Solare Beschleunigung im Schnee

Solarskilift

Hochgelegene Bergregionen sind aufgrund ihrer starken Sonneneinstrahlung besonders für die Nutzung von Solarenergie geeignet. Einige Bergrestaurants oder Wetterstationen greifen auch bereits für die Erzeugung des von ihnen verbrauchten Stroms auf diese Ressource zurück. Ein noch vollkommen neues Einsatzgebiet ist jedoch die Verbindung von Skischlepplift und Solarkraftwerk, eine Innovation, die das Skigebiet Tenna in der Schweiz vor genau einem Jahr in Betrieb nahm.

Der erste und bisher einzige komplett solar betriebene Skischlepplift der Welt wurde am 17. Dezember 2011 eingeweiht. Nach 40 Jahren hatte sein Vorgänger ausgedient und so kamen die Betreiber auf die Idee, eine ökologisch nachhaltige Lösung zu finden, die zudem dem Skigebiet einen touristischen Mehrwert verleihen sollte, denn nur so hatte man Hoffnung, die nötige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Die Unterstützung in der Gemeinde war dementsprechend groß – fast jeder Einwohner hat für die Anlage gespendet. So kam zusammen mit öffentlichen Geldern und Zuschüssen von Stiftungen die nötige Summe zusammen. Die Investition für den Solarskilift ist etwa doppelt so hoch wie bei einem traditionellen Modell.

In der Tat ist die umweltfreundliche Beförderungsanlage ein Anziehungspunkt für Touristen. Anstatt die traumhafte Aussicht zu genießen, beobachten die auffahrenden Schneesportler die in der Sonne blitzenden Solarmodule, die mit Hilfe einer über die Liftmasten geführten Seil-Konstruktion, einem sogenannten Solar-Wing-System, direkt über den Skilift montiert wurden. Alle zehn Minuten richten sich die 82 Solarpaneele mittels eines einachsigen Nachführmechanismus automatisch nach dem Sonnenstand aus. So wird nicht nur der Ertrag optimiert, es wird auch verhindert, dass Schnee auf den Modulen liegen bleibt und deren Funktionsweise einschränkt.

Aufgrund ihrer günstigen geographischen Lage, der optimalen Ausrichtung der Solar-Wings mit einer Südneigung von 30 Prozent sowie der automatischen Nachführung ist die Produktion des Schlepplifts nach Schätzungen etwa 20 Prozent höher als die einer herkömmlichen Solar-Dachanlage. So produziert die Wintersport-Anlage etwa 90.000 Kilowattstunden Energie im Jahr, verbraucht aber nur 22.000 Kilowattstunden, denn auch in den Sommermonaten, in denen der Skibetrieb pausiert, wird Strom erzeugt. Die überschüssige Elektrizität wird in das Stromnetz eingespeist.

Für diesen Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit erhielt die Genossenschaft Skilift Tenna im Mai den Schweizer Umweltpreis. Paradoxerweise hatten anfangs örtliche Umweltverbände Widerstand gegen die Anlage geleistet – mit dem Argument, sie passe nicht in das Landschaftsbild.

Franziska Buch

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