Solarer Lawinenschutz

Skigebiet in der Schweiz

Der Standort könnte nicht besser gewählt sein, denn die Bedingungen zur Erzeugung von Solarstrom sind gerade hier optimal. Auf einer Höhe zwischen 1.800 und 2.500 Metern über dem Meeresspiegel ist die Ausbeute der Sonneneinstrahlung 1,5-mal höher als im Mittelland. Auch Schnee als Reflektor der Sonnenstrahlen und nicht zuletzt die Kälte wirken sich äußerst positiv auf den Wirkungsgrad der Solaranlage aus. Kein Wunder also, dass im Skigebiet Bellwald, im Schweizer Kanton Wallis, ein Exempel statuiert wird. Ein Pilotprojekt nutzt die Lawinenverbauungen als „Tragfläche“ für zwei Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 22 Kilowattpeak. Der produzierte Strom soll dann sowohl die Gemeinde, als auch die Sportbahn mit umweltfreundlichem Strom versorgen.

An ein Forschungsprojekt der etwas anderen Art hat sich der Verein EnergieregionGoms in Zusammenarbeit mit der EnAlpin, der Basler Metallbautechnikerschule, der Firma Lauber Iwisa und dem Systemlieferanten Tritec, der gleichzeitig die 60 Module für die Versuchsanlage liefert, gewagt. In der gesamten Schweiz gibt es gut 600 Kilometer Lawinenverbauungen, rund 30 Kilometer könnten dabei zur Produktion von solarem Strom genutzt werden. Optimale Voraussetzungen bietet hierbei auch die „Sonnenterrasse“ des Skigebietes Bellwald inmitten der Waliser Alpen, da es in Südhanglage liegt. Außerdem sind die nötigen elektrischen Leitungen durch das Skigebiet bereits ohnehin vorhanden. Zwei Jahre lang soll der Betrieb der Solaranlage nun getestet werden und zeigen, ob die Solartechnik an Lawinenverbauungen überhaupt relevant ist. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Wirtschaftlichkeit und auf der Machbarkeit einer solchen solaren Nutzung. Vor allem die Kosten für Erstellung und Wartung in Abhängigkeit zur Lebensdauer der einzelnen Modultypen der alpinen Solarstromanlage sollen unter die Lupe genommen werden. Nicht zuletzt werden aber auch die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Anlage ins Visier genommen, etwa mögliche negative Auswirkungen auf Natur und Bewohner, beziehungsweise Touristen.

Die Bellwalder Versuchsanlage, die am 21. Juni 2012 mit einer kleinen Eröffnungsfeier bedacht wurde, ist dabei längst nicht die einzige „umweltfreundliche“ Lösung, mit der die „EnergieregionGoms“ das regionale Konzept verfolgt. Um die lokale Energieversorgung durch erneuerbare Energien zu fördern, wird auf verschiedene Quellen zurückgegriffen. So ist am Nufenpass eine Windkraftanlage ans Netz gegangen, die 800 Haushalte mit sauberem Windstrom versorgt, weitere Windräder sind schon in Planung. In Fiesch sorgen 1.000 Quadratmeter solarbedeckte Dachfläche für „grünen“ Strom und auch die Flüsse und Bäche der Region sollen zur Stromproduktion herangezogen werden. Vier Kleinwasserkraftwerke sind schon in Betrieb, auch hier sind weitere Kraftwerke in der Planung.

Judith Schomaker

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