Die klassische Solarförderung steht vor dem Aus

PV

Das Forschungsprojekt „PV-Parity“ untersuchte die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen in elf Ländern Europas. Die internationale Studie kommt zu dem Ergebnis, dass staatliche Förderungen in vielen Ländern eigentlich gar nicht mehr notwendig sind. So erwirtschaftet etwa eine in Deutschland errichtete Solaranlage auch ohne Subventionierung bereits nach einem Jahr erste Gewinne. Die Bundesrepublik könnte sich diese Ausgaben daher längst sparen.

Es geht um die Netzparität.PV-Parity“ nennt sich ein Forschungsprojekt, welches sich explizit mit der Wettbewerbsfähigkeit von Photovoltaikanlagen auseinandersetzt. Nun hat das Konsortium, welches sich aus elf europäischen Partnern zusammensetzt, die aktuellen Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Nutzung der Photovoltaik in elf europäischen Ländern untersucht. Dabei galt es herauszufinden, ab welchem Zeitpunkt Photovoltaikanlagen ohne jegliche finanzielle Unterstützung – also auch ohne klassische Solarförderung – wirtschaftlich rentabel sind.

Die Ergebnisse wurden soeben in Form einer internationalen Studie veröffentlicht, deren Hauptaugenmerk auf der Netzparität liegt. Von einer Netzparität sprechen Experten dann, wenn jene Kosten, welche im Zusammenhang mit der Anschaffung und dem Betrieb einer Photovoltaikanlage entstehen, exakt jenen Kosten entsprechen, welche der dadurch vermiedene Bezug der Elektrizität über das öffentliche Stromnetz mit sich bringen würde. Anders formuliert: Die mithilfe der Photovoltaikanlage erzielten Einkünfte decken die Kosten der Anlage.

Wer braucht überhaupt noch eine Solarförderung? Fest steht, dass große Solarkraftwerke auch in absehbarer Zeit nicht mit herkömmlichen Kraftwerken konkurrieren können. In diesem Sektor der Stromwirtschaft herrscht ein komplett anderes Preis-Kosten-Gefüge. Hinzu kommen technische Unterschiede, die sich auf andere Kraftwerke positiv auswirken.

Ein vollkommen anderes Bild hingegen ergibt sich bei der Untersuchung der Wettbewerbsfähigkeit jener Photovoltaikanlagen, die für den Haus- sowie für den Gewerbebereich konzipiert sind. Hierfür entwickelten die Techniker ein Simulationsprogramm und untersuchten die Konkurrenzfähigkeit der Solarenergie anhand unterschiedlicher Parameter in den einzelnen Regionen Europas.

Hohe Investitionsförderungen, erhöhte Einspeisetarife und die deutlich gesunkenen Anschaffungskosten führen etwa in Deutschland dazu, dass sich die hier errichteten Photovoltaikanlagen bereits innerhalb eines Jahres rentieren. Im Klartext bedeutet dies, dass in der Bundesrepublik jede windschiefe Scheune ein sorgenfreies Leben ermöglicht, solange auf deren Dach einige Photovoltaikmodule installiert sind. Nach zwölf Monaten nämlich erwirtschaften diese Module dessen Besitzer eine risikofreie Rendite für die komplette restliche Lebenszeit der Anlage.

In Österreich wird es voraussichtlich in rund ein bis zwei Jahren so weit sein. Dann wird die Photovoltaik im Haushaltssektor auch in der Alpenrepublik binnen kürzester Zeit ohne staatliche Zuschüsse gewinnbringend. Spanien und Italien hingegen haben diesen Punkt bereits jetzt erreicht. Dort kann die Energiegewinnung aus der Sonne im kleinen Umfang schon heute von Beginn an wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden.

Ein wenig anders hingegen stellt sich die Situation in Frankreich dar. In der Grande Nation sind nicht nur die Strompreise für Endkunden niedriger. Auch höhere Anschaffungskosten für Anlagen im kleinen Stil tragen dort dazu bei, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis sich Solaranlagen auch ohne staatliche Förderungen binnen kürzester Zeit rechnen.

Bye-bye Solarförderung! Es zeigt sich also, dass erhöhte Einspeisetarife oder großzügige Investitionsförderungen schon heute vollkommen an der tatsächlichen Entwicklung der Photovoltaik vorbeizielen. Photovoltaikanlagen für Haushalte und Gewerbebetriebe sind in Italien, Spanien, Deutschland und Österreich bereits jetzt ohne staatliche Förderungen binnen kürzester Zeit für deren Betreiber ein gutes Geschäft.

Experten sind daher davon überzeugt, dass die klassische Solarförderung, wie sie derzeit in vielen Ländern Europas besteht, in absehbarer Zeit nicht mehr existieren wird. Nun sind die Entscheidungsträger der jeweiligen Länder gefordert. Es gilt, neue Wege zu finden und vernünftige Übergangslösungen zu schaffen, um subventionierte Photovoltaikanlagen in sich selbst tragende Investitionen umzuwandeln.

Joachim Kern

Add comment