Sozialverträglicher Kohleausstieg nötig und möglich

Report von WWF und Lichtblick: Sozialverträglicher Kohleausstieg drängt.
Report von WWF und Lichtblick: Sozialverträglicher Kohleausstieg drängt.

Donnerstag kamen die Mitglieder der Kohle-Kommission zu einem weiteren Treffen zusammen. Bereits im Vorfeld häuften sich unterschiedliche Studien und Analysen zum weiteren Vorgehen in Bezug auf den Kohleausstieg. Der neue Report von WWF und Lichtblick stellt klar, dass ein sozialverträglicher Kohleausstieg nötig ist – und machbar. Damit schlagen sie in die gleiche Kerbe wie viele Klimaschützer vor ihnen. Der nötige Strukturwandel habe in den betroffenen Regionen bereits stattgefunden, erklärten die Umweltorganisation und der Ökostromanbieter in ihrem Report.

Am Vortag der nächsten Sitzung der „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ – kurz Kohle-Kommission – haben WWF und Lichtblick eine Studie zum Kohleausstieg veröffentlicht. Im Report „Sackgasse Kohle – Warum die Kohlenutzung keine Zukunft hat“ beleuchten sie die Rolle der Kohle im deutschen Energiesystem. Besonders kritisiert der Report die bereits Jahre andauernde Stagnation des ehemaligen Vorreiters Deutschland im Kohleausstieg.

„Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss der Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle jetzt höchste Priorität haben. Während immer mehr Industrieländer damit begonnen haben, herrschte hierzulande neun Jahre Stillstand“, so der Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland, Michael Schäfer. Denn die „Kohle blockiert nicht nur den Klimaschutz, sondern auch Innovationen und Entwicklungschancen für die betroffenen Regionen.“

Der größte Teil des Strukturwandels in der Lausitz und den Kohlerevieren des Rheinlandes hat längst stattgefunden. So ist die Zahl der direkt in der Braunkohle Beschäftigten in den vergangenen 30 Jahren bereits um über 80 Prozent auf unter 20.000 gesunken.

Deutschland trauriger Kohle-Spitzenreiter

Mit 31 Prozent der insgesamt in Europa installierten Kraftwerksleistung führt Deutschland die Liste der Kohlekraftwerkbetreiber der EU mit großem Abstand an. Das entspricht einer Bruttokraftwerksleistung von 49 Gigawatt, berichtet der Report von WWF und Lichtblick. Es folgen Polen mit etwa 29 Gigawatt und 18 Prozent sowie Tschechien mit neun Gigawatt und sechs Prozent der in der EU insgesamt installierten Leistung. Beim Emissions-Ausstoß sieht es für den Ex-Vorreiter für saubere Energieerzeugung nicht besser aus. Immer noch stammen fast 40 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kohle. In Europa kamen nur etwa 18 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Kohlekraft, im Energiewendeland Deutschland waren es 29 Prozent.

Sozialverträglicher Kohleausstieg, um Kosten zu vermeiden

Strukturwandel und Arbeitsplätze sind nur ein Aspekt, um den es beim Kohleausstieg geht. Ein anderer sind die Kosten. So werden auch die tatsächlichen Kosten der Kohleverstromung in dem Report analysiert. Diese sind immens. Um sie zu vermeiden, ist ein sozialverträglicher Kohleausstieg nötig und wirtschaftlich alternativlos. Vor allem gewaltige Umweltkosten schlagen bei der Kohle zu Buche. Das Umweltbundesamt beziffert 120 Euro für jede in die Atmosphäre emittierte Tonne CO2. Macht für das Jahr 2016 46 Milliarden Euro Umweltkosten, die durch einen besseren Ausbau der erneuerbaren Energien vermeidbar wären. Denn auch wenn es um die weitere Energiewende und den Klimaschutz geht, ist der Kohleausstieg von enormer Bedeutung.

„Kohlestrom verstopft die Stromnetze und verlangsamt den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Alternativen sind längst da: Lokale Stromproduktion aus Wind und Sonne, die wir intelligent vernetzen und bei Bedarf speichern. So schaffen wir neue Jobs und sichern die Stromversorgung“, so Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick.

Die Kohlekommission nahm Ende Juni ihre Arbeit auf. Sie ist zu gleichen Teilen aus Politikern, Verbänden und Wissenschaftlern zusammengesetzt. Unter dem Titel „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ soll bis zum Jahresende ein Plan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung geschaffen werden, der die Interessen der betroffenen Regionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze berücksichtigt.

Quelle: WWF