Ausbau der Photovoltaikflächen in Frankreich

Agrar-Solarflächen mit Alpakas

Wie in Deutschland wird bei unseren französischen Nachbarn über die Zukunft des Einspeisetarifs diskutiert. Präsident François Hollande stellte im Herbst letzten Jahres das Mittel zur Finanzierung der Photovoltaik in Frage und ängstigte damit den verbliebenen Rest der Solar-Installateure im Land. Produzierter Solarstrom soll laut Energieminister Philippe Martin zudem vermehrt für den Eigenverbrauch genutzt und nicht ins Netz gespeist werden.

Gleichzeitig will die Regierung Frankreichs ihre Ausbauziele nicht fallen lassen: Zu Beginn des Jahres ist eine Ausschreibung für Photovoltaik-Projekte geplant, die 800 Megawatt an Leistung garantieren. Schätzungen zufolge betrug die gesamte installierte Photovoltaik-Leistung in Frankreich Ende letzten Jahres rund 4.200 Megawatt. Die Kapazität ist im Jahr 2013 um etwas mehr als 800 Megawatt gestiegen.

Photosol nimmt 48 Megawatt-Anlagen in Betrieb

Demnach bleibt die französische Solarbranche zur Zeit nicht ganz auf der Strecke – zumindest nicht wie im Jahr 2011. Denn trotz des Grabens zwischen politischen Zielen und der tatsächlichen Unterstützung existieren einige interessante Projekte in der Grande Nation. Involviert ist das in Paris ansässige Unternehmen Photosol. Die französische Firma wurde im Jahr 2008 gegründet, um die Technik erneuerbarer Energien voranzubringen. Ein aktuelles Projekt von Photosol ist die Inbetriebnahme von vier Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 48 Megawatt.

Nach einem Vergleich verschiedener Modulanbieter entschieden sich die Franzosen für First Solar als Lieferanten. Ursprünglich wollte dieses US-Unternehmen eine Niederlassung in Bordeaux eröffnen. Doch unter den unsicheren Standortbedingungen ließ der Modulhersteller die Eroberung Frankreichs dann doch bleiben. Ganz anders Thomson Energy: Das französische Unternehmen kündigte am 20. Januar an, eine Produktionsstätte für Solarmodule im Département Loire zu eröffnen und dabei vor allem Materialien aus Europa zu verwenden.

Agrar-Solarflächen mit Alpakas

Die betreffenden Module des 48 Megawatt-Projektes werden übrigens nicht auf Dächern, sondern freiem Gelände gebaut. Um einen Nutzungskonflikt zu vermeiden, versucht Photosol die Flächen besser auszulasten: Drei der vier Grundstücke stehen weiterhin als Weidefläche zur Verfügung. Das vierte Gebiet wird von artenreichen Eichenwäldern gesäumt. Um den Wildtieren einen Durchgang zu ermöglichen, bleiben Korridore auf der Freifläche erhalten.

In den Kommunen Marillac und Yvrac will Photosol dieses Jahr ebenfalls eine Freiflächenanlage errichten. Die Grundstückseignerin Isabelle Leydier-Delavallade vermietet ihr Land an die Firma, kümmert sich aber um dessen Instandhaltung. Denn sie ist nebenbei auch die nationale Präsidentin der Alpakazüchter. Wenn das Projekt genehmigt wird, können ihre Alpakas bald unter den Modulen grasen, die für eine Koexistenz von Tier und Technik erhöht aufgebaut werden.

Wegen des zu stark verschmutzten Bodens wird folgende Freiflächenanlage nicht als Weide dienen können: Bei Caen soll bis zum Jahr 2015 ein Photovoltaik-Park entstehen. Es handelt sich dabei um das bisher leistungsstärkste Projekt im städtischen Umfeld in Frankreich. Denn die zukünftigen 35.000 Module wären in der Lage, eine Leistung von zwölf Megawatt bereitzustellen. Nur die Behörden müssen noch ihr Jawort geben.

Bei der Unentschlossenheit der französischen Regierung kann sich der Zeitpunkt der Entscheidung allerdings noch hinziehen. Die französische Solarbranche gibt derweil nicht auf. Getreu dem Motto: Die Photovoltaik ist tot, es lebe die Photovoltaik!

 

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