Die solarbetriebene Hornisse

Die Orientalische Hornisse oder Vespa Orientalis ist als einzige Hornissenart auch in trockenem Wüstenklima anzutreffen. Ihre Heimat ist der Nahe und Mittlere Osten, sowie Südeuropa und sie lebt in unterirdischen Kolonien. Das Außergewöhnliche an dem bis zu 3,5 Zentimeter großen Insekts ist allerdings, dass es über organische Halbleiterzellen Sonnenlicht direkt in Stoffwechselenergie umwandeln kann.

Das Geheimnis dieser einzigartigen Fähigkeit ist in und unter der gelb-braun gemusterten Haut verborgen. Diese ist so strukturiert, dass sie besonders viel Licht einfängt und dieses über Photorezeptoren in Energie umwandelt, die sie sogar speichern kann.

Bei optimalen Temperatur- und Lichtverhältnissen kann die Orientalische Hornisse auf diese Art Spannungen bis zu mehreren hundert Millivolt erzeugen. Da verwundert es auch nicht weiter, dass die Arbeitertiere eines Hornissenvolkes meist in der prallen Mittagshitze am fleißigsten sind. Die gewonnene Energie verwendet das faszinierende Insekt übrigens einerseits um seinen Bewegungsapparat auf Touren zu bringen und andererseits zur Nest- und Brutwärme.

Biologie- und Technikfreaks, die sich für die Funktionsweise der organischen Solarzellen im Detail interessieren, finden ausführliche Informationen in dieser umfangreichen englischsprachigen Veröffentlichung aus „Naturwissenschaften“ des Springer Verlages oder dieser Seminar-Publikation von Frank Kimpel.

Nun könnte man natürlich sagen, dass das alles zwar schön für die orientalische Hornisse ist, aber wir Menschen ja nichts davon haben. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass der Mensch sich schon öfter die Natur als Vorbild für innovative Technologien nahm. Der israelische Wissenschaftler Jacob S. Ishay ist sogar der Meinung, dass heute gängige Photovoltaikzellen in den nächsten Jahrzehnten komplett durch biologische Solarzellen ersetzt werden könnten.

Etwas verstörend erscheint mir allerdings die Versuchsreihe, auf der sich seine Meinung begründet. Der Physiologe von der Sackler School of Medicine in Tel-Aviv schloss dafür nämlich sechs tote Hornissen wie Batterien hintereinander an eine Digitaluhr an und konnte diese damit betreiben. Durchaus faszinierend, aber auch reichlich makaber…

Matthias Schaffer

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