Tübingen führt Solarpflicht ein

Der Tübiinger OB Boris Palmer. (Bild: de Maddalena/Stadt Tübingen).
Der Tübiinger OB Boris Palmer. (Bild: de Maddalena/Stadt Tübingen).

Als erste Kommune in Deutschland hat Tübingen eine Solarpflicht für praktisch alle neuen Bauvorhaben beschlossen. Die Stadt regelt dies entweder über Kaufverträge oder über Bebauungspläne.

Der Tübinger Gemeinderat hat mit zwei Drittel der Stimmen beschlossen, dass in Zukunft alle Bauherren ihre Neubauten mit einer Photovoltaikanlage bestücken müssen. Die Solarpflicht soll zum einen über entsprechende Vertragsklauseln geregelt werden, wenn die Stadt ein Areal an einen Investor oder an einen Bauherren verkauft. In allen anderen Fällen soll die Errichtung einer Photovoltaikanlage über einen entsprechenden Bebauungsplan vorgeschrieben werden.

 „Die Diskussion verlief sehr sachlich. Am Ende hatten wir zwei Drittel der Stimmen für den Beschluss. Ich bin sehr stolz darauf, wie Stadt und Rat in die Rolle ökologischer Pioniere geschlüpft sind“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. „Im Tübinger Güterbahnhof wurde das Modell erprobt. Alle Bauherren haben die Solarpflicht akzeptiert. Denn Strom vom eigenen Dach ist billiger als aus dem Netz. Jetzt machen wir das in der ganzen Stadt“.

Alternativ Pacht möglich

Wer die neue Anlage nicht selbst finanzieren kann, hat die Möglichkeit, sie über die Stadtwerke zu pachten. So soll den Bauherren die Wahl zwischen Eigentum und Pacht ermöglicht werden. Zudem gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Die PV-Anlage muss nur gebaut werden, wenn dies wirtschaftlich auch vertretbar ist, sprich auf einem total verschatteten Dach gilt die Pflicht nicht. Auch sind Bauherren von der Pflicht ausgenommen, die mittels Solarthermie mindestens 15 Prozent des gesamten Wärme- und Kältebedarfs im Gebäude abdecken.

Photovoltaik ist in der Stadt die billigste und beste Stromquelle. Eine Pflicht, sie zu nutzen, ist zum Vorteil aller. Nötig ist sie trotzdem, denn viele beschäftigen sich damit nicht und lassen die Chance daher aus“, unterstrich OB Palmer.