Erstes Solarturmkraftwerk im Norden Afrikas geplant

Solarturm

Das Erhitzen eines Wärmeträgers mit Hilfe von Parabolrinnen ist die bekannteste Form der Solarthermie im großen Maßstab. Gewölbte Spiegel sorgen für das Bündeln des Sonnenlichtes, um die Strahlen auf eine Rohrleitung zu lenken.

Der Solarturm arbeitet mit einem ähnlichen Prinzip. Auch hier fokussieren Spiegel das Licht auf einen Wärmetauscher. Nur befindet sich dieser eben an einem Turm. Bisher ist die Entwicklung der Solartürme noch nicht so weit voran geschritten wie andere Solarthermiesysteme. Daher handelt es sich auch um das erste Turmkraftwerk Nordafrikas, das in Boughezoul in Algerien entstehen wird. Mit dieser Technologie lassen sich höhere Temperaturen erzielen als mit einem Parabolrinnenkraftwerk.

Funktionsweise des geplanten Turmkraftwerkes in Algerien

Der hohe Wirkunsgrad ist dem sogenannten High Temperature Receiver zu verdanken. Mit seinem wabenförmigen Aufbau fängt er die Strahlung ein, die innerhalb der Struktur immer wieder reflektiert wird. Für die Anlage in Algerien wird die Umgebungsluft als Wärmeträger dienen. Sie strömt durch die Kühlkanäle des Receivers und erwärmt sich auf rund 700 Grad Celsius. Damit verhindert die Luft auch die Zerstörung des Empfängers, der sich sonst zu stark erhitzen würde. Die heiße Luft lässt anschließend Wasser verdampfen, um eine Turbine anzutreiben.

Das Kraftwerk wird rund sieben Megawatt an Leistung aufbringen. Für die Nacht soll aber Erdgas den Betrieb der Anlage sichern.

Hintergrund des Solarturm Projektes

Da Algerien zu 86 Prozent in der Sahara liegt, verbirgt sich hier ein großes Potential für die Solarthermie. Zur Zeit sind in Algerien Gas, Öl und Wasser in der Bereitstellung von Elektrizität vorherrschend. Zukünftig will sich das Land jedoch verstärkt auf erneuerbare Energien konzentrieren. Bis zum Jahr 2016 hat die dortige Regierung vor, 20 Milliarden Euro in die Stromversorgung zu investieren.

Die Technologie des High Temperatur Receivers für Algerien kommt aus Deutschland. Beteiligt an dem Projekt ist das Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt. Mit einem Solarturm, der seit dem Jahr 2009 in Jülich steht, experimentieren Forscher für den Export. Denn in Deutschland selbst gibt es zu wenig Sonne für den Einsatz der Solartürme. Und langfristig gesehen sollen die Investitionen in Nordafrika Energie nach Europa bringen.

Turmkraftwerke wurden schon in den 90er Jahren für die Umwandlung der Sonnenenergie genutzt. Später sanken die Preise für Erdöl und Kohle. Aus wirtschaftlicher Sicht waren die Solarkraftwerke somit nicht mehr sonderlich attraktiv. Bekanntlich ist diese Zeit inzwischen vorbei. Und auch das amerikanische Turmkraftwerk ‚Solar Two‚, das 1996 in der Mojave Wüste gebaut wurde, erlebt eine Renaissance.

Jenny Lohse

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