Mobilmachung für das Solarzeitalter

Die Zeichen, die im März dieses Jahres auf Asiens größter Solarmesse, der PV Expo im Messezentrum „Tokyo Big Sight“, zu bemerken waren, ließen nur einen Schluss zu: Japan schickt sich an, in die Topliga der Solarzellenhersteller zurück zu kehren, nachdem es die Marktführerschaft erst an Deutschland und dann an die USA und an China verloren hatte.

Allerorten, ob bei den traditionellen Hersteller oder den Newcomern im Solarzellengeschäft, wurde merklich aufgerüstet: Panasonic kündigte an, durch den Kauf von Sanyo mittelfristig unter die Top 3 der Solarzellenhersteller der Welt vorzustoßen. Sharp will so schnell wie möglich seine Produktionskapazität auf über ein Gigawatt ausbauen. Auch Kyocera verkündete, bis 2012 in produktionstechnischer Hinsicht die ein-Gigawatt-Grenze zu durchbrechen.

Und Mitsubishi Electric ließ verlauten, in den kommenden zwei Jahren seinen Zellenausstoß auf 600 Megawatt zu verdreifachen. Zu guter Letzt versprach Showa Shell, unter dem Namen Solar Frontier, 2011 das größte Dünnschichtsolarzellenwerk der Welt mit 900 Megawatt Jahresproduktion zu eröffnen und sich damit einen Weltmarktanteil von zehn Prozent zu sichern.

Doch was bedeutet dieser Trend für die deutsche Solarindustrie? Die Voraussetzungen scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich positiv: Die Einspeisetarife werden hierzulande gesenkt und wenn man den Worten einiger Politiker glaubt, sind sowieso die Chinesen und ihre preiswert hergestellten Solarmodule daran Schuld, dass ein deutsches Vorzeigeunternehmen wie beispielweise Q-Cells zurzeit rote Zahlen schreibt.

In Wirklichkeit machen die Modulkosten aber nur rund 50 Prozent des Kaufpreises aus, der Rest geht an die Handwerker. Und dass die Lohnkosten in China nun einmal niedriger sind als in Deutschland, ist kein wettbewerbstechnisches, sondern eher ein strukturelles Problem.

Die Expansion chinesischer Hersteller ist im Gegenteil ein Segen für Deutschland, denn die Asiaten kaufen ihre Produktionsanlagen oft bei deutschen Maschinenbauern. Außerdem sieht es wohl so aus, dass die Chinesen bis auf weiteres auf Siliziumzellen und nicht auf organische und andere Dünnschichttechniken setzen werden. Das verspricht auch in Zukunft volle Auftragsbücher für deutsche Solarfirmen.

Europa sollte seine Ambitionen auf dem Solarmarkt eher an Asien ausrichten, anstatt im Jammertal zu verschwinden. Die Japaner, die neben hohen Kosten auch noch unter dem Höhenflug des Yen-Kurses leiden, haben die Herausforderung jedenfalls schon angenommen.

Daniel Seemann

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