In vielen Ballungszentren steigen die Holzpreise. Auch Gas ist teuer. Hier findet die Solarkochkiste ideale Einsatzbedingungen, denn Sonnenenergie ist zu Genüge vorhanden.

Vorteile von Solarkochern

Eine Solarkochkiste hat sich schnell armortisiert und leistet dauerhaft gute Dienste. Die Vorteile liegen auf der Hand: Solarkocher schonen die Umwelt und die Gesundheit noch dazu. Sie sparen Brennmaterial und der Betrieb ist quasi gratis. Auch angekohltes Gemüse und verklebte Herdplatten gehören der Vergangenheit an, denn im Solarkocher kann nichts anbrennen oder überkochen. Und natürlich werden die Abholzung bedroher Wälder verlangsamt und die CO2-Emissionen verringert. Vor allem in wirtschaftlich ärmeren Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung können Solarkocher eine wirkliche Überlebenshilfe sein, für Menschen wie für die Umwelt. Eine etwas längere Kochzeit nimmt man dafür vielleicht schon mal in Kauf.

Wer es einmal ausprobieren und sich eine Solarkochkiste selber bauen möchte, findet hier eine Anleitung.

Josephin Lehnert

1 Kommentar

  • Erstaunlich, dass solche Solarkochkisten propagiert werden – doch wenn ich mal bei Ebay (de) oder Amazon reinschaue gibt es kein einziges Stück da zu kaufen
    Ist das nur ein Fake oder ein Flop?
    Selber machen ist ja gut und recht, doch die meisten werden dies kaum machen, einerseits weil sie es gar nicht können und andererseits weil wirklich gute Materialien (Reflektor) nur schwer zu beschaffen sind – dazu kommt eine industriell gefertigte Solarkochkiste sogar einiges günstiger hergestellt werden kannn als wenn man sie selber baut!