Social Business mit Bonergie

Transport einer Solaranlage...

Der Vergabe von Mikrokrediten eilt ein schlechter Ruf voraus. Dabei bekam Muhammad Yunus für die Idee, soziale Probleme wirtschaftlich zu lösen, sogar den Friedensnobelpreis verliehen. Allerdings sind Mikrokredite oft mit sehr hohen Zinsen verbunden, was zu einer enormen Verschuldung führen kann. Denn zusätzlich werden für die Tilgung oft weitere Kredite aufgenommen.

Auch das Münchner Unternehmen Bonergie hat sich dem Konzept der Mikrofinanzierung angenommen. Hier scheint die Idee aber gut zu funktionieren. Vielleicht auch, weil die Kunden ein Produkt abzahlen, anstatt sich Geld zu leihen.

Bonergie bedeutet ‚gute Energie‘ und bezieht sich dabei auf die Sonnenstrahlung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2009 mit dem Ziel gegründet, Westafrika mit Licht, Strom und Wasser zu versorgen. Solarprodukte sind für das Gros der ländlichen Bevölkerung Afrikas einfach zu teuer, in Raten aber oft machbar. Vorbild des Unternehmens ist die Stiftung Solarenergie, die sich auf Äthiopien spezialisiert hat.

Das Angebot des Unternehmens Bonergie umfasst Solarlampen, solare Wasserpumpen und Wasserfilter sowie solarbetriebene Kühlschränke. Das nötige Geld für die Rate von kleinen Geräten liefert die Einsparung der bisherigen Energiekosten: Brennstoffe wie Kerosin, Petroleum und Holzkohle ähneln dem Ratenpreis der Solarprodukte.

Beispielsweise wird für das Modell ST2, ein Solarmodul mit Lampe, umgerechnet neun Euro pro Monat veranschlagt. Bei einem Gesamtpreis von 109 Euro ist die Ratenzahlung nach einem Jahr zu bewältigen. Andere Modelle mit einer Rate von 7,50 Euro pro Monat sind ebenfalls vorhanden. Die Gewinne investiert Bonergie in neue Projekte. Der Investor erhält daher keine Dividende, ganz im Sinne eines Social Business.

Investitionen im Senegal und in Benin

Auf der Suche nach geeigneten Standorten spielte vor allem die Stabilität der Länder eine Rolle. Man einigte sich auf den Senegal. Um die Investoren zu überzeugen, wollten die Gründer von Bonergie die Bedingungen vor Ort überprüfen. So reisten Geschäftsführerin Gabriele Schwarz und ihre Kollegen mit 20 selbst finanzierten Anlagen im Gepäck in den Senegal. Alle Solarlampen konnten schon im ersten Dorf verkauft werden. Das war die Bestätigung für den großen Bedarf an Solarprodukten in der Region.

Noch stellt das Land die Elektrizität vor allem mit Ölwärmekraftwerken bereit. Doch der hohe Ölpreis macht eine Umrüstung in der senegalesischen Energiepolitik notwendig. Wirtschaftliche Unterstützung kommt daher auch von Seiten der Weltbank: In den nächsten fünf Jahren wird sie 85 Millionen Dollar in Senegals Elektrizitätsversorgung investieren.

Ein weiterer Einsatzort von Bonergie ist das Land Benin. Hier muss ein Großteil der Energie importiert werden. Meist handelt es sich dabei um Wasserkraft. Das Interesse an dezentraler Energieversorgung ist groß – bei Bevölkerung und Regierung.

Um den Aufbau und die Wartung der Solarprodukte kümmert sich das Unternehmen selbst. Auch die Anlagen kommen inzwischen aus eigener Produktion.

Seit Sommer 2012 bietet Bonergie auch Genussrechte für Investoren an. Bis Ende Juni 2013 ist eine Beteiligung möglich.

Jenny Lohse

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