Sure Chill: Solarkühlschrank für Impfstoffe

Collaboration to fight polio in Nigeria

Mehr als 22 Millionen – das ist die Anzahl der Kinder, denen im Jahr 2011 eine Impfung verwehrt blieb. Eine traurige Tatsache, denn nötige Impfstoffe sind eigentlich vorhanden und nicht einmal teuer. Die gute Nachricht ist, dass dank der getätigten Kinderimpfungen jedes Jahr zwei bis drei Millionen Leben gerettet werden. Und es besteht die realistische Möglichkeit, Polio bis zum Jahr 2018 auszurotten.

Um das ehrgeizige Ziel zu bewerkstelligen, konzentrieren sich UNICEF und andere Institutionen mit ihren Kampagnen auf Staaten wie Nigeria – eines der wenigen Länder, in dem die Polio-Erkrankungen noch sehr zahlreich sind.

Erschwert werden die Bemühungen unter anderem durch die abgelegenen Einsatzorte. Denn Lebendimpfstoffe, wie das Serum gegen Polio, müssen bis zuletzt gekühlt werden. Eine Herausforderung für vom Stromnetz abgeschiedene Regionen, in denen der Impfstoff gelagert werden muss.

Solarkühlschrank von Sure Chill

Hier setzt das walisische Unternehmen Sure Chill an, das sich auf die Fertigung innovativer Kühlgeräte spezialisiert hat. Besonders interessant ist der Solarkühlschrank BLF 100 DC, der ohne eine Batterie funktioniert. Dies verringert einen Großteil der Wartungsarbeiten und erhöht die Lebensdauer. Zwischen 200 und 370 Watt an Leistung erzielt die eingesetzte Solarzellengruppe und kann auf diese Weise mit Gas betriebene Anlagen ablösen.

Ian Tansley, der Erfinder von Sure Chill, nutzt die Anomalie des Wassers für das ungewöhnliche System. Denn der Schlüssel liegt in der größten Dichte des Wassers bei einer Temperatur von vier Grad Celsius. Es ist somit kein Zufall, dass das Kühlfach von Wasser umgeben ist. Bei Stromfluss kühlt es sich ab und gefriert an der Oberfläche – denn Wasser, dessen Temperatur unter vier Grad Celsium beträgt, steigt nach oben. Das schwere, vier Grad Celsius kalte Wasser befindet sich am Boden und kühlt den Inhalt der Box.

Wenn das Solarmodul nicht in Benutzung ist, erwärmt sich das Wasser am Boden und steigt nach oben. Das Eis an der Oberfläche schmilzt und sinkt ab. Gemischt ergibt das wieder vier Grad Celsius. Die Temperatur ist genau richtig für die Kühlung der Impfstoffe. Diese dürfen weder zu kalt, noch zu warm gelagert werden. So bleibt die Temperatur des Wassers bei extremen Außentemperaturen konstant. Und das auch ohne den Einsatz der Solarzellen für mindestens sieben Tage. Ein bedeckter Himmel ist demnach mit eingeplant.

 

 

Weiterentwicklung der Anlage

In Vietnam wurde die Anlage für mehrere Monate getestet und daraufhin optimiert. So konnten Probleme, wie die hohe Luftfeuchte im Inneren des Geräts, in den Griff bekommen werden. Inzwischen ist der Kühlschrank auch auf Haiti, in Sierra Leone und anderen Ländern im Einsatz.

Bei internationalen Organisationen kommt die Impfstoff-Kühlbox übrigens gut an: UNICEF sowie die Bill und Melinda Gates Foundation sind überzeugt von der Idee und unterstützen Sure Chill finanziell.

Jenny Lohse

Add comment