Schwarzer Sand – schwarzes Gold

Wenn ein Ende der verfügbaren Ressourcen in Sicht ist, bedeutet dies noch nicht, dass man mit allen Mitteln an Alternativen forscht. Die Ölindustrie ist dafür ein hervorragendes Beispiel, denn sie lässt sich so einiges einfallen, um noch den letzten Tropfen fossiler Energieträger aus der Erde zu holen: Dazu zählt die Förderung von Erdöl in schwerst zugänglichen Gebieten wie der Arktis, die Gewinnung von Schiefergas mit Hilfe von Technologien wie Fracking, oder auch die Extrahierung von Erdöl aus Teersand.

Erdöl aus Teersand ist dabei der teuerste fossile Brennstoff, da seine Förderung besonders energieintensiv ist. Der Preis eines Barrels liegt um bis zu 20 Mal höher im Vergleich zur herkömmlichen Erdölförderung. Denn es bedarf einer komplexen Prozedur, um aus dem zähen Bitumen, das im Boden gebunden ist,  das wertvolle Erdöl zu extrahieren. Mittels Wasserdampf wird es verflüssigt, um überhaupt gefördert werden zu können. Der gesamte Prozess ist außerordentlich energieintensiv: Für die Förderung eines Barrels Öl aus Teersand werden rund fünf Barrel Wasser benötigt. Etwa ein Drittel der gewonnenen Energie wird direkt während des Förderungsprozesses verbraucht.

Rechnet man also die Gesamtmenge der benötigten Energie einschließlich der Erhitzung des Wassers und der weiteren Verarbeitungsschritte zur „Veredelung“ des Öls zusammen, resultiert daraus ein Schadstoffausstoß, der im Vergleich zur herkömmlichen Ölförderung um bis zu 25 Prozent höher liegt. Zu dem erheblichen Kostenaufwand kommen die irreparablen Umweltschäden aus dem zurückbleibenden Grubenschlamm. Verwüstete Landstriche, die aufgrund schwerer chemikalischer Rückstände nicht mehr nutzbar sind, prägen noch Jahrzehnte das Landschaftsbild. Hinzu kommt, dass diese Gebiete, die zum Teil die Größe mehrerer deutscher Bundesländer zusammen umfassen,  auch umliegende Gewässer und das Grundwasser verseuchen.

bigstock-Alternating-stripes-of-bitumen-18776198

Schulterschluss von Politik und Lobby

Die größten Teersand-Vorkommen  befinden sich in Venezuela und Kanada. Um aus den vorhandenen Ressourcen ungestört Profit schlagen zu können, hat sich Kanada 2011 sogar aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet und seitdem statt einer Senkung seiner CO2-Emissionen einen satten Anstieg um 30 Prozent erreicht. Zwar gelten die USA als größter Abnehmer des kanadischen Öls, um jedoch den Profit zu steigern, hat Kanada seinen Ölexport auf Europa ausgeweitet. Seit Ende September wird dank des europäisch-kanadischen Freihandelsabkommens CETA das aus dem Teersand gewonnene Schweröl nach Europa exportiert.

Der Versuch der EU-Kommission, mehr Transparenz zur Herkunft des auf dem Markt angebotenen Öls herzustellen und im Rahmen des Abkommens verbindlich einzufordern, ist gegen die internationale Kampagne für einen komplett freien Handel gescheitert. Das Ergebnis zeichnet somit ein sehr klares Bild, worum es in Wirtschaft und Politik geht: Profitmaximierung.

Kosten bedeuten Profit

Die Investitionen in die Förderung fossiler Brennstoffe sind gigantisch. Was aber Billionen verschlingt, verspricht auch ein Vielfaches an Profit – und zwar für Industrie und Politik. Denn unsere komplette globale Industrie ist auf Erdöl getrimmt: Es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht von dem schwarzen Gold dominiert wird. Wir alle sind also direkt oder indirekt zur Abnahme verpflichtet. Dadurch sieht die Erdölbranche ihre Zukunft gesichert – zumindest für die nächsten 50 bis 100 Jahre. Was danach kommt, ist ungewiss – aber den Entscheidern von heute offenbar auch nicht so wichtig.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Druck für Kohleausstieg steigt
    Fracking – Lösung oder Risikotechnologie
    Fabriken auf dem Meeresgrund

Add comment