Solarmodule im Westjordanland vom Abriss bedroht

PV

Im Bergland südlich von Hebron lassen sich bisweilen Solarmodule entdecken, die neben den Behausungen der Palästinenser aufgestellt sind. Eine dezentrale Nutzung der Photovoltaik ist sinnvoll und wo wäre der Einsatz besser geeignet als in den isolierten Dörfern der Palästinenser.

Im Westjordanland haben es sich verschiedene Nichtregierungsorganisationen zur Aufgabe gemacht, die Dörfer mit Elektrizität zu versorgen. So zum Beispiel der spanische Verband Seba, der im Jahr 2009 in Imneizil zwei große Solarmodule installierte. Auch Medico International setzte in einem palästinensischen Dorf zusammen mit der Initiative Comet ME – „Community, Energy and Technology in the middle east“ – ein Photovoltaikprojekt um, das von der deutschen Regierung mitfinanziert wurde.

Dem palästinensischen Nationalplan von 2011 bis 2013 zufolge erreicht die Gesamtleistung installierter Solaranlagen somit eine Leistung von 50 Kilowatt. Auch, wenn diese noch zu gering ist, eine Verbesserung der Lebensqualität ist zu spüren. In 16 Gemeinden mit 1.600 Palästinensern lösen Solarmodule inzwischen Dieselgeneratoren ab. Eben diese waren noch teurer und wurden deshalb nur gelegentlich genutzt. Inzwischen kann das Licht abends angelassen, Käse gekühlt und Maschinen bedient werden. In einer Gesellschaft, die mit Schafherden Geld verdient, bildet der Stromzugang daher die Grundlage für eine zusätzliche Einnahmequelle.

Die partielle Unabhängigkeit dieser Gemeinden wirft jedoch auch Probleme auf. Denn der betroffene Distrikt gehört zum sogenannten C-Gebiet und wird von Israel kontrolliert und verwaltet. Das heißt, für den Bau von Anlagen ist eine Genehmigung erforderlich.

Im September letzten Jahres ließ die israelische Regierung den Abriss der Solaranlagen in Masafer Yatta ankündigen, weil eine Erlaubnis fehlte. Genauso verlief es mit der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung. Abwanderungen sind die Folge. Und dies, obwohl die spanische Organisation Seba beteuert, einen Antrag eingereicht und keine Antwort erhalten zu haben.

Im Dezember 2011 wurde auch für das Projekt in Imneizil ein Stop verhängt, der erste Schritt zum Abbau. Im Januar dieses Jahres folgte die Ankündigung zur Demontage der von Deutschland finanzierten Solarmodule. Aus diesem Grund schaltete sich auch die deutsche Regierung ein, woraufhin der Plan Israels wie die anderen Ankündigungen vorerst auf Eis gelegt wurde. Doch im Februar 2012 gab die israelische Regierung die nächste Anordnung für einen Abriss von vier Solar- und Windräderprojekten bekannt. Mittlerweile sind sechs ländliche Gemeinden und damit 500 Menschen betroffen.

Wie auch immer die israelische Regierung am Ende entscheidet: Potentielle Förderer wollen sicher nicht in unsichere Projekte investieren, die nach dem Bau dem Erdboden gleich gemacht werden könnten.

Während die politische Führung ihre Macht demonstriert, arbeiten Organisationen wie Comet ME und „Rabbis for human rights“ weiter an der Errichtung von Anlagen. Letztere konnte gerichtlich eine Verzögerung des Abbaus erreichen. Und Comet ME nimmt sich trotz allem bis zum Jahr 2013 vor, die ganze südliche Region um Hebron mit Solaranlagen und Windrädern zu versorgen.

Photovoltaik kann in diesem Fall zur Stabilität der Region führen, vorausgesetzt die israelische Regierung lässt dies zu.

Jenny Lohse

Add comment