Unbekannte Flugobjekte über Atomkraftwerken

Kernkraftwerke sind kaum ausreichend gegen Luftangriffe geschützt
In den vergangenen Monaten kreisten mehrfach unbekannte Flugobjekte über französischen Atomkraftwerken. Während Politiker und Kraftwerkbetreiber abwiegeln und keinerlei Gefahr in den Flugobjekten sehen, sind Umweltschützer alarmiert. Sie sehen die Sicherheit der Atommeiler in Gefahr.
Seit Oktober letzten Jahres kreisten immer wieder mysteriöse Flugobjekte über französischen Kernkraftwerken. 19 der insgesamt 24 französischen Atomanlagen waren betroffen. Auch eine Plutoniumfabrik im Süden Frankreichs, die sehr schlecht gegen Angriffe gerüstet ist, soll Ziel der Erkundung gewesen sein. Die Herkunft der Objekte, bei denen es sich laut Politikern und Konzernsprechern um Drohnen handeln könnte, ist unklar. Auch über der Atombehörde in Caclay bei Paris bewegten sich Drohnen und Ende Dezember ist eine Drohne über dem belgischen Kernkraftwerk Doel gesichtet worden.
Der französische Kraftwerksbetreiber Electricité de France (EdF) hatte angegeben, dass die Sicherheit der Anlagen durch die Überflüge in Frankreich nicht gefährdet gewesen sei. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hatte auf spezielle Abwehrsysteme der Kraftwerke verwiesen. Die Drohnen waren zumeist in der Nacht oder den frühen Morgenstunden gesichtet worden. Ob und von wem die Drohnen gesteuert wurden, ist nicht bekannt. Angeblich soll es sich um unterschiedliche Drohnentypen gehandelt haben, einige davon waren eher klein, andere seien bis zu zwei Meter groß gewesen. Das bedeutet, dass sie unter anderem auch gefährliche Güter mit sich führen könnten.
Das Überfliegen von Atomanlagen ist in Frankreich in einem Umkreis von fünf Kilometern und einer Höhe von einem Kilometer verboten. Für den Schutz der Kraftwerke ist die französische Luftwaffe zuständig. Der Kernkraftwerkbetreiber EdF hat Strafanzeige erstattet.
Über den Grund und den oder die Urheber der Drohnenüberflüge ist viel spekuliert worden. Zunächst glaubte man, es handele sich um eine Aktion von Atomkraftgegnern. Greenpeace hatte im Mai 2012 gefilmt, wie ein Aktivist in einem Motorrogalo über das französische Atomkraftwerk Bugey flog und eine Rauchbombe abwarf, um auf Sicherheitsdefizite aufmerksam zu machen.
Greenpeace hat sich aber unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Drohnenflüge von der Aktion distanziert und mit Sorge reagiert. Zum Teil seien weit voneinander entfernt liegende Anlagen an einem Tag angeflogen worden. Das deute auf eine großangelegte und genauestens geplante Aktion hin.
Ob hinter den Erkundungsflügen terroristische Absichten stecken, ist ebenfalls unklar. Viele der Kraftwerke weisen Sicherheitslücken auf und wären einem Terrorangriff vermutlich nicht gewachsen. Das Kraftwerke Cattenom liegt keine 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und das Kraftwerk Fessenheim nur wenige Kilometer von Freiberg im Breisgau entfernt. Beide sind bereits seit den 1970er Jahren in Betrieb.
„Frankreichs Behörden wissen seit Jahrzehnten, dass ihre Atomkraftwerke äußerst anfällig für Terrorangriffe sind“, sagt Susanne Neubronner, Atomexpertin von Greenpeace. „Dass nicht identifizierte Drohnen ohne jegliche Reaktion der Sicherheitsbehörden über Atomanlagen fliegen können, offenbart große Sicherheitslücken. Ein Unfall oder ein vorsätzlicher Angriff auf Cattenom oder Fessenheim wäre verheerend für die französische und die deutsche Bevölkerung.“
Sicherheitsexperten halten die Befürchtungen von Greenpeace für überzogen. Doch ganz gleich, ob es sich um eine politische oder künstlerische Aktion, um Testflüge zur Aufdeckung von Sicherheitslücken oder um zwielichtige Absichten handelt, eins zeigen die Ereignisse deutlich: Die Sicherheit europäischer Atomkraftwerke ist keineswegs bis ins letzte Detail gewährleistet. Auch deutsche Atommeiler wären laut Greenpeace einem Anschlag oder Flugzeugabsturz nicht gewachsen.

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