Neue Zölle und Mindestpreise im globalen Solarhandel

Solarmodul

Die Gesetzgeber der Europäischen Union, USA und Volksrepublik China mischen sich gern in den internationalen Solarmodulmarkt ein. Ob nun indirekt mit der Förderung inländischer Betriebe oder dem direkten Schutz vor ausländischer Konkurrenz.

So zuletzt am 26. Juli: Da beschloss die EU zusammen mit China eine Mengenbegrenzung sowie einen Mindestpreis von 56 Cent pro Watt für importierte chinesische Solarmodule. Dem Beschluss ging die Anschuldigung voraus, China subventioniere seine Photovoltaik Unternehmen unverhältnismäßig.

Zwei Tage zuvor nahm sich China dem Mittel des Strafzolls an und führte höhere Abgaben für amerikanisches und südkoreanisches Polysilizium ein. Dieses wird vor allem zur Herstellung von Photovoltaikmodulen verwendet. Die neue Regelung kann als Reaktion auf US-Einfuhrzölle für chinesische Solarmodule seit November 2012 gewertet werden. Mit diesem Hintergrund war der EU eine Einigung mit China sehr wichtig. Hat sie doch die möglichen Konsequenzen im Hinterkopf: China könnte schließlich ebenso Strafzölle gegen die EU verhängen.

Chinas Revanche für US-Solarzölle

Diese sogenannten Schutzzölle dienen dem Zweck, Unternehmen im eigenen Land zu begünstigen. Das heißt, die importierte Ware wird teurer und das Produkt im Inland erschwinglicher. Der Preisdruck der Unternehmen verringert sich. Das Land der Mitte will das mit Strafzöllen von bis zu 53,3 Prozent auf US-amerikanisches Polysilizium bewerkstelligen.

Aber hilft das den Unternehmen der Volksrepublik wirklich? Klar ist, dass Strafzölle den Polysilizium Preis anheben, was vor allem kleineren chinesischen Solarfirmen schaden wird. Bisher ist auch nicht zu erwarten, dass Polysilizium dank der Strafzölle in China einen Boom erlebt. Dafür sind die Kosten zur Produktion zu hoch. Zudem gibt es noch immer ein Überangebot des Halbmetalls aufgrund der geringen Nachfrage sowie intensiven Produktion.

Kompromiss zwischen EU und China erhöht Modulpreise

Mit der vorläufigen Einführung von EU-Strafzöllen gegen Chinas Solarmodule im Juni dieses Jahres sind die Preise für kristalline Solarmodule aus China in Europa gestiegen. Nach dem Marktforschungsunternehmen IHS ist eine weitere Erhöhung in Sicht. So auch durch den jetzt festgelegten Mindestpreis auf importierte Solarmodule. Um weiter bestehen zu können, werden große Photovoltaikunternehmen Chinas sicherlich den zweistufigen Vertrieb in Europa vergrößern und direkt an den Installateur liefern.

Kleinere Unternehmen im Land der Mitte werden es dagegen schwer haben, mit den Mindestpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade diese Betriebe haben Europa bisher mit Solarmodulen beliefert. So ist zumindest kurzfristig mit einem Lieferantenengpass zu rechnen.

Die höheren Preise und Kürzungen der Solarförderung in Europa verringern die Nachfrage von Solarmodulen hierzulande. Vor der Einführung des EU-Strafzolls konnte die Finanzlücke noch mit preiswerteren Modulen aus China geschlossen werden.

Andere Länder außerhalb Europas profitieren dagegen noch von den preiswerten Solarmodulen. So geht das IHS für dieses Jahr auch von einer weltweiten Neuinstallation der Photovoltaik aus, die den Markt um zwölf Prozent wachsen lässt.

Jenny Lohse

Add comment