Der Traum vom Wüstenstrom

Ein neuer Markt zieht immer Abenteurer, Goldwäscher und Phantasten an. Und so verwundert es nicht, wenn auch im Feld der erneuerbaren Energien abenteuerliche Geschichten entstehen, die so klingen, als stammten sie aus einem der Jules-Verne-Romane. Eine solche Geschichte ist das Projekt Desertec: ein kühner Traum, „grünen“ Strom über tausende von Kilometern hinweg von Nordafrika nach Europa zu transportieren.

Dazu Wikipedia: „Das DESERTEC Konzept sieht vor, im Nahen Osten (engl. Middle East) und Nord-Afrika (MENA) mit Hilfe von Solarthermischen Kraftwerken und Windparks die Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben und den sauberen Strom dann mittels HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) in diese Länder und ab 2020 (mit insg. nur 10-15 % Übertragungsverlust bis nach Europa zu leiten.

Hinter dem Projekt steht die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative, die sich für die Übertragung von in Wüstenregionen erzeugtem Solar- und Windstrom nach Europa einsetzt. TREC wurde 2003 vom Club of Rome, dem Hamburger Klimaschutz-Fonds und dem Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet und hat das DESERTEC Konzept entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wissenschaftlich untersucht.“

Ein ehrgeiziger Plan, der den internationalen Schulterschluss, den die Branche so dringend benötigt, zumindest gedanklich einige Schritte nach vorne bringen dürfte. Zu klären wäre jedoch, ob das Konzept auch die Energieversorung der Millionen von Afrikanern einschließt, die momentan noch überhaupt keinen Strom beziehen (siehe auch unseren Beitrag zum Thema Energiearmut). Die Webseite von Desertec äußert sich zu dieser Frage nur indirekt, führt aber einige der Vorteile auf, die ein solches Projekt für die involvierten Entwicklungsländer bringen könnte:

„The current situation is based on exploiting limited resources like gas and oil, but solar energy is practically unlimited and as such, the owners can’t be „exploited“. In the period up to 2050, the MENA Region could become as prosperous as Europe and urgently needs renewables for the generation of electricity and drinking water (considered in the TRANS-CSP study). Saving fossil fuels in the subsidized energy supply of African countries will allow selling the fuels more profitably on the world market. Earnings from export of electricity by using the unused potential of renewable energies. Jobs especially in the construction of solar collectors ==> income ==> building a middle class, instead of the emigration of well-qualified engineers. Consequences of climate change produced by Europe will hurt the MENA region first, so it’s only fair if Europe supports the introduction of renewables in MENA- Technology transfer and development of training programs and studies for renewables in MENA is explicitly promoted by the European side in the framework of the Union for the Mediterranean.“

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