Studie: 2030 europaweit 12 Prozent Solarstrom

Vor allem Firmen und Privathaushalte werden laut Studie künftig verstärkt in Solaranlagen investieren.
Vor allem Firmen und Privathaushalte werden laut Studie künftig verstärkt in Solaranlagen investieren.

Laut einer neuen Studie wird die Solarenergie künftig weltweit immer stärker an Bedeutung gewinnen. So könnte im Jahr 2030 in Europa 12 Prozent des Strombedarfs mit Photovoltaik gedeckt werden. Die Solarenergie wird die globale Energiewirtschaft in den kommenden Jahren deutlich verändern, und einen ähnliche Boom erleben, wie das Schiefergas-Fracking in den USA seit einigen Jahren, prognostizieren die Studienautoren. Ihnen zufolge könnte die Photovoltaik in Zukunft sogar zu einer der wichtigen Stromquellen überhaupt werden. Das wird vor allem die Energieversorger vor große Herausforderungen stellen.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Solarindustrie grundlegend gewandelt. Was zunächst als ein kleiner Nischenmarkt begann, hat sich mittlerweile in vielen Regionen der Erde zu der am meisten genutzten regenerativen Energieform entwickelt. In der Zeit zwischen 2000 und 2011 war die Photovoltaik der weltweit am schnellsten wachsende Markt im Bereich Erneuerbare Energien. Während global im Jahr 2000 gerade einmal 1.5 Gigawatt installiert waren, sind es mittlerweile mindestens 177 GW. Heute ist die Photovoltaik ein weltweit stabiler Wachstumsmarkt, allein 2014 stieg die globale Kapazität verglichen mit 2013 um etwa 40 Gigawatt. 

Wie die Internationale Energieagentur (IEA) im März mitteilte, war China vergangenes Jahr erneut der größte PV-Markt, wobei das Wachstum jedoch verglichen mit dem Vorjahr etwas geringer ausfiel. Auf dem zweiten Platz lag Japan mit 9,7 Gigawatt, gefolgt von den USA mit 6,2 Gigawatt. Danach folgen die drei größten Photovoltaik-Märkte Europas: Großbritannien mit 2,3 Gigawatt, Deutschland mit 1,9 Gigawatt und Frankreich mit rund einem Gigawatt.

Zwar stagnierte das Wachstum der Branche im vergangenen Jahr verglichen mit den Vorjahren etwas, dennoch prognostizieren viele Experten der Photovoltaik auch für die Zukunft großes Wachstumspotenzial. So auch die Strategie Beratung „Roland Berger Strategy Consultants“. Das Unternehmen hat jetzt anhand einer Studie untersucht, wie sich die Photovoltaik in den nächsten Jahren entwickeln und welchen Einfluss sie auf die globale Energiewirtschaft haben wird. Die Autoren der Studie namens „SOLAR PV could be similar to the shale gas disruption for the utilities industry“, kamen dabei zu dem Ergebnis, dass Solarenergie weltweit eine immer wichtigere Rolle einnehmen wird. Sie sind der Ansicht, die Photovoltaik werde die Energieversorgung auf der ganzen Welt in Zukunft stark verändern und einen ähnlichen Boom erleben, wie derzeit die Schiefergas-Industrie. Insgesamt könne sich die PV in Zukunft sich zu einer der Hauptenenergiequellen der Erde entwickeln, und sich im Zuge dessen auch die Rolle der Energieversorger deutlich wandeln. Daran müssen sich die Konzerne künftig verstärkt anpassen, raten die Studienautoren.

Auch in Europa prognostizieren sie der Solarenergie eine rosige Zukunft. Sie gehen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren immer mehr Privathaushalte und Firmen entscheiden werden, in eine Solaranlage zu investieren. Einer der Hauptgründe dafür: Die Preise in Europa sinken beständig, die Investition wird deshalb immer attraktiver. Vor allem in Deutschland und Italien gibt es der Studie zufolge derzeit besonders günstige Anlagenpreise. Außerdem wird auch die für die Verbraucher positive Preisentwicklung für Solarstrom das Wachstum der Branche in Europa begünstigen. So ist der Solarstrom in Deutschland zur Zeit beispielsweise ganze 17 Centpro Kilowattstunde günstiger als der Einzelhandelsstrompreis. Die Studienautoren glauben, dass die Preise für sowohl Solarstrom als auch Anschaffung und Betrieb der Anlagen auch in Zukunft kontinuierlich weiter sinken werden. Gerade Privathaushalte werden künftig selbst erzeugten Solarstrom als eine günstige Alternative gegenüber herkömmlichem Strom von großen Versorgern sehen, auch aufgrund verbesserter Speichersysteme, so das Ergebnis der Studie.

Dazu sagte Torsten Henzelmann, Partner von Roland Berger Strategy Consultants: „Innovative Technologien wie Batteriespeicher und Hausautomationssysteme werden dazu führen, dass die Eigentümer einen höheren Anteil des günstig erzeugten Solarstroms selbst nutzen werden“. Auch die guten Finanzierungsmöglichkeiten für Solaranlagen haben laut Studie einen positiven Einfluss auf diese Entwicklung, da „ der leichte Zugang zu Finanzierungen und Dienstleistungsangeboten das Interesse der Verbraucher am Kauf einer Photovoltaikanlage steigert.“

In der EU wird der Anteil an Solarstrom am gesamten Strommix im Jahr 2030 laut Studie zwischen 10-14 Prozent liegen. In einigen europäischen Ländern könnte sie dann sogar bis zu 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs decken und sich somit zur wichtigsten Energiequelle überhaupt entwickelt haben. Doch obwohl dieser Markt so schnell wächst, spielen die traditionellen Energieversorger im Bereich der Photovoltaik offenbar immer noch keine große Rolle. Auf sie entfällt in Europa nicht einmal ein Prozent der installierten Kapazität, so das Ergebnis der Studie. Hier müssen die Energiekonzerne dringend aufholen, raten die Autoren:

„Die meisten PV-Anlagen werden immer noch auf Dächern von Häusern und Firmengebäuden installiert“, erläutert Torsten Henzelmann. „Projektentwickler, Investoren, Haushalte und Gewerbetreibende werden so zu einer ernsthaften Konkurrenz für die traditionellen Energieversorger. Diese sollten daher die Marktchancen der Photovoltaik schnell erkennen und für sich nutzen.“

Insgesamt werde das starke Wachstum der Branche die Energielandschaft nachhaltig verändern, auch bzw. gerade die Rolle der Energieversorger. „Versorger müssen sich auf zunehmende Schwankungen des Energiesystems, den Verlust von Erzeugungsvolumen und niedrigere Preise einstellen. Außerdem werden neue Akteure auf diesem Markt agieren.“ Doch dadurch biete sich auch eine Chance auf ein neues, zukunftsträchtiges Geschäftsfeld zu setzen, so die Studie. Denn konventioneller Strom wird in Zukunft weniger gefragt sein. „Energiekonzerne sollten den Umfang ihrer Erzeugungsanlagen reduzieren und flexibler auf Schwankungen bei Angebot und Nachfrage reagieren“, rät daher Henzelmann. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Versorgungssicherheit: Die starken Leistungsschwankungen der Photovoltaik zwingen Energieanbieter, neue Preismodelle für den Zugang zur Stromversorgung zu entwickeln. Ihre Hauptrolle wird sich daher zunehmend verlagern: von der traditionellen Energielieferung hin zur Abstimmung von Nachfrage und Angebot.

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Versorger werden sich dieser Entwicklung anpassen müssen. Wenn künftig immer mehr Privathaushalte und Firmen auf Solarstrom zur Eigenversorgung setzen, wird es zu wesentlich größeren Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage kommen. Um auf die Schwankungen reagieren zu können, müssen die Versorger Energieerzeugung und -nachfrage optimal aufeinander abstimmen. Dies wird künftig eine Schlüsselrolle spielen, und die Versorger werden dementsprechend Modelle entwickeln müssen, um den Stromhandel von diesen dezentralen Erzeugungsorten zu gewährleisten, so das Fazit der Studie.

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