Totgeglaubte leben länger

Die Eiszeit in der Photovoltaik ist hoffentlich bald vorbei

Die Photovoltaik ist schon viele Male für „tot“ erklärt worden. Aufgrund des rasanten Höhenflugs in den Anfangsjahren waren nicht wenige offenbar davon ausgegangen,  dass sich der Markt auf jenem hohen Niveau weiter entwickeln würde. Als dann die Marktkonsolidierung einsetzte, im Verlauf derer manche Anbieter vom Markt verschwanden und andere ihre Produktion herunterfahren mussten, machte sich in den Medien, der Politik, aber auch in der Branche selbst Totengräberstimmung breit – allerdings zu Unrecht.

Auch wenn sich beispielsweise die Zahl der Solarmodulhersteller in Deutschland laut Statistischem Bundesamt seit Anfang 2012 von 33 auf 13 (Stand Juli 2014) auf ein Drittel reduziert hat und auch die Zahl der Beschäftigten deutlich gesunken ist, so liefert das noch lange keine Grundlage für ein Katastrophenszenario. . Denn tatsächlich klaffen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) stark auseinander: Zählt das Amt nur mehr knapp 3.000 Beschäftigte in der Solarbranche, so gibt der BSW eine Zahl von 60.000 an. Diese gewaltige Diskrepanz  kommt dadurch zustande, dass der BSW die Branche differenzierter betrachtet und in seine Statistik nicht nur Solarmodul- und Solarzellenhersteller mit einbezieht.

Wertschöpfung findet in Europa statt
Denn die Wertschöpfungskette in der Photovoltaik beginnt bei Kleinstkomponenten und geht bis hin zu reinen Dienstleistungsunternehmen und Projektentwicklern. Ob Modulhersteller,  Wechselrichterproduzenten, Distributoren, Installateure oder Maschinenbauern: Sie alle sind ein wichtiger Teil der Branche. Eine aktuelle Studie von Ernst & Young belegt im Übrigen, dass es sich dabei tatsächlich um Wertschöpfung handelt, da 73 Prozent der gesamten europäischen PV auch von heimischen Unternehmen stammt. Darunter fallen bestimmte Produktionsbereiche, aber auch Entwicklung und Service, in denen europäische Unternehmen gegenüber asiatischen Konkurrenten aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung, regionaler Präsenz und fundiertem Know-how  durchaus einen Wettbewerbsvorteil vorweisen können.
Der Verlust des einen ist der Gewinn des anderen

Gerade für die Durchführung von Service-Angeboten vor Ort wie  Wartung und Reparatur von Solaranlagen ist eine solche Basis auch notwendig. Hintergrund: Viele Hersteller und Dienstleister sind heute nicht mehr am Markt zu finden – ihre Solaranlagen hingegen schon. Insgesamt geht man von über zwei Millionen installierter PV-Anlagen allein in Europa aus. Bei einer Laufzeit von über 20 Jahren ergibt sich für die verbliebenen Anbieter ein großes Potential im Servicebereich, denn früher oder später müssen immer wieder einmal Komponenten ausgetausch oder Teile der Anlage repariert werden.  Allein bei Großanlagen geht das Marktforschungsunternehmen GTM Research davon aus, dass sich das Marktvolumen im O&M-Segment (Betrieb und Wartung) bis 2017 verdreifacht.

Nächster Schritt: Netzintegration
Und die Entwicklung bleibt nicht stehen: Inzwischen liegt der Fokus nicht mehr so sehr auf der Erhöhung der Produktionskapazitäten wie in den Anfangszeiten, um ein bestimmtes PV-Marktvolumen zu erreichen. Stattdessen verlagern sich die Forschungsaktivitäten  in Richtung Integration der erneuerbaren Energien. Aufgrund dessen hat man insbesondere in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien große Fortschritte im Bereich der Energiespeicher und Netzintegration erzielt.  

Längerfristig zeichnet sich auch in Europa, ebenso wie in den USA und China, der Trend zu Smart Grids, einer intelligenten Lastenverteilung im Stromnetz, ab, die jedoch noch noch vielen Faktoren abhängig ist. Wenn Europa allerdings weiterhin flexibel bleibt und sich den wandelnden Marktbedingungen anpasst, so wird es auch in Zukunft global wettbewerbsfähig bleiben und damit noch lange die europäische Wertschöpfungskette aufrecht erhalten können – aller politischen und medialen Schwarzmalerei zum Trotz.

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