SUNdy – Solare Inseln auf dem Meer

SUNdy

Dass die Zeltdachkonstruktion des Münchner Olympiastadions an ein Spinnennetz erinnert, ist kein Zufall. Vielmehr lässt sich die Art des Bauens der organischen Architektur zuordnen. Für die Planung nahm sich der verantwortliche Architekt Frei Otto die Natur zum Vorbild. Aus diesem Grund wurde die Form des Bauwerks dem Material sowie der Funktion angepasst. Das brachte der Konstruktion neben mehr Stabilität auch Materialersparnis ein.

Das Unternehmen DNV Kema hat nun ein futuristisches Kraftwerk entworfen, das zwei Gemeinsamkeiten mit den Seilnetzen über dem Stadion aufweist: Erstens ähnelt es in seiner Größe einem Fußballstadion. Zweitens liegt ihm das Modell eines Spinnennetzes zugrunde. Die Anlage nennt sich ‚SUNdy‘ und soll Solaranlagen seetauglich machen.

Projekt zu schwimmenden Photovoltaikflächen vorgestellt

Ende Oktober dieses Jahres wurde das Konzept auf der Singapor International Energy Week präsentiert. Das Design der Solarinsel wirkt sehr präzise: Die Panele sind in Form eines Hexagons angeordnet und verbunden, um die Struktur so gut wie möglich zu festigen. So strapazierfähig das Netz aus Modulen, so flexibel sind die eingesetzten Solarzellen: Die Erfinder des Entwurfs entschieden sich für leichte 560-Watt-Dünnschichtmodule, da sie die Wellenbewegung besser nachahmen. Für die ganze Konstruktion werden 4.200 Module benötigt, was einer Leistung von zwei Megawatt entspricht. Die Module sollen auf einer biegsamen, schwimmenden Matte sitzen, in der sich ein Wechselrichter befindet.

Um die Plattform nicht zu weit auf das Meer hinaus treiben zu lassen, ist eine Ankervorrichtung mit eingeplant. Als Standort eignet sich die Wasseroberfläche mit einer Gewässertiefe von 20 bis 100 Metern. Um die Schiffahrtswege nicht zu blockieren, sollte die Plattform neun Kilometer von der Küste entfernt sein.

Das Ziel der Erfinder ist die Verbindung mehrerer solcher Anlagen, um 50 Megawatt an Leistung zu bereitzustellen. An die 30.000 Menschen könnten so mit Strom versorgt werden. Befinden sie sich erst auf dem Wasser, müssen die Photovoltaikflächen sehr widerstandsfähig sein. Und ob die geplanten automatischen Wasserfontainen die Module sauber halten, wird sich in der Praxis zeigen.

Idee der Solarinseln ist nicht neu

Bereits einige Jahre zuvor kam das Unternehmen Nolaris auf eine ähnliche Idee: Im Meer treibende Solarkollektoren als Produzenten für Wärme oder Strom. Bisher wurde dieses Konzept nur auf dem Land umgesetzt. Wenn die Landfläche jedoch knapper und teurer für Solarflächen wird, könnte sich der Bau von Solarkollektoren und Photovoltaikflächen auf dem Meer lohnen.

Die Integration des Bauwerks in der Landschaft ist auch ein Merkmal der organischen Architektur. Dabei wirken die künstlichen Inseln wie ein Fremdkörper im Meer. Jedoch wird es in dieser Größenordnung kaum möglich sein, ein naturnahes Konzept zu finden.

Jenny Lohse

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