BoAplus soll 1.100 Megawatt Strom in Bergheim-Niederaußem erzeugen

Kraftwerk; Bild: shutterstock

RWE Power plant in Bergheim-Niederaußem den Bau einer neuen Generation eines Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoAplus). Das Kraftwerk soll über eine installierte elektrische Leistung von 1.100 Megawatt verfügen. Um das Projekt auf den Weg zu bringen, hat der Konzern einen Antrag auf Änderung des Regionalplans bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Mit einer Inbetriebnahme plant RWE Power in den Jahren 2017/2018.

BoAplus verfügt durch ein integriertes Feuerungskonzept über einen Wirkungsgrad von rund 45 Prozent. Ein großer Anteil des Brennstoffs Braunkohle wird zunächst in einem Wirbelschichtverfahren getrocknet und erst dann verfeuert. Zwei kleine Kessel von je 550 Megawatt Leistung treiben eine Turbine an.

Die Anlage lässt sich in einer Spannweite von 350 bis 1.100 Megawatt fahren. Bei Bedarf lässt sich die Leistung des Kraftwerks pro Minute um 30 Megawatt steigern oder senken. Dadurch kann die Anlage auf Schwankungen im Stromnetz, die durch die Einspeisung von Sonnen- und Windenergie auftreten, auffangen.

Wenn nur ein Kessel läuft, ist eine Absenkung auf 175 Megawatt möglich. Neu bei der BoAplus-Anlage ist die Möglichkeit, Biomasse mitzuverbrennen. Bis zu zehn Prozent des benötigten Brennstoffs, das sind 700.000 Tonnen, können so pro Jahr in Form von Biomasse eingesetzt werden. Geplant ist, die Biomasse per Bahn oder über Umgehungsstraßen ans Kraftwerk heranzuführen. Damit bleibt die Belästigung der Anwohner so gering wie möglich. Das BoAplus-Kraftwerk wird für eine Kraft-Wärme-Kopplung ebenso wie für die CO2-Wäsche vorbereitet.

RWE Power denkt bei den Planungen auch an die Außenwirkung. Die Anlage wird sich auf 23 Hektar Richtung Rheidt-Hüchelhoven ausdehnen. Ein Hybridkühlturm sorgt dafür, dass die Dampfschwaden gering bleiben. Der Kühlturm ist nur 100 Meter hoch. Die Verschattung soll damit möglichst klein bleiben. Bislang ist BoAplus nur eine Idee auf dem Papier. Wenn dieser Plan umgesetzt wird, steht eine Investitionssumme von rund 1,5 Milliarden Euro an.

Selbst wenn die neue Anlage von REW Power verwandte Anlagen energetisch gesehen um Längen schlägt, bleibt die Frage, warum REW nicht gleich auf eine 100-prozentige erneuerbare Energieanlage setzt. So äußerste sich beispielsweise auch Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND in NRW, kritisch zu dem Projekt: „Braunkohlenkraftwerke sind eine Energieerzeugungstechnologie von vorgestern.“ Braunkohle sei und bleibe der klimaschädlichste Energieträger. Manche Anwohner des Kraftwerks sehen das Projekt kritisch, denn die Beschattung stellt je nach Wetterlage eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität im Ort dar. 

Susanne Kirsch

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