Luftreinigende Pflastersteine

Die Verschmutzung der Luft durch Abgase verschiedenster Art stellt eine große Umweltbelastung dar. Eine ungewöhnliche, aber sehr interessante Möglichkeit die schädlichen Abgase zu reduzieren ist die Reinigung der Luft durch spezielle Pflastersteine. Zukunftsmusik? Keineswegs!

Die Pflastersteine der besonderen Art gibt es bereits (wir haben darüber berichtet) und einige südliche Länder – wie beispielsweise Italien – haben sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Die Funktionsweise beruht auf der katalytischen Wirkung des Stoffes Titanoxid, der den Steinen beigefügt wird. In der Verbindung mit ausreichendem Sonnenlicht wandelt Titanoxid die hochgiftigen Stickoxide in harmloseres Nitrat um, das dann vom Regenwasser einfach weggespült werden kann.

Obwohl die umweltverbessernden Pflastersteine im großen Ausmaß bisher nur in sonnigen Ländern verwendet werden, ist das Prinzip in optimierter Form durchaus auch für mitteleuropäische Staaten wie Deutschland interessant. In dreijähriger Entwicklungsarbeit ist es dem Unternehmen FCN nämlich gelungen, die Titanoxid-Pflastersteine durch einen abgeänderten Mischvorgang derartig zu modifizieren, dass sie auch mit weniger Sonnenlicht effektiv arbeiten.

Die verbesserten AirClean-Pflastersteine entfalten ihre katalytische Wirkung durch Titandioxid (TiO2), ein mehlartiges Pulver, das der obersten Schicht der Pflastersteine beigefügt wird. Der luftreinigende Effekt der getunten Steine wurde auch wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen. So lassen sich nach Messungen des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) mit den AirClean-Steinen Stickstoffdioxide aus den Abgasen um rund 25 Prozent vermindern, bei Windstille und besonders sonnigen Tagen sind sogar Verbesserungen bis 70 Prozent möglich. Auch der gemessene Nitrat-Höchstwert beträgt mit fünf Milligramm pro Liter nur ein Zehntel des erlaubten Grenzwertes für Grundwasser.

Offen bleibt allerdings die Frage, ob der AirClean-Straßenbelag bei der nicht gerade geringen Alltagsbelastung auch in 15 Jahren noch effektiv arbeiten wird, denn dazu fehlen logischerweise noch Langzeitstudien. Erste öffentlich Räume, die schon mit den – rund fünf Euro pro Quadratmeter teureren – Pflastersteinen ausgestattet wurden, sind die Petersberger Straße in Fulda und der Gothaer Platz in Erfurt. Wer sich die Titandioxid-Steine dort einmal in Natura ansehen will, wird aber eventuell etwas enttäuscht sein, denn diese sehen doch tatsächlich aus wie ganz normale Pflastersteine…

Matthias Schaffer

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