Biblis nicht sicher?

Atomkraftwerk

Das Öko-Institut hat im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit die Sicherheit des Kernkraftwerks Biblis (KWB-B) untersucht. Die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hatte 2008 eine Liste von insgesamt 210 potentiellen Sicherheitsdefiziten am Block B erstellt und sie im laufenden Verwaltungsgerichtsverfahrens zum Antrag auf Stilllegung des KWB-B eingereicht.

Den Ergebnissen des Öko-Instituts zufolge konnten nicht alle der 210 Sicherheitsmängel bestätigt werden. Allerdings wurden in etwa 80 Einzelpunkten sicherheitsrelevante Defizite festgestellt.

Die Bundesregierung hat in ihrer gemeinsam mit der hessischen Atombehörde erstellten Nachrüstungsliste vom 3. September 2010 die festgestellten Sicherheitsmängel bestätigt. So müsste bei Biblis B eine automatisierte Abschaltung des Atommeilers beim sogenannten ‚kleinen Leck‘ ausgelöst werden.

Auch die Notkühlwassermenge ist knapp. Es ist kein ausreichender Schutz gegen Brände und Überflutungen gegeben, das „Probenahmesystem“ für den Fall einer Kernschmelze fehlt, das Notkühlsystem ist defizitär, die räumliche Trennung von Sicherheitssystemen und Rohrleitungen unzureichend.

Rainer Baake, ehemaliger Staatssekretär im BMU, hat in der vorigen Woche gefordert, dass die Reaktoren erst wieder ans Netz gehen dürfen, wenn der Betreiber RWE das Kraftwerk nachgerüstet hat. Es berge ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Terrorangriffen, beispielsweise durch gezielte Flugzeugabstürze, würde weder die 80 Zentimeter dicke Betonhülle von Biblis A noch die 100 Zentimeter starke Hülle von Biblis B standhalten. Spätestens nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sollten derartige Angriffe einkalkuliert und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Das hessische Umweltministerium hat die vom Öko-Institut festgestellten Mängel nach eigenen Untersuchungen als nicht bedenklich empfunden und sieht keinen Anlass zur Stillegung der Kernkraftanlage. Nachrüstungen seien allerdings angebracht.

Josephin Lehnert

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