Fabriken auf dem Meeresgrund

Eisberg-Gletscher

Während über Wasser Eisschollen und Gletscher still vor sich hin plätschern, pumpen ein paar hundert Meter weiter unten am Meeresboden gigantische Maschinenparks Öl und Gas aus dem Schelf. So stellt man sich bei Statoil die Zukunft vor.

Schon jetzt fördert der Konzern mit der vollautomatischen Unterwasser-Anlage Snøhvit Gas vor der norwegischen Küste. Snøhvit ist ein Vorzeigeprojekt, die einzige Anlage dieser Art in Europa und die weltweit nördlichste zugleich. Sie kommt ohne Förderplattform über Wasser aus. Stattdessen ist das Equipment in 250 bis 345 Metern Tiefe am Meeresgrund verankert. Das hier geförderte Gas wird über eine Pipeline zur 140 Kilometer entfernten Küste nach Hammerfest weitergeleitet, wo eine Verflüssigungsanlage steht. Ausgehend davon will Statoil bis 2020 komplette Förderanlagen bauen, die sich vollständig unter Wasser befinden. Roboter sollen für den Betrieb der Unterwasserfabriken zuständig sein.

Die Unterwasserproduktion könnte neue Perspektiven für die Öl- und Gasförderung in der Arktis bedeuten. Denn man könnte nun auch in Regionen vordringen, die mit herkömmlicher Offshore-Technologie nicht zu erschließen sind, weil etwa die Witterungsbedingen in den nördlichen Breiten unberechenbar sind oder wegen des Gefahrenpotenzials durch treibende Eisberge. Am Meeresgrund jedoch ist es auch bei oberflächlich noch so rauher See immer vollkommen ‚windstill‘.

Proteste gegen Ausbeutung unerschlossener Öl– und Gasreserven in der Arktis

Was aber ist die Kehrseite der Medaille? Umweltschütze protestieren immerhin seit Jahren vehement gegen die Ausbeutung der unerschlossenen Öl- und Gasreserven in der Arktis. Das fragile Ökosystem würde Befürchtungen nach schwer darunter leiden. Immerhin gibt es bislang kaum Erfahrungen im Betrieb von Unterwasser-Förderanlagen. Hier herrschen vollkommen andere Bedingungen, insbesondere in kalten Gefilden. Die Anlagen sind unter Wasser ganz anderen Belastungen ausgesetzt. Schon kleinste technische Ausfälle zu beheben gestaltet sich wesentlich schwieriger als an Land. Außerdem ist zu bedenken, dass die Arktis das halbe Jahr über vereist ist.

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Etwaige unkontrollierte Gas- oder Ölaustritte während der kalten Jahreszeit könnten nicht behoben oder unter Kontrolle gebracht werden. Statoil will mit seinen Unterwasser-Plänen zunächst in der permanent eisfreien äußeren Arktis beginnen, nach und nach aber in immer größere Tiefen und kältere Regionen vordringen.

Josephin Lehnert

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