Mieter nutzen Solarstrom direkt vom Dach und jenseits der Einspeisevergütung

Berlin Energiewende

Die dezentrale, erneuerbare Energietechnik setzt sich durch. Sie ist auch das Steckenpferd der Engynious Gesellschaft. Das Unternehmen installierte schon im letzten Jahr Photovoltaikanlagen auf Gebäuden von Mietwohnungen. Für das Projekt kooperiert es mit den Stadtwerken Bitterfeld-Wolfen, der Wohnungs- und Baugesellschaft Wolfen sowie deren willigen Bewohnern. Diese zahlen ihren Strom an Engynious, wobei der Strompreis des lokalen Energieversorgers und die Herstellungskosten des Solarstroms den Preis bestimmen.

Jeder beteiligte Mieter erhält einen Zähler, um das Verhältnis aus genutztem Photovoltaik- und Netzstrom zu ermitteln. Der unabhängige Stromanbieter kann somit ohne Hilfe des Netzbetreibers agieren und den Kunden versorgen.

Solarstromprojekte in Baden-Württemberg

Ausgerechnet das japanische Unternehmen Toshiba beteiligt sich nun ebenfalls an der Post-EEG-Ära. Dabei präsentiert sich der Technologiekonzern keinesfalls als Wegbereiter für erneuerbare Energien. Erst Ende letzten Jahres kaufte er 50 Prozent des britischen Atomenergie-Konsortiums NuGen. Doch inzwischen stattet der Hersteller von elektrischen und elektronischen Geräten auch Dächer moderner Mietshäuser mit PV-Anlagen aus. Der Solarstrom wird – unabhängig vom Einspeisegesetz – direkt an die Mieter verkauft. Hindern Wolken oder der Nachteinbruch die Dachanlagen an der Stromproduktion, kauft Toshiba zusätzliche Elektrizität an der Börse. Die Mieter beziehen somit keinen 100-prozentigen Ökostrom.

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Ab März 2014 stehen für 750 Wohnungen in Villingen-Schwenningen und Ostfildern in Baden-Württemberg drei Megawatt an Solarleistung zur Verfügung. Toshiba kooperiert für das Pilotprojekt mit der Wohnungsbaugesellschaft Gagfah. Diese kümmert sich dann um den Betrieb der zehn- bis 30-Kilowatt-Anlagen auf den Dächern ihrer Häuser. Verschiedene Hersteller liefern die Photovoltaikmodule, darunter auch Solarworld.

Hält das Projekt, was es verspricht, will das Unternehmen sein Konzept auf ganz Deutschland ausweiten und die Leistung bis zum Jahr 2016 auf 100 Megawatt steigern. Toshibas Bestreben ist es, mit der Investition in dezentrale Solarenergie seine Regelelektronik zu vermarkten. Auf lange Sicht sollen diese Managementsysteme den Mietern zur vollkommen netzunabhängigen Stromnutzung verhelfen.

Lichtblick versorgt Mietwohnungen mit Photovoltaik

Ein ähnliches Projekt mit dem Mieter im Blickfeld wird gerade in Berlin verwirklicht: Der Ökostromanbieter Lichtblick nennt sein Angebot ganz passend ‚ZuhauseStrom‘. Rund 1,91 Megawattpeak leistet die Solaranlage auf den 50 Wohngebäuden und kann beinahe die Hälfte der von den Mietern benötigten Elektrizität liefern.

Der Photovoltaikbetreiber p-vb vermarktet den Strom für die 3.000 Mietwohnungen. Reicht die Energie aus den Solaranlagen auf den Dächern nicht aus, aktiviert Lichtblick das Netz für seinen ‚ordinären‘ Ökostrom. Die monatliche Grundgebühr für den ZuhauseStrom beträgt 8,95 Euro, der Preis für den Strom 24,75 Cent pro Kilowattstunde.

Die dezentrale Stromversorgung der Mieter ist ein Beweis für den Erfolg regenerativer Energietechnik. Es zeigt auch, dass erneuerbare Energien ohne finanzielle Förderung wirtschaftlich sind. Denn der angebotene Strompreis ist geringer als der des lokalen Stromversorgers. Somit können mehr Verbraucher als früher von den Solaranlagen profitieren. Zudem ist das Netz durch das direkte Zusammenspiel von Verbrauch und Produktion ausgeglichener.

Es bleibt die Frage, ob sich das Angebot durch die EEG-Umlage verteuert. Denn die Mieter zahlen nach dem EEG-Eckpunktepapier der Bundesregierung bald eine reduzierte Umlage für Solarstrom vom Dach. Lichtblick steht dem Reformpapier jedoch positiv gegenüber.

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