USA: Trend entgegen Kohle- und Atomkraft

Kohle- und Atomkraft. Auch in den USA langfristig nicht profitabel.
Kohle- und Atomkraft. Auch in den USA langfristig nicht profitabel.

Als Donald Trump letztes Jahr ins Amt kam, versprach er, Amerikas Kohleindustrie wiederzubeleben. Die von Obama verabschiedeten Umweltgesetze wollte er zügig rückgängig machen, aus den Pariser Klimaverträgen wollte er austreten. Amerikas Kohlearbeiter bei Laune zu halten, wird jedoch gar nicht so einfach. Denn auch in den USA wird Kohle zunehmend von günstigeren Alternativen abgehängt. Ähnlich ist es mit der Atomkraft.

„Meine Administration macht dem Krieg gegen die Kohle ein Ende!“ Das tönte Trump Anfang des Jahres während der Unterzeichnung einer Executive Order. Nachdem er seine Unterschrift unter ein Dokument setzte, das ein Klimagesetz Obamas rückgängig machen soll, gab er ein lautes Versprechen in Richtung der Kohleindustrie: „Ihr wisst was das heißt, ihr könnt zurück an die Arbeit!“

Wer das politische System der USA kennt, der weiß allerdings, dass solche Verfügungen manchmal nicht mehr sind, als Tinte auf Papier.

Schon während seines Wahlkampfs schwang sich Trump zum Helden der Kohlearbeiter auf. Die „Coal Regions“ der USA stehen fest hinter ihrem Präsidenten. Ein Großteil ihrer Arbeitsplätze hängt vom Erfolg seiner Politik ab. Zu ihrem Unglück gehen seine Versprechen jedoch gegen jede Wirtschaftslogik. Denn auch in den USA geht der Trend für die Stromerzeugung eindeutig in die Richtung günstigerer Alternativen. Und das nicht nur aufgrund des Fracking-Booms.

Eine Kapazität von mindestens 14,5 Gigawatt Kohlestrom soll bereits noch dieses Jahr abgeschaltet werden. Eine Rekordzahl. Ersetzt wird sie zunehmend von Erdgas, Wind und Solar.

Trend gegen Kohle positiv für Klimaziele

Für die Versorgungswirtschaft ist die Entscheidung eine Leichte; Einfaches Wirtschaftsdenken. Joshua D. Rhodes, Energieexperte an der Universität Austin erklärt:

“Einen Großteil unserer Kohlekraftwerke haben wir vor mehr als 40 Jahren gebaut. Der Unterhalt ist teuer geworden. Viele Betreiber stellen jetzt fest, dass es günstige Alternativen gibt.“

Für die globalen Klimaziele ist das durchaus positiv. Die Abkehr von der Kohle hat die CO2-Emissionen des US-Energiesektors im Vergleich zu 2005 um ganze 27 Prozent gesenkt. Nun kommen die Wahlversprechen des Präsidenten ins Spiel. Denn der nimmt sich nur zu gerne den Wehklagen der Kohleunternehmen an.

Macht Trump ernst?

Am 1. Juni hatte Trump Energieminister Rick Perry beauftragt, „sofortige Schritte“ gegen die fortschreitenden Schließungen von Kohle- und Atomkraftwerken einzuleiten. Hierzu sind interne Mitteilungen an die Medien gelangt. Die Trump-Regierung hat scheinbar vor, drastische Einschnitte für den amerikanischen Elektrizitätsmarkt vorzunehmen.

Trump sorgt sich zurecht. In Teilen des Landes, in denen der Strommarkt dereguliert ist, wetteifern die Energiekonzerne in Stromauktionen um Verkäufe. Das Überangebot an günstigem Erdgas hat nun dafür gesorgt, dass die Preise sinken. Somit sind viele Kohle- und Atomkraftwerke nicht länger profitabel. Das durchgesickerte Memo lässt erahnen, dass das US-Energieministerium erwägt, diesen Trend zu umgehen. In diesem Fall könnte die Regierung Netzbetreiber einfach zwingen, den Strom der unprofitablen Kohle- und Atomkraftwerken über dem Marktpreis zu kaufen. Das wäre ein drastischer Schritt.

Weniger Atomkraft, höhere Emissionen?

Ähnlich wie dem Kohlesektor geht es auch den Atomkraftwerken. Seit 2013 wurden sechs Kraftwerke permanent herunter gefahren. Diese Entwicklung ist für das 2-Grad-Ziel wiederum weniger gut. Atomkraft ist die größte CO2-freie Energiequelle in den USA. Experten warnen deshalb, dass diese Reaktoren durch Energie aus Erdgas ersetzt werden könnten.  Das würde zu einem Anstieg an Emissionen führen.

Das Weiße Haus hat – wenig überraschend – nicht den Klimaschutz als Grund für die Rettung der Nuklearreaktoren genannt. Dies war in der Vergangenheit die Begründung einiger Bundesstaaten (New Jersey, Illinois und New York), die ihre Atommeiler subventioniert hatten. Stattdessen nannte das Weiße Haus (wie schon bei den heftig kritisierten Importzöllen gegen Europa und Kanada)  „die nationale Sicherheit“ als Grund für die Entscheidung.

Eine solche Begründung macht jedoch nur als Krisenvorbeugung Sinn, wie zum Beispiel zur Stärkung der Netzstabilität im Falle von Naturkatastrophen. Das Argument, dass der Verlust von Kohle- und Nuklearkraftwerken das US-Netz weniger sicher machen würde, greift in diesem Fall allerdings nicht.

Konsumenten im Nachteil

Setzt die Regierung ihre Pläne in die Tat um, dann würden vor allem Unternehmen wie FirstEnergy profitieren. FirstEnergy allein besitzt drei Atom- und zwei Kohlekraftwerke, die kurz vor dem Aus stehen – ein Paradebeispiel für den Teil des Energiesektors, der alle Hoffnung in die populistische Politik von Präsident Trump setzt.

Ob Trump diesen Hoffnungen gerecht werden kann, bleibt offen. Die an die Öffentlichkeit geratenen Absichten des Weißen Hauses sind bereits auf großen Widerstand einer breiten Allianz sowohl der Öl- und Gasindustrie als auch vieler Wind- und Solarbetreiber  gestoßen. Sie drohen bereits mit Klagen.

Ein weiteres Problem für Trump wäre, dass die finanzielle Unterstützung der veralteter Kraftwerke die Strompreise schnell in die Höhe treiben würde. „Ein solcher Eingriff könnte den gesamten Markt ‚in die Luft jagen‘ und zu signifikanten Tariferhöhungen führen, ohne eine entsprechende Zuverlässigkeit, Stabilität oder Cybersicherheit zu bringen“, so Robert Powelson, einer von Trump selbst eingesetzten Experten der Federal Energy Regulatory Commission.

Nach all dem, was wir von Trumps Regierungsstil erlebt haben, sollte es niemanden überraschen, wenn er entgegen jeglicher Wirtschaftslogik weiter an den Wahlversprechen festhält. Für wie dauerhaft sich eine solche Entscheidung erweisen wird, wird sich dann zeigen.

Quelle: New York Times

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