Folgen von Fukushima noch in Jahrhunderten spürbar

Atomkraft Fukushima
Atomkraft Fukushima

Fukushima: Bis sich die Umwelt von den Folgen des Reaktorunglücks vor fünf Jahren erholt hat, werden noch viele Jahrhunderte vergehen, so die Einschätzung der Umweltschutz-organisation Greenpeace. Doch trotz des Super-GAUS und der weitläufigen Verstrahlung hält die japanische Regierung weiter an der Atomenergie fest. Greenpeace kritisiert das scharf und betont, die Regierung habe das Problem nicht unter Kontrolle. Die Aktivisten fordern, wie auch der Großteil der japanischen Bevölkerung, die Stilllegung der verbliebenen Atomkraftwerke.

Fast genau fünf Jahre ist es nun her, dass ein Erdbeben vor der japanischen Küsten zur schlimmsten Atomkatastrophe seit Tschernobyl führte. Das Beben und die dadurch verursachten Tsunamis lösten in mehreren Reaktorblöcken des Atomkraftwerks Fukushima Kernschmelzen aus. Es kam zu einem Super-GAU und zur größten atomaren Katastrophe der kommerziellen Kernenergie.

Als Folge traten große Mengen radioaktiv verseuchtes Kühlwasser und Partikel aus und kontaminierten das Meer und die Umgebung rund um das Kraftwerk. Der Wind und die Meeresströmungen verteilten die Radioaktivität weit über die Grenzen der japanischen Stadt hinaus. Spuren dieser radioaktiven Wolke sind heute rund um den Globus messbar. Bei Fischen wurden noch in tausenden Kilometern Entfernung stark erhöhte Strahlenbelastungen festgestellt.

Die Umweltorganisation Greenpeace misst derzeit anlässlich des fünften Jahrestags der Katastrophe die radioaktive Belastung des Pazifiks vor Fukushimas Küste. Mit einem Unterwasserroboter nahmen die Aktivisten mehrere Bodenproben. Mit eindeutigen Ergebnissen: So wurden bei allem Proben radioaktive Spuren nachgewiesen. 

„Die Folgen von Fukushima werden noch Jahrhunderte andauern“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Hunderttausende Menschen sind betroffen, weite Regionen an der Ostküste Japans bleiben radioaktiv belastet. Die Abe-Regierung täuscht vor, alles unter Kontrolle zu haben, doch das ist eine Farce und eine Missachtung der Opfer.“

Der Super-GAU hat laut Greenpeace weiträumig langlebige, radioaktive Elemente freigesetzt – unter anderem Cäsium 137 und geringe Mengen Strontium 90. Cäsium 137 ist stark wasserlöslich und gelangt deshalb leicht in lebende Organismen und unsere Lebensmittel. Strontium 90 besitzt eine chemische Ähnlichkeit mit Calcium. Deshalb kann es problemlos in die Knochen von Mensch und Tier eingebaut werden. Bei fast jedem Menschen ist das Element in den Zähnen nachweisbar – eine Folge der jahrzehntelangen weltweiten Atomtests.

Laut Greenpeace weisen seit Fukushima viele Bäume in Japan Kontaminationen mit Cäsium auf. Forscher fanden Mutationen in japanischen Tannen und Zedern, im Gras und in Schmetterlingspopulationen, DNA-geschädigte Würmer, Cäsium-Belastung in Süßwasserfischen, verminderte Fruchtbarkeit von Schwalben und radioaktive Kontaminationen von Flussmündungen, die zu den wichtigsten Ökosystemen gehören.

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Die japanische Regierung um Premierminister Shinzo Abe setzt dennoch erneut auf Atomstrom. Der hohen Strahlenbelastung zum Trotz und gegen den Willen der japanischen Bevölkerung sind viele der zunächst stillgelegten Reaktoren wieder in Betrieb. Japan wird regelmäßig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht. Daher sind die Befürchtungen groß, dass sich ein Reaktorunglück wie in Fukushima wiederholen könnte. 

Greenpeace fordert die japanische Regierung auf, die Bevölkerung nicht weiter dem atomaren Risiko auszusetzen und alle Reaktoren endgültig abzuschalten. Ein zweites Fukushima dürfe es keinesfalls geben. Auch der vor fünf Jahren amtierende japanische Premierminister Naoto Kan fordert den endgültigen Ausstieg Japans aus der Atomenergie.

Auch nach einem Atomausstieg wird Fukushima Japan noch sehr lange belasten. Mehr als neun Millionen Kubikmeter Atommüll lagern in der Region um die Stadt. Die bewohnten Gebiete und schmale Streifen entlang der Straßen und Waldränder wurden von der Strahlung weitgehend befreit, doch die Radioaktivität wird über die Berge zurückkehren. „Ein Super-GAU lässt sich nicht einfach aufräumen“, so der Kernphysiker und Atomexperte Heinz Smital.

Quelle: Greenpeace

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