Energiewende 2.0: Neue Lösungen für Privathaushalte

Ausgereifte Solarkollektoren, leistungsfähige Photovoltaik-module, effiziente Wechselrichter sowie intelligente Software-Lösungen – auch in diesem Jahr präsentierten erneut mehr als 1.300 Aussteller ihre Produkte, Lösungen und Dienstleistungen auf der Intersolar Europe, der weltweit größten Fachmesse der Solarwirtschaft.

Im Mittelpunkt der Messe, die vom 19. bis 21. Juni auf dem Gelände der Messe München stattfand, standen allerdings Energiespeicher, für die es auch zum ersten Mal einen eigenen Ausstellungsbereich gab.

Bisher waren Investitionen in PV-Anlagen hauptsächlich durch wirtschaftliche Anreize aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das eine Einspeisevergütung für Solarstrom über 20 Jahre hinweg garantiert, getrieben. Doch sinkende Modulpreise und Vergütungssätze sowie steigende Stromtarife führen dazu, dass sich der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Sonnenstrom immer mehr lohnt – sowohl für den Privathaushalt als auch für Unternehmen.

Diesen Trend hat beispielsweise auch die Firma juwi erkannt und bietet neben der Projektierung, Installation und Betriebsführung von Solaranlagen nun unter anderem auch ein eigenes Speichersystem für Eigenheimbesitzer an. Die Nachfrage nach dem System sei groß. Im Mittelpunkt dabei stehe allerdings weniger die Wirtschaftlichkeit der Anlage als vielmehr der Wunsch der Kunden, sich unabhängig von den Stromanbietern zu machen, konstatierte Kerstin Kranich, die bei juwi für den Vertrieb des Speichersystems zuständig ist, vergangene Woche auf der Intersolar.

Stromspeicher

Die Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren, die juwi vertreibt, sind in verschiedenen Größen mit Kapazitäten von 4,6 bis 41 Kilowattstunden erhältlich. Ihre Laufzeit beträgt 20 Jahre (5.000 Füllungen bei 250 Füllungen pro Jahr), ihre Garantie beläuft sich auf sieben Jahre. Wenn die Akkus ausgedient haben, nimmt der Hersteller (nicht juwi) sie zurück und recycelt sie.

Interessant an dem System ist, dass Akku und Wechselrichter kompakt in einem Schrank verstaut sind und das System sich über eine App bei Bedarf regeln lässt. So ist es zum Beispiel möglich, mit Hilfe eines Smartphone bis zu drei Haushaltsgeräte fernzusteuern.

Ein ähnliches System wurde auf der Messe von der Firma Prosol Invest vorgestellt. Auch für ihre „Sonnenbatterie“ gibt es eine App und das System lässt sich sowohl in bestehende als auch neue PV- oder sonstige Stromerzeugungsanlagen integrieren.

Plug-In-Solaranlagen

Einen etwas anderen Weg dagegen geht die Firma Sun Invention. Sie bietet sogenannte „Plug & Save-Solarsysteme“, bestehend aus einem PV-Modul, einer Batterie und einem Wechselrichter, an. Egal ob Eigenheimbesitzer oder Mieter – mit dem System, das sich leicht auf dem Balkon, der Garage an der Fassade oder einfach im Garten anbringen lässt, lässt sich über einen gewöhnlichen Netzstecker der produzierten Solarstrom direkt ins Haushaltsnetz einspeisen. Das Resultat: Der Stromzähler dreht sich langsamer oder kommt, wenn die Sonne besonders stark scheint, zeitweise sogar zum Stillstand.

„Die Energiewende für jeden Bürger weltweit möglich mache“, lautet das Motto des Unternehmens. Daher versucht Sun Invention die Module möglichst erschwinglich anbieten zu können. So ist das auf der Intersolar neu vorgestellte System „Plug & Save Light+“, bestehend aus einem polykristallinen 250-Watt-Solarmodul mit Wechselrichter und Montagesystem – jedoch ohne Batterie – ab 545 Euro erhältlich. „Plug & Save Light“ mit einem monokristallinen 195-Watt-Modul gibt es sogar schon ab 499 Euro. Und wer die Variante mit dem Stromspeicher vorzieht, ist ab 759 Euro dabei.

Tauchsieder

Eine auf den ersten Blick etwas skurril erscheinende Idee, wie Privathaushalte zur Realisierung der Energiewende beitragen können, stellten Forscher der Universität Regensburg auf der Intersolar vor: Firmen, die gegen Bezahlung Überschussstrom abnehmen, leiten diesen an bestimmte Haushalte weiter. Dort wandelt ein im Heizungssystem installierte Tauchsieder den Strom in Wärme um, die wiederum in einem Pufferwärmespeicher gespeichert wird.

Zur Umsetzung des Konzepts gingen die Wissenschaftler eine Kooperation mit der Firma Glood GmbH aus Rosenheim ein, die in Zukunft die Vermarktung des Überschussstromes übernimmt. Ein in der Schaltwarte installierter Algorithmus, der von der Uni Regensburg entwickelter wurde, dient der Stabilisierung des Stromnetzes, indem er für eine optimale Ausnutzung des durch Wind- oder Sonnenenergie entstehenden Überschussstroms sorgt.

Besonders interessant an der Speichertechnologie ist, dass sie nicht nur extrem kostengünstig ist und effizient – die teilnehmenden Haushalte können pro Jahr sogar bis zu 200 Euro an Wärmekosten einsparen. Außerdem fallen für sie keine Investitionskosten an, denn den Einbau der Tauchsieder nimmt die Glood GmbH kostenlos vor.

Fazit

Es ist schön zu sehen, dass die Spannweite der Möglichkeiten für Privathaushalte, an der Energiewende zu partizipieren, immer größer wird. Denn auf diese Weise verliert die Trägheit so mancher Politiker beziehungsweise Stromversorger an Gewicht, wenn es um den Ausbau der erneuerbaren Energien geht.

Die Anschaffung eines Stromspeichers, einer Plug-In-Solaranlage oder eines Tauchsieders ist oft nur ein kleiner Schritt für den einzelnen Haushalt, aber je mehr Haushalte ihn machen, desto größer ist der Schritt in Richtung Energiewende 2.0.

Corinna Lang

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