Gas-Markt im Wandel

Europäische Gas-Partner von Gazprom fordern Preisreduzierung

Russlands traditionelle Geschäftsstrategien und sein Preismodell sind durch die Verringerung der europäischen Gas-Nachfrage seit 2008, die Auswirkungen der amerikanischen Schiefergas-Revolution und die globale Gas-Schwemme untergraben worden. Zugleich ist ein Rückgang der auf Langfristigkeit ausgelegten russischen Öl-indizierten Verträge und deren umstrittenen „Take-or-pay“-Klauseln bemerkbar. Während Russlands geplante Gas-Export-Kapazitäten bis auf 250 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2020 und 300 Milliarden Kubikmeter bis zum Jahr 2030 wachsen sollten, wird die EU-Nachfrage nach Erdgas bis zum Jahr 2020 laut Prognosen stagnieren und ist darüber hinaus auch weiterhin ungewiss.

Die 27 Länder der Europäischen Union bilden den weltweit größten Importeur von Energie. Russland will seine Marktposition und seinen geopolitischen Einfluss auf Europa durch den Bau der teuersten Gaspipeline in Eurasien zurückgewinnen – der South Stream. Russland ist derzeit für die EU-27 der größte Öl-, Gas-, Uran- und Kohle-Lieferant sowie der drittgrößte Strom-Exporteur in die EU. Die EU ist der größte Handelspartner der Russischen Föderation – mehr als die Hälfte des russischen Außenhandels, 45 Prozent der russischen Importe und 55 Prozent der Exporte (darunter 88 Prozent der gesamten russischen Öl-Exporte, 70 Prozent seiner Gas-Exporte und die Hälfte der Kohle-Exporte) werden mit der EU abgewickelt. 75 Prozent der kumulierten ausländischen Investitionen in Russland stammen aus der EU. Der Anteil der Abhängigkeit der EU von Gaslieferungen hat sich, zusammen mit den Netto-Importen von Erdgas, auf einen Anteil von 63 Prozent im Jahr 2011 erhöht.

Die Rezession unter den Volkswirtschaften der EU seit 2008 und die Auswirkungen der amerikanischen Schiefergas-Revolution haben zu einem globalen Gas-Überangebot geführt. Die EU-Nachfrage nach Erdgas ist im Jahr 2011 um etwa zehn Prozent gesunken – der größte Rückgang, der jemals verzeichnet wurde – und um weitere 2,3 Prozent im Jahr 2012. Somit hat sich die Nachfrage von 502,9 Kubikmeter im Jahr 2010 bis auf 443,9 Kubikmeter im Jahr 2012 reduziert. Russlands Lieferungen sind von 150 Kubikmeter in 2008 bis auf 130 Kubikmeter im Jahr 2011 zurückgegangen. 2012 überholte Norwegen Russland als größten Gas-Lieferanten der EU zum ersten Mal. Die Gas-Einfuhren aus Norwegen in die EU-27 stiegen um 12 Prozent, während die Einfuhren vom Lieferanten Gazprom um zehn Prozent gefallen sind. Der deutsche Energiekonzern RWE zog seine Beteiligung an der Nabucco-Pipeline im Februar 2013 zurück, weil das Unternehmen in Zeiten eines drastisch reduzierten Gasbedarfes keine Notwendigkeit für die Schaffung zusätzlicher Erdgas-Infrastruktur sieht. Nach Ansicht von RWE ist Gas in der Versorgungswirtschaft nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig.

Dies ist ein Teil einer Serie unseres Medienpartners Geopolitical Information Service AG über die strategischen Auswirkungen der Wahl der Trans-Adriatic-Pipeline (TAP) für das letzte Stück des südlichen Gaskorridors der EU . Den vollständigen Artikel lesen Sie auf der Website www.worldreview.de. Dort können Sie sich den Beitrag auch als Audio-Version anhören.

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