Perspektiven in der Photovoltaik

Der fünfte Technologietag Mitteldeutschland 2009 setzte sich am 3. November in Berlin mit dem Thema „Photovoltaik – Herausforderung und Perspektive“ auseinander. Ziel war dabei, die besondere Bedeutung der Photovoltaikindustrie zu unterstreichen und auch die gute Hochschul- und Forschungslandschaft weiter auszubauen.

Die 135 Teilnehmenden setzen sich zusammen aus Vertretern von sechs Netzwerken – wie beispielsweise dem Solarvalley Mitteldeutschland -, 50 Unternehmen, Politik und Wissenschaft.

Als erster Tagungspunkt referiert Herr Schmid von der Citybank über „capital markets perspective“. Lag die Wachstumsrate für die Photovoltaikindustrie 2008 noch bei 111 Prozent, so könnte sie 2009 sogar negativ ausfallen. Der deutsche Markt erholt sich wohl wieder etwas, aber der Einbruch des spanischen Marktes hinterlässt Spuren in den Auftragsbüchern der Unternehmen. Nicht nur hier zegt sich, wie stark internationalisiert die Photovoltaikbranche ist. Ausdrücke wie „scaling-Erhöhung“ statt Kapazitätsausbau und „stuffing“ statt Belegschaft, zeigen, dass sich keiner der Vortragenden mehr verkneifen kann, zumindest einen Anglizismus einzuwerfen.

Es folgt die centrotherm photovoltaics AG, die sich in den letzten 25 Jahren zu einem Anbieter schlüsselfertiger Anlagen entwickelt hat und die eine eigene Produktionskette vom Siliziumreaktor bis zur kristalliner Modulherstellung aufweisen kann. Auch CIGS-Module gehören in ihr Portfolio. 2009 liegt ihr Preis für das gesamte Erzeugungssystem bei vier Euro pro Watt peak, einem Modulwirkungsgrad von 15 Prozent und einem Preis von 0,25 Cent pro Kilowattstunde in Südeuropa. Das Ziel ist dabei, auf einen Systempreis von 2,5 Euro pro Watt peak bei 0,12 Cent pro Kilowattstunde zu kommen. Laut centrotherm ist dieses Ziel sowohl mit kristallinen, wie mit amorphen Modulen möglich. Diese Einschätzung teilen im Verlauf des Tages auch einige andere Rednerinnen und Redner. Generell muss der Wirkungsgrad der kristallinen Module weiter steigen, sowie die Herstellungskosten von Dünnschichtmodulen sinken um Grid Parity zu erreichen.

Aus dem Solarvalley mitteldeutschland hört man noch konkretere Maßnahmen und hier bei fällt zirka 20 Mal das Stichwort „F&E“ (Forschung und Entwicklung). Die Kooperation unterstützt die Photovoltaikunternehmen in Mitteldeutschland, die für 65 Prozent aller Unternehmen in Deutschland stehen, mit Geldern für die Forschung und Entwicklung. Sie vertritt die These, dass sich hinter Aussagen wie „China produziert 40 Prozent billiger als Deutschland“, ungesagte Wahrheiten verstecken. So fehlen hierbei Angaben über die Produktivität: wie viel Prozent der prozessierten Module landen tatsächlich unversehrt bei den Endkunden? Solarvalley setzt auf Forschung, um die Photovoltaik hier zu Lande zu stärken und verfügt dabei über einen Investitionsrahmen von 160 Millionen Euro. Bis 2011 haben sie sich Meilensteine gesetzt, die nicht zu übersehen sein dürften, wenn sie tatsächlich erreicht werden: 30 Prozent Materialeinsparung, 20 Prozent Wirkungsgrad, 30 Jahre Lebensdauer, 40 Promotionen im Jahr und einige weitere. Herr Kappes berichtet stolz über die 1.411 Arbeitsplätze, die Ende 2009 in der „Solarstadt Frankfurt/Oder“ in der Photovoltaikbranche zu finden sind. Der Solarthemenpark, der nicht nur als Austellungsstück, sondern auch als Test und Zertifizierungsgelände dient, wurde als Ort der Ideen benannt.

Schließlich stellt Herr Marsch den Silicon Saxony e.V. vor, der mit über 270 Mitgliedern das Netzwerk der Halbleiterindustrie in Europa darstellt. Sie setzen sich in Arbeitsgemeinschaften mit Themen wie Kostenreduzierung, Recycling und Messtechnik auseinander.

Vor der Pause stellt Herr Dr. Kammradt vom Clean Tech Region Brandenburg seine Arbeit vor und erntet die ersten wirklich kritischen Kommentare: seiner Meinung nach braucht ein zukünftiger Energiemix die „saubere Kohle“, das Kohlenstoffdioxidabscheiden. Ein leidenschaftlicher Einspruch kommt vom wohl ältesten Teilnehmer: „Wir sind die Gegner der Kohleenergie!“ und danach von der wohl jüngsten Teilnehmerin die Ergänzung: „Die Netzkapazitäten machen eine friedliche Koexistenz unmöglich.“ Abschweifend vom Photovoltaikthema kann er mit einer spannenden Neuentwicklung aufwarten: Die erste Hybridwindkraftanlage wird gebaut, in die zur Leistungsglättung ein Wasserstoffspeicher integriert ist.

Herr Küster von Conergy weist noch einmal daraufhin, dass für langlebige Module alle Komponenten aufeinander abgestimmt werden müssen. Vor allem bei Ideen wie mehr Steuerung (zum Beispiel das Maximum-Power-Point-Tracking) direkt in die Dose zu installieren, muss auf Langlebigkeit geachtet werden.

Ein interessantes System stellt Frau Wolters von Masdar PV vor. Im Oktober hat diese junge Firma ihre Produktion in Ichtershausen gestartet, die einmal auf 60 Megawatt peak kommen soll und noch Möglichkeiten zur Vervierfachung hat. In Ichtershausen werden Dünnschichtmodule aus amorphem Silizium hergestellt und das in drei verschiedenen Größen. Die Module sind auf rekordreife 5,7 Quadratmeter ausgelegt mit den Kantenmaßen 2,2 Meter und 2,6 Meter. Zurzeit werden die Module aber in Hälften und Viertel zerschnitten, weil für diese großen, 100 Kilogramm schweren Module keine Nachfrage besteht. Die Materialkosten sind für ein solches Viertelmodul aber 16 Prozent größer.

Insgesamt zeigt die Tagung was für ein Segen die Photovoltaikindustrie für die Neuen Bundesländer bedeutet. Die Kooperation hat zu einer Kompetenzdichte im Bereich Photovoltaikproduktion und -forschung geführt, die auch für die nächste Konferenz spannende Neuentwicklungen erwarten lassen.

Ann-Morla Meyer

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