Solarthermie – die Stiefschwester der Photovoltaik

Etwa die Hälfte der benötigten Endenergie in Deutschland geht für Prozess- und Raumwärme drauf. Noch größer ist dieser Anteil in Wohnhäusern. Doch zumindest wächst die Beteiligung erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung privater Haushalte – vor allem in Form von Brennholz und Holzpellets. Die Solarthermie ist mit einem Prozent in der Wärmebereitstellung der Haushalte vertreten. Ende 2012 entsprach das 1,8 Millionen Solarthermie-Anlagen mit einer thermischen Leistung von 11,5 Gigawatt.

Obwohl der Wärmebedarf einen so großen Teil des Energieverbrauchs einnimmt, wird er für die Energiewende bisher vernachlässigt. In der nachhaltigen Energieversorgung dreht sich meist alles um die Strombereitstellung durch erneuerbare Energien. Kein Wunder also, dass der Begriff ‚Solarenergie‘ oft mit Photovoltaik gleichgesetzt wird. Doch Solarenergie bezieht sich ebenso auf die Solarthermie: Die Gewinnung von Wärme aus der Strahlungsenergie der Sonne.

Bei Solarthermie-Anlagen wandelt ein Absorber in einem Kollektor Sonnenstrahlen in Wärme um. Eine durch den Kollektor zirkulierende spezielle Solarflüssigkeit nimmt die Wärme auf und transportiert sie zu einem Warmwasserspeicher. Im Warmwasserspeicher wird die im Kollektor erzeugte Wärme gespeichert und mittels Wärmetauscher an das Brauchwasser übertragen. Solarthermie kann übrigens auch für die Kühlung von Gebäuden eingesetzt werden.

Vorteile der Solarthermie

Momentan sind die Solaranlagen dazu fähig, 30 Prozent des gesamten Wärmebedarfs im Haushalt abzudecken. Bezogen auf das Trinkwasser kann die Solarthermie jedes Jahr bis zu 65 Prozent des Warmwasserbedarfs bereitstellen. Im Sommer sind hier sogar 100 Prozent möglich. Man spart demnach eine Menge Heizkosten. Zudem werden beinahe 28 Prozent des Stromverbrauchs im Haushalt für Prozesswärme wie Kochen und Waschen verwendet. Die doppelte Energieumwandlung sowie Reduzierung des Wirkungsgrades kann mit der Solarthermie vermieden werden.

Um die Technik bekannter zu machen und mit Vorurteilen aufzuräumen, wurde im letzten Jahr das ‚Bündnis für Solarthermie. Stuttgart‘ gegründet. Denn die Solarthermie besitzt noch mehr verborgene Stärken: Zum einen fällt der Wirkungsgrad der Solarthermie-Anlagen mit 30 bis 50 Prozent höher aus als bei PV-Anlagen. Zum anderen sind die Kosten für die Wartung und den Pumpenstrom sehr gering, wenn die Anlage erst einmal läuft. Und Solarthermie-Anlagen benötigen weniger Platz auf dem Dach als Photovoltaik-Module.

Die Solarthermie kann auch in Kombination mit Photovoltaik-Modulen genutzt werden. Weil die Anschaffungskosten so hoch sind, wird jedoch meist zwischen Solarthermie und Photovoltaik gewählt und nicht beides auf dem Dach installiert.

Kosten und Finanzierung der Solarthermie

Die Solarthermie kann sich während der Betriebszeit nicht mit Fördermitteln wie die der Photovoltaik schmücken. Und da die Wirtschaftlichkeit der Anlage von den Energiepreisen abhängt, ist die Amortisation schwer zu kalkulieren. Je nach Art des Kollektors rentiert sich die Anlage nach acht bis 14 Jahren. Deshalb lohnt sich die Installation, wenn man sowieso schon eine Erneuerung des Heizkessels plant oder die Heizkosten sehr hoch sind.

Geht es um die energetische Amortisation der Solarthermie, sieht die Sache anders aus: Bei der Trinkwassererwärmung ist die eingesetzte Energie schon nach anderthalb Jahren ausgeglichen. Eine Solarthermie-Anlage für Warmwasser und Heizung hat sich energetisch nach zwei bis vier Jahren gelohnt.

Wer sich eine Solarthermie-Anlage zur Trinkwassererwärmung anschaffen will, muss mit Kosten von 4.500 bis 6.000 Euro rechnen. Für Warmwasser und Heizung sind 9.000 bis 13.000 Euro zu zahlen. Zumindest ist die Montage in den Preisen enthalten.

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Auch bei der Solarthermie gibt es Möglichkeiten zur Finanzierungshilfe. So bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau spezielle Kredite an. Diese kann man mit einer weiteren Förderung kombinieren: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle präsentiert spezielle Förderangebote für eine Kombination aus Warmwasserbereitstellung und Heizen. So gibt das Amt 90 Euro für jeden begonnenen Quadratmeter an Kollektoren dazu. Mindestens werden aber 1.500 Euro an Hilfe zur Verfügung gestellt. Solarthermie zur Erwärmung von Trinkwasser hat nur bei großen Anlagen eine Chance auf eine finanzielle Unterstützung.

Ein Ziel der Energiewende bis 2020 ist ein in Gebäuden um 20 Prozent geringerer Wärmeverbrauch gegenüber dem Jahr 2008. Die Solarthermie könnte mit der Einsparung von Heizkosten eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung übernehmen. 

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