Mit Sonnenenergie zu sauberem Trinkwasser

SuMeWa

Dass Photovoltaik auch dazu genutzt werden kann, Menschen in ländlichen Entwicklungsregionen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, zeigt ein Projekt, das an der Universität Kassel entstanden ist.

Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren haben nach Angaben der UN auch heute noch weltweit 780 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die meisten von ihnen leben im ländlichen Raum und sind auf die direkte Wasserentnahme aus Flüssen, Seen oder Brunnen angewiesen. In diesem unbehandelten Wasser können jedoch Krankheitskeime enthalten sein.

Die Zugabe von Chlor ist eine effektive Methode der Desinfektion, doch für ländliche Regionen von Entwicklungsländern war sie wegen mangelnder Infrastruktur bislang oft nicht umzusetzen. Daher wurde, initiiert vom Kasseler Uni-Professor Dr. Jürgen Schmid, seit dem Jahr 2000 am Institut für Rationelle Energienutzung erforscht, wie eine Wasseraufbereitungsanlage aussehen müsste, die in der Lage wäre, energieautark und möglichst wartungsarm zu arbeiten.

Nach längerer Entwicklungszeit waren schließlich verschiedene Verfahren der Wasseraufbereitung sowie der regenerativen Energietechnik so geschickt miteinander verzahnt worden, dass eine ideale Anlage entstanden war und 2009 ihre Marktreife erlangte.

Die Anlage macht sich das Prinzip der Chlorelektrolyse zunutze: mit Hilfe der eingebauten Elektrolysezelle wird das benötigte Chlor direkt aus den im Wasser vorhandenen Salzen produziert. Ein Durchfluss-Sensor überwacht dabei permanent die Wasserqualität, so dass die Chlorproduktion jederzeit angepasst werden kann. Autark wird die Anlage aber erst dadurch, dass der benötigte Strom via Solarmodule gewonnen wird. Daher firmiert die Anlage nun auch unter dem Namen SuMeWa (Sun Meets Water).

Die Anlage kann pro Stunde rund 400 Liter trinkbares Wasser herstellen, das anschließend auch bedenkenlos gespeichert werden kann. Sie besteht aus extrem robusten Komponenten, kann von technisch ungeschulten Personen betrieben werden und muss lediglich ab und an mit einer Bürste und Zitronensäure gereinigt werden. Nachdem die Pilotanlage in Brasilien installiert worden war, besteht heute bereits in fünf weiteren Ländern diese Möglichkeit der dezentralen Trinkwasseraufbereitung.

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Aus dem einstigen Uni-Projekt ist inzwischen eine eigenständige Firma geworden, die Autarcon GmbH. 2011 wurde sie für ihr wegweisendes Produkt mit dem Intersolar-Award im Bereich Photovoltaik ausgezeichnet.

Zwar sind die Investitionskosten für eine solche Anlage (noch) recht hoch, doch fallen dagegen so gut wie keine Wartungskosten an. Dies könnte auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) überzeugt haben. Mit ihrer Unterstützung soll im Herbst auch in Laos eine Anlage in Betrieb genommen werden.

Birte Moritz

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