25th PV SEC – Ein Bericht vom weltgrößten Solarstromkongress

PV SEC

Die 5. Weltkonferenz Photovoltaischer Energiewandlung (WCPEC) fand vom 6. bis zum 10. September in Valencía, Spanien statt. Unter ihrem Dach vereinten sich die 25. Europäische Photovoltaik Konferenz und Ausstellung (EU PVSEC), die 36. US IEEE Photovoltaic Specialists Konferenz und die 20. Asia/Pazifik Photovoltaik Forschungs- und Ingenieurskonferenz. 4.540 Konferenzteilnehmer trafen sich – während sich nebenan 963 Aussteller aus mehr als 100 Ländern 38.000 Besuchern präsentierten -, um sich über die Entwicklungen der Photovoltaik auszutauschen.

Der erste Tag der vereinten Konferenzen der Photovoltaik begann typisch spanisch mit wundervollem Sonnenschein und technischen Problemen bei der Anmeldung. Die Internationalität der Konferenz, die Diversität der Forschungswelt und des industriellen Marktes der Photovoltaik fiel schon im Eingangsbereich bei Ansicht der Pressewand auf. Verschiedenen Fachzeitschriften waren dort nicht nur in Deutsch, Englisch und Spanisch, sondern mittlerweile auch in Italienisch und Chinesisch vertreten. Auch ein indisches Magazin war dabei, das allerdings auf Englisch erscheint.

Mit etwas Verspätung starteten schon vor der offiziellen Eröffnung Vorträge, in denen es um avancierte Technologien, wie zum Beispiel strukturierte Oberflächen, die multispektrales Licht besser einfangen können, ging. Diese Technik ist mittlerweile fast schon ein Standard in der Zellherstellung, während noch vor ein paar Jahren nur einige Hersteller von monokristallinen Zellen ihren Zellen die pyramidenförmige Oberflächenstruktur gaben. Außerdem wurde untersucht wie sich die Konzentratortechnologie in Zukunft entwickeln könnte.

Im Posterbereich, in dem 1.300 wissenschaftliche Arbeiten (genannt „papers“) präsentierten wurden,  wurde das Thema ebenfalls diskutiert. Beispielsweise forscht eine israelische Universität in Zusammenarbeit mit dem ISE Freiburg an der wasserlosen Reinigung von Photovoltaikmodulen durch die Nutzung von elektrischen Feldern. Diese lasse sich, nach Angaben der Forscher, bei Kenntnis der Partikelgröße und des Aufkommens auf einen spezifischen Bereich einstellen. Außerdem gebe es kaum Einbußen in Einstrahlung und Energieverbrauch.

Im Bereich der herkömmlichen kristallinen Zellen dagegen wird mit Nachdruck an sogenannten „Metall-Wrap-Through“-Zellen geforscht, deren Frontseite keine Silberkontakte zum Abtransport des generierten Stromes aufweisen, sondern durch winzige, mit Metall gefüllten Löchern mit der Rückseite verbunden sind. Das reduziert den Anteil der Vorderseite der Zelle, die mit Silberkontakten verschattet ist. Ferner ist die Menge des produzierten hochreinen Siliziums ein Gegenstand der Forschung, sowie ein Alternativprozess zum Siemens-Verfahren.

Neben solchen fast schon traditionellen Forschungen spielten neue Technologien eine große Rolle. Bei den „papers“ waren viele dabei, die sich um Polymerzellen (organische Photovoltaik) und um Besserungen bei der Dünnschichttechnik drehen. Außerdem stellte sich PV Cycle vor, eine Organisation, die nach eigenen Angaben 85 Prozent des europäischen PV-Marktes repräsentiert und sich der Entwicklung eines Recyclingsystems für ausgediente Module verschrieben hat.

Die PV SEC findet mittlerweile jedes Jahr statt und nicht, wie anfangs, jedes zweite Jahr. Kritische Stimmen meinen, dass die Qualität der inhaltlichen Beiträge schon einmal besser war und dass die Konferenz für die Veranstalter WIP große Gewinnsummen einstreichen würde. Kritik muss an einer solchen Stelle auch erlaubt sein, doch die meisten Konferenzteilnehmer wirkten zufrieden und obwohl viele von ihnen miteinander konkurrieren, können sie auch auf der Party ihrer Mitbewerber feiern. Die Photovoltaikbranche hat ein gewisses Zusammenhaltsgefühl, ob der großen preislichen und strukturellen Probleme, die ihrer Branche heute auf dem Energiemarkt begegnet.

Die Ausbauzahlen für die nächsten Jahre sehen allerdings durchaus nicht schlecht aus: Im Jahr 2020 wollen Japan und China Module mit einer Gesamtleistung von über 20 Gigawatt produzieren, die EU sogar 85 Gigawatt und Indien will 2022 soweit sein, die 20 Gigawattmarke zu knacken. Eine Aufholjagd wollen die USA starten. Lagen sie bisher sowohl in der Produktion als auch der Installation weit zurück, wollen sie jedes Jahr 20 Gigawatt mehr als im Vorjahr produzieren.

Es mag ungewöhnlich erscheinen, doch ich möchte mit der Beschreibung der Eröffnungsveranstaltung enden. Sie repräsentierte nicht nur die Hauptkontinente Europa, USA und Asien, sondern auch die verschiedenen wichtigen Bereiche für die Realisation der Energiewende: Politik, Forschung und Industrie plus einen speziellen Gast – Bertrand Piccard, der Pionier des solaren Fliegens, der ein mitreißend motivierendes Plädoyer für die Photovoltaik hielt. Er hat schon einmal die Welt mit einem Ballon umrundet und will es jetzt wieder tun mit einem Flugzeug, das Platz für Pilot und Co-Pilot bietet und nur durch Sonnenenergie in der Luft gehalten wird. Seine Rede zusammenzufassen fällt schwer, doch sinngemäß sagte er folgendes:

„Forschung und Industrie sind bereit für die Energiewende von einer fossilen zu einer nachhaltigen Versorgung. Es braucht Pioniere, die sich trauen, gegen die Dogmen in der Gesellschaft anzugehen, die sich trauen unnötigen Energieverbrauch zu verbieten. Es braucht Politiker und Politikerinnen, die heute unnötigen Ballast abwerfen, wie man es beim Ballonfliegen tun muss: Wir können die Winde, die uns vorwärts bringen, nicht vorhersagen oder beeinflussen. Wir müssen uns trauen den Ballast – Dogmen, Sicherheiten – loszulassen, um nicht mehr schnell in die falsche Richtung zu fliegen, sondern uns heute – wenn auch langsam – in die richtige Richtung aufzumachen. Bei diesen enormen Änderungen, die auf uns zukommen, müssen wir neue Dinge ausprobieren. Es wird Aufschreie geben, doch wir werden stolz sein können, wenn wir unseren Großenkeln in den Museen von morgen die vor langer Zeit ersetzten, energiefressenden Techniken von heute zeigen können und wissen, dass wir damals eine wichtige Änderung mitgetragen haben. Dass wir uns getraut haben in die unsichere, aber wundervolle solare Zukunft zu starten – vom solaren Rollfeld 2010 auf in Richtung Nachhaltigkeit.

Ann-Morla Meyer

Add comment