Gas Monopoly

Gas Monopoly

Stets neu aufflammende Gaskrisen beweisen immer wieder aufs Neue, dass Europa im höchsten Maße von einem besonderen Energieträger abhängig ist: Erdgas. Als erster abendfüllender Dokumentarfilm wirft Gas Monopoly einen Blick hinter die Kulissen von Europas Erdgasversorgung und landet dabei in einem Zirkus aus Intrigen, politischen Ränkespielen und Täuschungsmanövern. In diesem Business herrschen andere Maßstäbe. Hier werden Verträge in Milliardenhöhe abgeschlossen, die über Jahrzehnte laufen. Die Protagonisten kämpfen unterdessen um Macht, Ansehen und Reichtum.

South Stream und Nabucco. Seit Jahren findet auf internationaler Ebene ein zähes Ringen statt. Dabei dreht sich alles um die beiden geplanten Pipelines Nabucco und South Stream. Zumeist wird hinter verschlossenen Türen verhandelt, üblicherweise mit verdeckten Karten gespielt und ausschließlich um die eigenen Interessen gerungen. Bis zum heutigen Tage stehen die genauen Trassenführungen der Rohrleitungen nicht fest. Selbst der eigentliche Baubeginn der Großprojekte scheint immer wieder fraglich zu sein. Worum geht es hier eigentlich?

Der russische Gaskonzern Gazprom ist tonangebend, wenn es um South Stream geht. Schließlich soll die Erdgasleitung in Russland beginnen. Am Ende des Projekts, dessen Kosten momentan auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt werden, soll South Stream im Herzen Europas enden. Zweifellos wäre damit die unmittelbare Abhängigkeit Europas von Russlands Erdgasvorkommen für weitere Jahrzehnte fixiert.

Nabucco stellt für Europa nur auf den ersten Blick eine Alternative dar. Vornehmlich europäische Energiekonzerne treiben dieses Projekt voran. Auch hier soll die zirka 15 Milliarden Euro teure Gasleitung mitten in Europa enden. Ihren Anfang hätte sie jedoch in der Region des Kaspischen Meeres. Seit Jahren prägen Diktaturen, Kriege und Bürgerkriege diesen Bereich der Welt. Ob Verträge, die über Jahrzehnte laufen, hier zu einer Stabilisierung der Situation beitragen, muss bezweifelt werden. Auch die allgegenwärtige Gazprom zieht hier an den Fäden der Macht und lässt oftmals unverhohlen ihre Muskeln spielen.

Europas Alternativen. Unter dem Meeresgrund des Persischen Golfs befindet sich das größte Erdgasvorkommen der Erde. Das Emirat Katar hat vollen Zugriff auf diesen Bodenschatz und verarbeitet das Gas vor Ort zu Flüssiggas. Danach befördern riesige Transportschiffe den nunmehr flüssigen Rohstoff nach Europa, wo sich immer mehr Abnehmer für diese teure Alternative finden.

Auf europäischem Boden befinden sich große Vorkommen an Schiefergas. Dieses Erdgas bildet sich in speziellen Gesteinsschichten. Sein kommerzieller Abbau ist technisch anspruchsvoll. Das schmälert automatisch den Gewinn der Energiekonzerne. Zudem gilt die derzeit gängige Fördermethode, das Fracking, als ökologisch äußerst bedenklich.

Der Dokumentarfilm sucht und findet einen außergewöhnlichen Zugang zu dieser komplexen Thematik. Reporter Martin Leidenfrost begibt sich unter der Regie von Richard Ladkani in die Zentren der Macht. Dort, etwa in Brüssel, Russland, Österreich, Aserbaidschan und Turkmenistan, konfrontiert er seine hochrangigen Gesprächspartner mit offen gestellten Fragen.

Spitzenpolitiker, Lobbyisten und Manager ziehen dabei oftmals eine Mauer des Schweigens auf. Nicht selten lässt dieses Nichtreden erahnen, wie wenig Europas Bevölkerung über die Vorgänge in höchsten Führungsebenen weiß, und wie unwichtig seine Bedürfnisse wohl in den Augen vieler Schlüsselfiguren erscheinen.

Nächster Sendetermin dieser aufschlussreichen Dokumentation, einer Koproduktion von Fischer Film, ORF und Arte, ist der 10. Januar 2012. Dann ist Gas Monopoly um 20.15 Uhr auf dem Kultursender Arte zu sehen.

Joachim Kern

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