Wird in Deutschland bald gefrackt?

Erdgasbohnturm

Während auf der Berlinale Matt Damon in Gus Van Sants „Promised Land“ als konservativer Gasförder-Lobbyist sich einer Meute aufgebrachter, basisdemokratischer Fracking-Gegner gegenübersieht und der seit Jahren währende Kampf gegen die umstrittene Technologie weltweit auf die Leinwände kommt, schlägt die deutsche Bundesregierung ganz andere Wege ein und begiebt sich damit kurz vor der Bundestagswahl auf dünnes Eis.

Die Arbeitskreise Umwelt und Wirtschaft der Unions- und FDP-Fraktion hatten Anfang Februar klare Regelungsvorschläge an Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) übermittelt, denen zufolge die Förderung von Schiefergas bald einheitlich geregelt sein soll. In einem entsprechenden Papier heißt es, dass eine Zulassung der umstrittenen Fördertechnologie in Deutschland befürwortet wird, wenn auch unter strengen Auflagen. Bei jeder neuen Bohrung soll es eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben, außerdem müsse klar geregelt werden, was mit möglichen giftigen Rückflüssen passiert. Auch soll sichergestellt werden, dass in Wasserschutzgebieten Erkundungs- und Gewinnungsmaßnahmen von Erdgas aus Schiefergas mittels Fracking ausgeschlossen sei. Heil- und Mineralquellen müssten geschützt werden.

Beim Fracking wird Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten gewonnen, indem man ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch mit hohem Druck in den Untergrund pumpt. Das Gestein wird dadurch zerklüftet und das darin enthaltene Gas kann entweichen und gefördert werden. In den USA wird dies schon seit Jahren im größeren Maßstab praktiziert – mit zum Teil drastischen Folgen: vergiftetes Grundwasser und verödete Landstriche, Gesundheitsschäden für Tiere und Menschen. Bilder von brennenden Wasserhähnen gingen um die Welt.

Die Bundesregierung scheint sich daran nicht zu stören. Die Schiefergasvorkommen werden als so ergiebig eingeschätzt, dass Deutschland damit 13 Jahre lang seinen Gasbedarf decken könnte. Ein Sprecher des Umweltministeriums stellt eine zügige Regelung in Aussicht. Das Umweltbundesamt zeigt sich indes skeptisch und verweist auf Risiken im dicht besiedelten Deutschland. Auch seien allein 14 Prozent der Landesfläche als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen, so dass eine Förderung am Ende nur in geringem Umfang stattfinden könnte.

Besonders in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen haben sich starke Bürgerinitiativen gegen das Fracking-Vorhaben gebildet. Man fürchtet vor allem eine Verseuchung des Trinkwassers mit giftigen Chemikalien. Profitieren von einer Genehmigung der Fracking-Technologie würden am Ende Energieriesen wie ExxonMobil, während die unabschätzbaren Risiken bei den einzelnen Bürgern verblieben. Altbundeskanzler Gerhard Schröder – der im Aktionärsausschuss der russischen Gazprom sitzt – rät von einem Umstieg von russischem Erdgas auf Schiefergas ab. Das sei ein unrealistisches Vorhaben. „Versuchen Sie mal, eine Bohrgenehmigung unter Osnabrück zu erhalten, um da mit Chemie zu hantieren. Das wird nicht gelingen“, sagte Schröder der Presseagentur dpa.

Josephin Lehnert

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.